| Matiyah
Es
ist kalt draußen und es regnet in Strömen, obwohl schon der 9.
Mai ist.
Es
ist jetzt genau ein Jahr her: Einerder schlimmsten tage meines Lebens.
Trotz dem damals die Sonne geschienen hat, war auch der Tag dunkel und
traurig.
Ich
kam wie gewohnt gegen Mittag aus der Schule, schmiss mein Fahrrad auf
den Rasen vor unserem Pferdestall. Doch da hörte ich ein dumpfes
Wiehern aus dem Stall. Es war Matiyahs Wiehern. Dieses Wiehern könnte
ich aus Tausenden heraushören. Im gleichen Moment schoss mir nur ein
Gedanke durch den kopf, nämlich: „Mein Gott, meine Süße bekommt ihr
Fohlen. Zu der Zeit war Matiyah nämlich hochtragend. Doch es war nicht
das Fohlen, das sich ankündigte, sondern die Stute stand in ihrer Box,
und hatte wahnsinnig große Schmerzen. Meine Mutter und unser Tierarzt
waren ratlos. So etwas hatten sie zuvor noch nie gesehen. Matiyah hatte
zu ihrem dicken „Babybauch“ eine sehr große Beule am Bauch. Unser
Tierarzt runzelte die Stirn und meinte leicht beunruhigt: „An eurer
Stelle würde ich die Stute sofort in eine Tierklinik fahren. So etwas
habe selbst ich noch nie gesehen. Tut mir Leid da muss ich passen.
Ich
wusste nicht wie mir zu Mute war. Niemand wusste was mit meiner über
alles geliebten Stute los war!
Doch
während ich noch wie in Trance dastand, handelte meine Mutter schell
und lud Matiyah auf den Pferdetransporter und fuhr in die Tierklinik.
Dort wurde Matiyah gründlich untersucht und die gefürchtete Diagnose
war erschütternd! Matiyah hatte einen Bauchmuskelabriss. Der Professor
erklärte alles ganz genau, und ich konnte es nicht fassen.Mein Leben
fiel zusammen wie ein Hochhaus, das abgerissen wurde. Die Tierärzte
meinten es gäbe nur zwei „Möglichkeiten“. Die erste Möglichkeit wäre,
dass man die Stute sofort einschläfert, die zweite war, dass man das
Fohlen rettet und die Stute dann einschläfert.
Mittlerweile
war ich so am Boden zerstört, dass ich gesagt habe, wenn es keine Möglichkeit
einer Rettung gäbe, dann möchte ich, dass die Stute sich nicht weiter
quält. Doch meine Mutter gab nicht auf. Und dafür bin ich ihr heute
sehr dankbar. Sie bat um Schmerzmittel für die Stute, und dann nahm sie
Matiyah wieder mit nach Hause.
Dort
angekommen, bauten wir ihre ganze Box um, damit wir sie in dieser dann
„aufhängen“ konnten. Das heißt wir bauten einen Balken an die
Decke und um diesen hängten wir dann eine Decke als Schlaufe. In die
wir dann Matiyah hängten. Gott sei Dank, dass Matiyah solch ein liebes
und ruhiges Pferd ist. Denn sie durfte am Tag höchstens 5 Minuten
Schritt gehen. Es war eine sehr anstrengende und entmutigende Zeit, da
die Tierärzte uns ja gesagt hatten, dass Matiyah wahrscheinlich nicht
überleben wird, oder den Rest ihres Lebens in der Box verbringen müsse,
was natürlich kein Leben für ein Pferd wäre. Dies würde den sicheren
Tod des Pferdes bedeuten. Doch ich wollte des Pferdes zuliebe nicht
aufgeben. Dann war es Montagmorgen ca. 6.10 Uhr und meine Mutter und
mein Vater beschlossen die Geburt künstlich einzuleiten und das Fohlen
aus dem Mutterleib zuholen. Am Abend zuvor hatten wir aus festen Stoff
und Schaumstoff eine Geburtshilfe „gebastelt“. Wir hatten Angst,
dass Matiyah die Geburt nicht überleben würde, aber sie musste das
Fohlen bekommen, da das Gewicht von ihm zu sehr auf dem Bauchmuskel
lastete. Ich wusste bis vor einer Woche nicht was Angst bedeutet, doch
jetzt stand ich um mein Pferd Todesängste aus.
Doch
die Geburt verlief ohne weitere Komplikationen. Ich war so froh. Matiyah
hatte ein kleines, braunes Stutfohlen zur Welt gebracht. Es war bildhübsch.
Sie sollte nun die Nachfolgerin von Matiyah werden. Deshalb bekam sie
auch den Namen „Tabia ea Matiyah“, dies bedeutet so viel wie:“ Die
Nachfolgerin von der Matiyah“. Man wusste nicht genau
wie es jetzt mit Matiyah weiter gehen sollte, da über sie ja
eigentlich das Todesurteil gefällt worden war. Doch wir wollten es
wenigstens versuchen, und ließen Matiyah mit ihrem Neugeborenem auf den
Padock.

Sie
und das kleine Wesen bewegten sich zaghaft auf dem Paddock. Matiyah lief
schaubend durch die Gegend, war glücklich wieder frische Seeluft zu
atmen. Wir hatten Angst, was mit Matiyah wäre, wenn sie antraben würde,
doch wir mussten das Risiko eingehen, denn man kann kein Pferd halten,
ohne dass es sich bewegen darf.
Doch
sie wurde immer sicherer und freute sich. Unser Tierarzt kam, und
untersuchte sie gründlich, und meinte dann: „Sie scheint keine
Schmerzen zu haben. Ich kann es nicht verstehen. Ich bin sprachlos, und
freu mich sehr für sie, ihnen dies sagen zu dürfen.“
Ich
war noch nie so glücklich umarmte unseren lieben Tierarzt, und wusste,
dass alles wieder gut werden würde.
Matiyah
und ihr Baby, Tabia lebten.
Mich
macht diese Erkenntnis ein wenig traurig, aber in gewisser Weise hat mir
dieser Unfall etwas gebracht, seit diesem Tag weiß ich, was für ein
unbeschreibliches Glück ich habe, dass Matiyah lebt!
Man
merkt manches Mal erst, was man hat, wenn es weg ist! Ich bin sehr, sehr
glücklich, dass dieses wundervolle Wesen lebt! Sie hält mich am Leben!
Und ihr Fohlen, welches mittlerweile 2 ½ Jahre alt ist hält mich auch!
Jeden
Tag wenn ich Matiyah sehe, könnte ich heulen vor Glück, dass sie lebt!
Es ist ein Wunder, trotz aller Voraussagungen haben wir nicht
aufgegeben, und es hat sich gelohnt. Heute ist Matiyah zwar Pferd,
worauf nur noch leichte Reiter reiten können, aber sie ist glücklich,
und freut sich ihres Lebens!
(eingeschickt von Sirka, danke!) |