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Sexueller Missbrauch im Kindesalter

Sexueller Missbrauch - Ursachen

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Sexueller Missbrauch ist das Ergebnis vielfältiger Ereignisse und Entwicklungen. Ursachen von sexuellem Missbrauch können in unserem gesamtgesellschaftlichen System, in den sozialen Lebensbedingungen und dem Lebensumfeld in der Familie und Familiengeschichte liegen.

Zur Beantwortung der Frage, warum es überhaupt zum sexuellen Missbrauch kommt, wurde und wird auch heute noch durchgehend von einer krankhaften Persönlichkeit des Täters ausgegangen. In den Medien wird immer wieder der perverse, abnorme und geistesgestörte Täter beschrieben, der nicht in der Lage ist, seinen übersteigerten Geschlechtstrieb zu unterdrücken. Aufgrund einer angeborenen oder erworbenen Störung, verbunden mit mangelnder Intelligenz wird der Mann zum Tier, das über das Kind herfällt.

Wir bekommen ein Bild des Täters, das dazu beiträgt, den Tatbestand des sexuellen Missbrauchs in den Bereich der seltenen Vorkommnisse auszusondern. Dies entspricht in keinem Fall der Realität. Wenngleich es auch den Triebtäter gibt, so erfolgt sexueller Missbrauch von Kindern in der Regel durch unauffällige, psychisch nicht von der Norm abweichende Menschen, vor allem Männer, von Außenstehenden oft als fleißige und treusorgende Familienväter beurteilt, denen niemand den Missbrauch der eigenen Tochter zutrauen würde.

In der Regel wird der familienorientierte oder der feministische Ansatz herangezogen, um eine Erklärung für sexuellen Missbrauch zu geben. Ich möchte in meiner Arbeit auf folgendes näher eingehen:

Der familienorientierte Ansatz
Der sozialpsychologische Ansatz
Der feministische Ansatz

4.1 Familienorientierter Ansatz

Systemorientierte Erklärungsansätze sehen den sexuellen Missbrauch als ein Symptom gestörter Interaktionsmuster innerhalb eines Familiensystems. Der familienorientierte Ansatz ist ein Teilgebiet der Systemtheorie. Inzestfamilien werden von den Familientherapeuten als dysfunktional oder als zerrüttet bezeichnet. Das familienorientierte Modell sieht keine linearen Begriffe von Ursachen und Wirkung und somit wird die Schuldfrage vernachlässigt. Alles im System Familie ist aufeinander in Wechselwirkung bezogen. Verhalten lässt sich nicht mehr auf einzelne Individuen zurückführen ­ alle im System Beteiligten übernehmen gleich viel Verantwortung. Die Begriffe Opfer und Täter verlieren in der Systemtheorie ihre Bedeutung. Inzestsituation ist Kennzeichen einer Familie in Krise".

Die Inzestdynamik wird auf die emotionalen Defizite aller Beteiligten zurück geführt; alle Familienmitglieder haben kollusiv ihren aktiven oder passiven Anteil an der Aufrechterhaltung des Missbrauchs. Deshalb muss sich ein Hilfsangebot an alle Mitglieder einer Familie richten. Familie im hier verstandenen Sinne meint stets die faktisch existierende Lebensgemeinschaft von Erwachsenen und Kinder, ob diese nun gesetzlich legimitiert ist oder nicht. Die Familientherapeutin Larson sieht als Hauptproblem der von sexuellem Missbrauch betroffenen Familien den Umgang mit Grenzen an. Sie bestimmt Merkmale, die bei diesen Familien auf Probleme mit Grenzbereichen hinweisen.

Soziale Isolation
Larson spricht von besonders starren Grenzen zwischen sich und der Umwelt." Sie isolieren sich von der sozialen Umwelt, um das Familiengeheimnis zu wahren. Diese Isolationstendenz fördert die Tatsache, dass sich die Familie als zentrale Quelle für die Befriedigung ihrer Bedürfnisse betrachtet.

Rollenumkehr
Durch die soziale Isolation sind die einzelnen Familienmitglieder besonders abhängig voneinander. Das hat zur Folge, dass es zu einer Verwischung der Generationsgrenzen kommt, und damit häufig zu einer Rollenumkehr unter Familienmitgliedern. Von Kindern wird erwartet, dass sie Erwachsenenrollen übernehmen, wie z.B. Haushaltsführung, Versorgung jüngerer Geschwister. Kinder haben auf einmal die Aufgabe, alle unbefriedigten Bedürfnisse der Erwachsenen zu stillen; Sexualität ist dabei nur eines von vielen.

