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Sexueller Missbrauch im Kindesalter

Sexueller Missbrauch - Fazit und Aussichten

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Sexueller Missbrauch von Kindern ist keineswegs eine Seltenheit oder gar eine Erfindung hysterischer Frauengruppen. Immerhin ist davon auszugehen, dass beinahe ein Viertel aller Frauen und fast zehn Prozent aller Männer als Kinder sexuell missbraucht wurden. Nach der Dunkelfeldforschung kommen Jahr für Jahr etwa 80 000 neue Fälle hinzu. Dabei sind noch nicht einmal die mindestens 5000 Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren miteingezählt, die in Deutschland der Kinderprostitution nachgehen.

Alles in allem lässt sich mit gutem Grund behaupten, dass sexuelle Gewalt gegen Kinder eine Wirklichkeit darstellt, vor der wir uns nicht mehr verschließen können und dürfen.

Sexuelle Gewalt gegen Frauen und Kinder hat es in allen geschichtlichen Epochen und in vielen Gesellschaftsordnungen gegeben. Insofern ist die manchmal von feministischer Seite vorgebrachte Erklärung, sexueller Missbrauch von Kindern sei auf die männlich bestimmte Gesellschaftsform zurückführbar, kaum zu belegen. Einleuchtender sind Theorien, die sexuellen Missbrauch auf mehrere Ursachen zurückzuführen. Wir können uns das wie ein Dreieck vorstellen, in dem die gesellschaftlichen Strukturen und das System Familie auf eine bestimmte Persönlichkeit einwirken. Diese Persönlichkeit entwickelt sich im Spannungsfeld zwischen den Polen Gesellschaft und Familie und wirkt auf sie zurück. In welchem Umfang die Gesellschaft, das Familiengefüge oder das jeweilige Einzelschicksal dafür verantwortlich ist, ob ein Mensch sexuelle Gewalt ausübt, ist schwer zu beantworten. 

Wir wissen, dass viele Täter als Kinder selbst missbraucht wurden. Es trifft sicher zu, dass unsere Gesellschaft frauenfeindlich und männerorientiert ist. Nur reicht das nicht aus, um zu erklären, warum das eine Kind als Erwachsener zum Täter wird und ein anderes ein angepasstes und unauffälliges Leben führt. Was ich damit sagen will, ist: Weder die Gesellschaft noch die Familie noch die Störungen" eines bestimmten Menschen sind alleinige Ursachen für sexuellen Missbrauch und Ausbeutung.

Wenn wir begreifen, wie aus Menschen Täter werden, kann begonnen werden sich mit der Therapie von Sexualstraftätern zu befassen. Indem man dem Problem des sexuellen Missbrauchs von Kindern sozusagen zu Leibe" rückt, verliert man etwas von der Angst. Denn einer der Gründe dafür, dass wir diejenigen, die andere Menschen sexuell ausbeuten, so sehr verachten, ist eine tiefe Angst vor dem unbegreifbaren Unbekannten.

Es wäre etwas zuviel verlangt, wenn man erwarten würde, dass man Menschen, die wehrlose Kinder zu ihrer eigenen sexuellen Befriedigung missbrauchen und erniedrigen, verstehen. Das gelingt noch nicht einmal den Leuten, die täglich mit Sexualstraftätern therapeutisch arbeiten. Dadurch, dass wir sexueller Gewalt besonnen und entschlossen begegnen, tun wir mehr zum Schutz der Kinder, als wenn wir angsterfüllte und übereilte Schritte unternehmen.

Wenn Kinder sexuell missbraucht werden, steckt ein Bündel von Ursachen dahinter. Monokausale, nur eine Seite stehende Erklärungsversuche werden dem vielschichtigen Problem nicht gerecht. Sicher spielt bei der Entwicklung eines Menschen zum Täter die Biologie eine gewisse Rolle. Ob ein Mensch mit bestimmten Anlagen jedoch Kinder sexuell missbraucht, ist entscheidend von seiner persönlichen Lebensgeschichte abhängig. So verständlich der Wunsch nach einfachen Erklärungen und Lösungen ist: Die Welt ist komplizierter, als wir sie uns wünschen. Weder die Triebtäter- Theorie noch die feministischen Erklärungen können überzeugen.

