Sehnsucht ist die achte Farbe des Regenbogens

Irgendwo, weit weit weg ist ein MĂ€dchen unterwegs, in der einen Hand hĂ€lt sie einen Pinsel und in der anderen einen Topf voller sehnender Sehnsucht. Wie dieses MĂ€dchen heisst und wie sie aussieht, das kann ich nicht erklĂ€ren, das kann man nur verstehen, also musst du das selber mit deinen eigenen Pinseln ausfĂŒllen. 

Das MĂ€dchen ist zum Regenbogen unterwegs, sie will ihn mit ihrer sehnenden Sehnsuchtsfarbe ausmalen. Dann zieht er sich nĂ€mlich nicht mehr jedes mal zurĂŒck, wenn man versucht sich ihm zu nĂ€hern. Und wenn er mit Sehnsucht angemalt worden ist, kann man ihn sogar betreten. Und genau das hat sie vor: sie will den Regenbogen hinaufwandern, bis auf seinen höchsten Punkt, und dann auf der anderen Seite herunterrutschen. 

Wenn man den Regenbogen mit Sehnsucht angemalt hat, wird er nĂ€mlich mit seinem anderen Ende bei demjenigen verankert, nach dem man sich sehnt. Irgendwo weit, weit weg geht ein MĂ€dchen mit ihrer Sehnsucht, und ich glaube, du weisst wie sie heisst und wie sie aussieht, das hast du alles schon mit deinem eigenen Pinsel ausgefĂŒllt. 

Das MĂ€dchen ist zum Regenbogen unterwegs, ja, und das verstehst du sicher, das ihr eine lange Wanderung bevorsteht. Zwar wird der Regenbogen sich nicht mehr zurĂŒckziehen, wenn sie ihn erst angemalt hat, aber um ihn anzumalen, muss sie erst einmal ankommen. Irgendwo weit, weit weg ist ein MĂ€dchen mit ihrer Sehnsucht unterwegs. 

Der Regenbogen zieht sich zurĂŒck und das MĂ€dchen folgt ihm weit, die Kraft der Sehnsucht in ihrem Topf wird sie am Stehenbleiben hindern. Und darum kommt sie schließlich auch dort an, wohin sie sich gesehnt hat. Ja und wenn sie rund um die Erde wandern mĂŒsste, weil sie sich vielleicht die ganze Zeit nach Hause gesehnt hat, kĂ€me sie schließlich doch an den Ort, nach dem sie sich gesehnt hat. 

Aber dieses MĂ€dchen sehnt sich nicht nach Hause, sie sehnt sich nach dir, ihrem Freund am anderen Fuße des Regenbogens. Und wenn du dich genauso sehr nach ihr sehnst, kommt sie ganz bestimmt. 

Ja, auf einmal steht sie hier, direkt hinter dir... Sie wandert da mit ihrem Pinsel und ihrem Eimerchen voller Sehnsucht, wandert zum Regenbogen, um ihn fĂŒr alle Ewigkeit haltbar zu machen, doch er zieht sich zurĂŒck. 

Das ist die Natur des Regenbogens, das ist das Gesetz der Sehnsucht. 

Das alles hat sie begriffen, aber deshalb bleibt sie noch lange nicht stehen, wirft sie ihre Sehnsucht noch lange nicht weg. Nein, ĂŒber Land und Meer fĂŒhrt sie die Reise, immer wieder rund um die Erde herum. 

Derjenige nach dem sie sich sehnt, hat ebenso grosse Sehnsucht nach ihr. Das weiss sie nicht, aber es ist tatsĂ€chlich so. Obwohl es sehr ungewöhnlich ist, kommt es manchmal trotzdem vor. Auch vor ihm zieht sich der Regenbogen zurĂŒck, ist ja klar, und auch er wandert so wie sie. 

Das ist die Natur des Regenbogens, das ist das Gesetz der Sehnsucht. 

Nun geschieht etwas mit ihrer Wanderung, etwas das so selten geschieht, dass viele es fĂŒr unmöglich halten. Einen Tages kommt jeder von ihnen an einen Punkt, wo sie den Regenbogen genau zwischen sich haben. Da kann er sich natĂŒrlich nicht vor dem einen zurĂŒckziehen, ohne sich dem anderen zu nĂ€hern. 

