| Fallender Engel
Ein kleiner, wunderschöner weißer Engel
ging eines Tages zu seinem Vater. „Was willst du?“ fragte Gott und lächelte.
„Vater, ich sehe jeden Tag auf die Erde und sehe Hass, Neid, Wut,
Schmerz, Hilflosigkeit und Einsamkeit. Mir tun die Menschen leid. Ich möchte
ihnen helfen.“ Sein Vater erschrak über das, was der kleine Engel da
sprach. Dieser lächelte nur und bat seinen Vater „Bitte, bitte lass
mich auf die Erde und lass mich diesen armen Menschen helfen!“ Sein
Vater nickte, es wiederstrebte ihm, einen seiner Engel auf die Erde zu
schicken. „Du weißt was es für Konsequenzen für dich hat?“ Der
kleine Engel nickte und schloss die Augen. Leise hörte er noch die
Stimme seines Vaters, er warnte ihn vor der Bosheit der Menschen, er
sagte, dass sie ihm für nichts dankbar sein würden.
Der kleine Engel hatte nun keine weißen
großen, prächtigen Schwingen mehr. Er war nun ein kleine gefallene
Engel, in der Gestalt eines Kindes.
Er ging einen dunklen Weg entlang. Ein
kleiner Mann kam ihm entgegen, er hatte zerrissene Kleider an, sein
Gesicht war schmutzig, er ging geduckt und schien vor jedem Schatten
Angst zu haben. Der gefallene Engel ging auf ihn zu, er lächelte ihn an
und nahm ihn an der Hand. Er führte ihn auf einen hellen Weg. Die
Kleider des Mannes veränderten sich. Sie wurden neu, und teuer. Sein
Gesicht war wieder sauber und er ging aufrecht. Der kleine gefallene
Engel lachte. Er wollte dem Mann auf wiedersehen sagen. Er wollte ihm
sagen, dass er ihm viel Glück wünsche. Aber den Mann interessierte es
nicht. Er ging einfach gerade aus weiter und ließ den kleine gefallene
Engel alleine zurück. Ein kleines Mädchen kam ihm entgegen, der Mann
rempelte es an und es stürzte, aber ihn interessierte es nicht. Der
kleine gefallene Engel eilte zu ihm und half dem kleinen Mädchen auf.
Es lächelte ihn an, drehte sich um und lief davon.
Jedem, dem der kleine gefallene Engel
helfen konnte, half er. Aber er bemerkte eins nicht. Mit jedem Menschen,
dem er half, ging es ihm schlechter. Er hatte nicht mehr die Kraft, die
er vorher gehabt hatte. Mit jedem mal, das er half, desto schwächer und
kleiner wurde er. Immer half er, er hatte schon eine riesige Last zu
tragen, die alle, denen er geholfen hatte, bei ihm abgeladen hatte. Er
ging gebückt und lächelte. Immerzu lächelte er.
Eines Tages kam eine Gruppe von Menschen,
sie lachten ihn aus. Sie schubsten ihn hin und her. Er hatte nicht die
Kraft zu sagen, sie sollen aufhören. Also machten sie weiter. Er fiel.
Er fiel auf die Knie. Seine Last wurde unerträglich schwer. Aber er lächelte
weiter. Einer der Menschen aus der Gruppe schlug ihn ins Gesicht. Jeder
begann von einer anderen Seite an ihm zu zerren, ihn zu schlagen, zu
treten und ihn anzuschreien. Endlich ließen sie ab von ihm. Er lag
zerschlagen am Boden. Er blutete und weinte. Er sah in den Himmel.
„Vater, warum sind die Menschen so hart, so gemein?“
Im selben Augenblick stand ein Mädchen
vor ihm. Es lächelte ihn an. Der kleine gefallene Engel erkannte sie.
Es war das Mädchen, dem er aufgeholfen hatte, als es gestürzt war. Es
war nun größer. Sie reichte ihm seine Hand. Plötzlich fiel die Last
von ihm. Er wuchs. Er wuchs und wuchs, er wurde groß. Endlich stand er
wieder aufrecht. Wie der Phönix sich aus der Asche erhob, so stand er
vom Boden auf. Er lachte. Lachte und lachte und das Mädchen mit ihm.
Er breitete seine Schwingen aus und
umschloss das Mädchen.
Der kleine
gefallene Engel wurde groß, groß und stark, er steht nun wieder
aufrecht. Er breitet seine großen, weiße und prachtvollen Schwingen
aus und erhebt sich in die Luft. Er ist nun wieder ein Engel.
(eingeschickt von Verena "Tigga", danke!) |