Sexueller Missbrauch von Kindern kann nicht Privatangelegenheit bestimmter Interessengruppen oder politisch- ideologischer Gruppen sein. Wir können sexuellen Missbrauch an Kindern nur dann wirksam bekämpfen, wenn wir alle an einem Strang ziehen.

In der Arbeit konnte festgestellt werden, dass die patriarchalen Familien- und Gesellschaftsstrukturen sexuellen Missbrauch bedingen und somit sexueller Missbrauch in ihren politischen Dimensionen eine Frage der herrschenden Gewaltverhältnisse ist.

Sexueller Missbrauch an Mädchen und Jungen und auch sexueller Missbrauch an Frauen darf somit nicht nur als individuelles Problem eines einzelnen Täters oder  eines einzelnen Familiensystems verstanden, sondern muss als strukturelle Gewalt einer patriarchalen Gesellschaft begriffen werden. Um sexuellen Missbrauch zu verhindern, müssen gesellschaftlich tradierte Rollenvorstellung verändert werden und grundlegende Veränderungen in bezug auf die Arbeitswelt stattfinden. Eine Aufwertung der bisher vernachlässigten, ökonomisch nicht effektiven Bereiche der Menschlichkeit und Reproduktion könnte auch die Bereitschaft der Männer für die Erziehung und die Übernahme reproduktiver Arbeit fördern. Diese Verlagerung sollte durch eine gesetzliche Regelung stabilisiert werden, die Frauen und Männern Erziehungszeiten in gesicherter Form einräumt und in der finanzielle Verluste ausgeglichen werden. Darüber hinaus sollten gesetzliche Grundlagen geschaffen werden, die ihrem Anspruch auf präventiven Charakter gerecht werden.

Die Verantwortung dafür, dass sexueller Missbrauch verhindert wird, liegt eindeutig bei den Erwachsenen. Das bedeutet, dass nicht nur Professionelle, sondern die ganze Öffentlichkeit besser informiert werden muss. Dabei darf sich die Aufklärungsarbeit nicht auf die Erstellung und Verteilung von Informationsbroschüren beschränken. Als Grundlage für eine breite Öffentlichkeitsarbeit werden wissenschaftliche Untersuchungen und empirische Daten benötigt. Für die Bundesrepublik liegt meines Wissens nur eine Studie vor. Es drängt sich der Verdacht auf, dass bei Politikern entgegen anderslautender Erklärungen, kein Interesse an wissenschaftlich gesicherten Daten über sexuellen Missbrauch an Kindern besteht, denn würden die Untersuchungen die hohen Zahlen des sexuellen Missbrauchs bestätigen, müssten Konsequenzen gezogen werden. Politiker wären gezwungen, bei weitem mehr finanzielle Mittel als bisher spezialisierte Beratungsstellen, Fortbildungs- und Präventionsprojekte bereitzustellen. Dabei wäre flächendeckend die Einrichtung und Finanzierung solcher dringend notwendig. 

Das große Ausmaß von sexuellem Missbrauch erfordert weiterhin die ständige Fort- und Weiterbildung für Mitarbeiter der Beratungsstellen, Kindergärten, Schulen, Heime, Psychiatrien wie auch für Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Mediziner, Juristen und Polizisten. Letztlich ist Fort- und Weiterbildung für alle mit der Problematik befassten Berufsgruppen notwendig. Neben reiner Wissensvermittlung sollten sie auch einen Selbsterfahrungsteil beinhalten.