Und so kommt es, dass er stehen bleibt, ganz gegen seine Natur und bald haben sie, je einen Fuss des Regenbogens erreicht und können endlich anfangen, ihn mit ihrer Sehnsucht anzumalen. All das, was sie bisher nur in den MÀrchen gehört haben, stellt sich jetzt als wahr heraus, nÀmlich das es die Sehnsucht ist, die all den anderen Farben ihre Leuchtkraft verleiht. 

Und auch das entpuppt sich als wahr: dass der Regenbogen stark wird, so stark, dass man ihn betreten kann. Höher und höher malen sie sich den immer stÀrker leuchtenden Regenbogen hinauf. Die Sicht wird weiter, bald können sie in grössere Fernen blicken, als es irgendwelchen Menschen je vor ihnen gelungen ist. Die Aussicht macht sie immer aufgeregter. 

Jetzt wollen sie sich begegnen und einander alles erzÀhlen. Schliesslich ist der kleine Teil der Welt, der sich hinter der Kuppe des Regenbogens verbirgt, das einzige was sie nicht sehen können. Sie sieht den Jungen nicht, er sieht das MÀdchen nicht. Noch nicht, aber gleich, ja jetzt, wenn sie den Kopf nur nicht so tief gebeugt hÀtte, ja jetzt, wenn er nur den Tanz seines Pinsels nicht so aufmerksam betrachtet hÀtte. 

Jetzt sind sie einander tatsĂ€chlich begegnet, hoch oben auf der Kuppe des Regenbogens malen sie nebeneinander. Aber er sieht nicht in ihre Richtung und sie nicht in seine. Ein Blick, ein einziges kurzes ZueinanderrĂŒberblicken wĂŒrde genĂŒgen - das ist dir wohl klar - um einen so starken Lichtschein zu erzeugen, dass alle Menschen auf der ganzen Welt ihn dort oben am Himmel entdecken und etwas ĂŒber ihre ungeheure Sehnsucht erfahren wĂŒrden, die den Jungen und das MĂ€dchen dorthin gefĂŒhrt hatte. Das war ihnen zu riskant. 

Doch alle Kraft, die sie dafĂŒr aufbringen mussten, einander nicht anzublicken, diese ganze Kraft stand im Widerspruch zum Gesetz der Sehnsucht, war der Natur des Regenbogens total entgegengesetzt. 

Soviel Gegenkraft, ein so starker Naturwiderstand, die Tatsache, dass sie aneinander vorbeimalten, ohne sich anzuschauen, das konnte kein gutes Ende nehmen. Mit einem Knall zerplatze alles, wonach sie sich gesehnt und was sie gemalt hatten, krachend zerbarst der Regenbogen vom Fuss bis zur Kuppe. 

Funkelnde Scherben regneten auf die Erde hinab. Zwar leuchteten sie in den schönsten Farben, aber Scherben bleiben sie dennoch, und als sie auf den Boden auftrafen, verwandelten sie sich fĂŒr kurze Zeit in Schimmerwasser, dann in nasse Glanzflecken und zu guter Letzt in gar nichts.

(unbekannter Einsender, danke!)

Der Regenbogen

Siehst du den Regenbogen dort am Himmelszelt? 

Er ist so weit, ruft dich in seine Welt. 

Ich schau dich an und fĂŒhle dann: 

Die TrÀume haben Dich in ihrem Zauberbann. 

Dein Herz schreit stumm nach ZĂ€rtlichkeit, 

doch die ErfĂŒllung ist so weit. 

Siehst du das bleiche Mondlicht und den Silberstern? 

Er leuchtet mir die Straße, die mich fĂŒhrt so fern. 

Und irgendwann komm ich dort an. 

Wo niemand mehr des anderen Feind sein kann. 

Und bin ich dort, dann wird es schön, 

ich kann schon jetzt die Sonne seh'n....

Susi

Regenbogenwald e.V.

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