Ein Freund

Er kam total wollig und zerzaust zu uns. Das erste, was ich zu ihm sagte, war Struppi. Mir war das Geschlecht der Katze egal und ich wollte gerne eine haben. HĂ€tte ich mich nicht fĂŒr ihn entschieden, dann wĂ€re er wie seine Geschwister ertrĂ€nkt worden. Als Struppi das erste mal da war hatte ich das GefĂŒhl ich kenne ihn schon ewig. Er spielte sofort mit den angebotenen Spielzeugen. Wenn er mĂŒde war, legte er sich zuerst auf meinen Schoß, kuschelte sich ein und schlief. Das war der Beginn dieser wunderbaren Freundschaft. Struppi folgte mir auf Schritt und Tritt. Wenn ich im Esszimmer las, lag Struppi jedes Mal neben mir auf dem Tisch. Nachts wartete er neben meiner TĂŒr bis ich morgens aufstand. Er war so ein liebes Ding. Er lag wie ein Kind senkrecht im Schoß. Das Köpfchen unter das Kinn geklemmt, eine Pfote ĂŒber den Arm, als wolle er mich umarmen.

Struppi war etwas ganz besonderes, kluges, schlaues. Struppi verstand alles. Er wurde immer mit Leckereien verwöhnt. Ich drĂŒckte ein Auge zu und gab ihm hier und da ein StĂŒck ab, aber nicht zuviel und nur was ihm bekommt. Morgens wurde ich von dem Katerchen abgeholt. Ein Maunzen vor meiner TĂŒr. Ich reckte zur Klinke und Samtpfötchen schlichen sich in mein Zimmer. Er legte sich auf meine Knie und wir schmusten eine Runde. Struppi legte sich auf den Boden und wartete bis ich aufstand. Dann begleitete er mich bis ins Esszimmer. Ich fĂŒtterte ihn. Dann folgte noch eine Schmusestunde und dann machte er seine PirschgĂ€nge.

Eines Tages kam er schwach und zitternd wieder. Wenige Tage spĂ€ter lag er teilnahmslos in der Ecke. Ganz schwach. Als er aufstehen wollte knickte er hinten weg. Dann folgten die schlimmsten Stunden die es je gab: Tierarzt. Struppi wurde untersucht. Fieber wurde gemessen. Er hatte ĂŒber 40°C Fieber. Struppi war ausgetrocknet. Der Schmerz verĂ€tzte mir die Lunge, meine Alveolen schienen zu explodieren. Ich brach in TrĂ€nen aus. Dann folgten Tage der Angst. Der VeterinĂ€r sagte, dass Struppi in der nĂ€chsten Nacht sterben könnte. Am nĂ€chsten morgen wurde telefoniert. Struppi ging es besser. Er fraß und trank wieder. Er kam zu KrĂ€ften. Er ließ die Untersuchungen ohne Fauchen und Beißen ĂŒber sich ergehen, als kannte er es ewig.

Nur eine Woche spĂ€ter fing er wieder zu krĂ€nkeln an. Wieder kein Futter, kein Wasser. Im Arm fĂŒhlte er sich unnormal warm an. Ich wusste, etwas stimmt nicht. Dann legte sich Struppi zuletzt ans Fenster und lag dort teilnahmslos. Ich kannte ihn nicht so. Struppi war so fröhlich, verspielt. Und wieder der nĂ€chste Tierarztbesuch. Der Arzt untersuchte ihn. Wieder ĂŒber 40°C Fieber!!! Ich kĂ€mpfte gegen die TrĂ€nen und Angst an. Blut wurde abgenommen. Ich ĂŒberlegte ob es an der verletzten Pfote lag, diese wurde mitbehandelt. Eine Kralle war ausgerissen. Wir mußten im Wartezimmer warten auf den Befund. Zuerst fiel der Verdacht auf Katzenleukose, eine schlimme Infektionskrankheit. Auf Katzen-Aids wurde er auch getestet. Wenig spĂ€ter betraten wir den Behandlungsraum.

Katzenaids! Ein Schock! Etwas zerbrach in mir. Ich fĂŒhlte mich elend. Struppi wĂŒrde nur noch vor sich hin vegetieren. Der Tierarzt deutete vorsichtig die EinschlĂ€ferung an. Ich entschied mich dafĂŒr. Struppi wurde von dem Leiden erlöst. Ich schmuste mit dem Katerchen bis es einschlief. Ich weinte. Er stupste mich mit seinem samtigen NĂ€schen an, als wolle er mich trösten. Struppi schlief ein. Schmerzfrei. Es war wie eine ĂŒberdosierte Narkose. Sein Herz wurde mit dem Stethoskop abgehört. Es hatte aufgehört zu schlagen.

Auf dem Nachhauseweg öffnete sich die Wolkendecke und ein Sonnenstrahl durchbrach hell das grau in grau. Ich wusste, dass er ĂŒber die RegenbogenbrĂŒcke gegangen war.

Ich beerdigte ihn unter der großen Birke, setzte eine Margaritte und sĂŒĂŸe Ranunkeln auf das Grab. Struppi durfte nur ein knappes Jahr bei mir bleiben. Ich vermisse ihn irrsinnig. Es ist nur noch Leere. Ich werde nie mehr ein Tier lieben können, aus Angst es zu verlieren.

Eine reale Geschichte die ich erlebt habe. Ich will mal was zum Tabuthema veröffentlichen, und ĂŒber den Tod eines Tieres, was oft als Nichtigkeit abgetan wird. auch so was hinterlĂ€sst Schmerz. Vielleicht findet jemand durch der Geschichte Mut, sich damit auseinander zu setzen, und zu verarbeiten.

toxin

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