Prävention beginnt dort, wo Erwachsene sich mit dem Nährboden für sexuelle Gewalt auseinander setzen, nämlich mit der Erziehung zum Gehorsam, zur Anpassung an patriarchale Geschlechtsrollen, zur Unterdrückung von Sexualität und zur Geringschätzung von Gefühlen. Eine emanzipatorische Prävention mit Kindern kann somit nur der letzte Schritt sein, und zwar mit dem Ziel das Machtgefälle zwischen Kindern und Erwachsenen zu reduzieren. Wenn so getan wird, als ob Prävention, die sich ausschließlich auf Kinder bezieht, sexuellen Missbrauch aus der Welt schafft, wird zur Verschleierung der Problematik beitragen. Stattdessen beginnt die Prävention mit Kindern bei einer emanzipatorischen Erziehung, die einer Grundhaltung zwischen Kindern und Erwachsenen darstellt und einen kooperativen Umgang ermöglicht, indem das Kind mit seinen Rechten, Bedürfnissen und Gefühlen genauso Platz hat wie die Erwachsenen. Das bedeutet auch, dass die Verantwortung nicht nur bei den Eltern und Bezugspersonen liegt, sondern auch in anderen Erlebnisräumen der Kinder wie z.B. im Kindergarten und in der Schule. Gerade die Schule als zweitwichtigste Sozialisationsinstanz muss in ihrem koedukativen System das Merkmal Geschlecht und damit die unterschiedlichen Lebenswelten und gesellschaftlichen Bedingungen der Geschlechter in ihrem Gesamtkonzept berücksichtigen. Sie sollte dafür Sorge tragen, dass Mädchen und Jungen neben den wissenschaftlichen Disziplinen gleichberechtigt der Erwerb von sozialen Handlungskompetenzen ermöglicht wird. Dazu gehören auch Bereiche wie Sexualerziehung und Prävention von sexuellem Missbrauch, die in Form eines Spirallehrplans über die gesamte Schulzeit ihren Platz haben sollten. Darüber hinaus können spezielle Präventionsprojekte durchgeführt werden. 

Gerade im Bereich Schule könnte die Sozialarbeit einen wichtigen Arbeitsschwerpunkt einnehmen, jedoch gibt es in der Bundesrepublik noch kaum Schulsozialarbeit. Präventionsarbeit sollte sich auch bei der Sozialarbeit keineswegs auf die Arbeit mit Kindern beschränken, sondern sich vielmehr auf die Zielgruppe Erwachsene konzentrieren. Auch in klassischen Kinderbereichen wie Kindergarten oder Schule stellt die Erwachsenenarbeit einen zentralen Aspekt dar, durch die die Sozialarbeit zum Bindeglied zwischen Eltern, Lehrkräften und Kindern werden könnte.

Die menschliche Sexualität, eine ebenso lebenswichtige wie lebenserhaltende Fähigkeit, ist extrem sensibel und störbar. Von der Geburt bis zum Erwachsenensein ist sie zahlreichen Störungsquellen ausgeliefert. Insofern sind unsere sexuellen Neigungen, Vorlieben und Störungen unmittelbarer Ausdruck unserer Persönlichkeit.

In jedem Menschen ist- so erschreckend es sich auch anhört- die Möglichkeit angelegt, sexuell abweichendes Verhalten zu entwickeln. Ob wir die Abweichungen von normaler Sexualität als pervers bezeichnen, als strafbare Handlung ansehen oder als Variation menschlicher Sexualität betrachten, ist eine Frage von Übereinkunft. Es kann nicht darum gehen, moralisch entrüstet den Verfall der Sitten zu beschwören. Die Zahlen missbrauchter Kinder steigt weder, noch fällt sie. Offensichtlich gibt es eine gesellschaftlich vorgegebene Rate von sexuellen Missbrauchsfällen. Wie es aussieht, haben wir uns an einige Raten, die der Drogentoten, der Verkehrstoten und die der tödlich verunglückten und körperlich misshandelten Kinder, fast gewöhnt. Die Gewissenfragen, die wir uns allen stellen müssen, ist die, ob wir uns auch in Zukunft an die Zahl der sexuell missbrauchten Kinder gewöhnen möchten. Wenn wir es nicht wollen, dann sollten wir immer zuerst bei uns selbst beginnen.

Eine Welt, in der kein Unrecht geschieht und in der Kinder optimal geschützt sind, bleibt eine Utopie. Zum Abschluss möchte ich Friedrich Dürrenmatt aus seinem Drehbuch Es geschah am helllichten Tage zitieren: Die Möglichkeit, dass Kinder in Gefahr sind, muss man hinnehmen. Wir können nur das Mögliche tun. Kinder sind immer in Gefahr.

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von Micha, 31.05.2012 22:49 Uhr · Teilen · Kommentieren · Gefällt mir · sei der Erste, dem das gefällt!

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