Symbolische Beziehungsstrukturen zwischen den Familienmitgliedern
Die Grenzen zwischen Familienmitgliedern verwischen sich und beginnen diffus zu werden. Autonomie muss geopfert werden, um trotz der geringen Ressourcen innerhalb der Familie Unterstützung zu erhalten. Nur so kann ein Gefühl des Zusammenhalts entstehen, welches die Familienmitglieder symbiotisch aneinander binden. Ein einzelnes Familienmitglied glaubt nur überleben zu können wenn ein anderes Familienmitglied ebenfalls überlebt.

Larson begründet so auch das Verhalten der Mütter, die oft trotz Kenntnis vom Missbrauch nichts dagegen unternehmen. Die Angst, aufgrund einer Anzeige verlassen zu werden und die eventuell daraus folgende existenzielle Bedrohung hindert die Frauen, das Familiengeheimnis offen zu legen.

Verwischung der intrapsychischen Grenzen
Um die Beziehungsmuster aufrecht zu erhalten, entwickeln die Familienmitglieder Abwehrmechanismen. Durch Verleugnung und Rationalisierung von Gefühlen werden diese allerdings auf Dauer in ihrer Realitätswahrnehmung stark beeinträchtigt. Der Teufelskreis der Isolation wird so immer weiter gefördert.

Der dargestellte familienorientierte Ansatz geht von einer Konstellation
gleichgestellter Familienmitglieder aus. Hier wird zum einen das Machtgefälle zwischen Kindern und Eltern negiert, zum anderen auch das Ungleichgewicht zwischen den Eheleuten. Der Ansatz berücksichtigt keinerlei gesellschaftliche Gründe. So wird darüber hinweggesehen, dass Gleichberechtigung von Frauen und Männern in unserer patriarchalischen Gesellschaft noch keine Realität ist.

Kritik an diesem Modell dreht sich besonders um die Frage, ob durch die Theorie von der dysfunktionalen Inzestfamilie der Vater als Täter entschuldigt wird, indem der Mutter und der Tochter eine Beteiligung bei der Entstehung des Missbrauchs angelastet werden. Familientheoretiker betonen jedoch, dass dem Täter durchaus die volle Verantwortung für sein Verhalten zugewiesen werden kann und soll. Sicherlich spielen die gestörten Familienbeziehungen bei innerfamiliärem Missbrauch eine wichtige Rolle. Es bleibt die Frage, ob sie wirklich die Ursache des sexuellen Missbrauch und nicht vielmehr eine Folge des Missbrauchs sind.

4.2 Sozialpsychologischer Ansatz

Die Sozialpsychologie untersucht allgemein betrachtet menschliches Verhalten in Abhängigkeit von dem jeweilig sozialen Kontext. Das rollenspezifische Verhalten der Familienmitglieder zueinander und die Analyse und Erklärung innerfamiliärer Gewaltstrukturen sind hier relevant. Im Gegensatz zum psychoanalytischen Ansatz, der die Krankheit einer Person zum Ausgangspunkt der Intervention macht gehen sozialpsychologische Ansätze von einer Familiekrise aus, die in ihrer Gesamtheit zu erfassen und zu bearbeiten sind. Weder die Symptome des Missbrauchs noch die Tat oder der Täter stehen im Vordergrund, sondern vielmehr die multifaktoriell bedingte Krise, die wiederum das Verhalten der Familienmitglieder bestimmt. Wenn diese Krise erfolgreich behandelt wird, so wird angenommen, dass auch die Voraussetzungen für Misshandlungen eliminiert worden sind. Sexueller Missbrauch wird hier als eine Form der Kindesmisshandlung verstanden.

Wolff, ein führender Vertreter der sozialpsychologischen Misshandlungsforschung, analysiert Gewalthandlung sowohl aus soziologischer als auch psychologischer Sicht. Gewaltförmige gesellschaftliche Strukturen prägen demnach die Gewalt in der Familie. Insofern seien alle Formen menschlichen Zusammenseins von Gewalt gekennzeichnet.

Hartwig führt aus, dass Wolff bei der innerfamiliären Gewalt von einem Unterschichtphänomen ausgeht, wobei durch soziale Deklassierung, beengte Wohnsituation, Arbeitslosigkeit und soziale Isolation der Familien ein äußerer Druck erzeugt wird, der sich schließlich innerfamiliär auf der Ebene der Generationshierarchie gegen die Kinder richtet. Zu vergleichbaren Ergebnissen kommen andere Theorien, die Kindesmisshandlungen im Kontext des Erziehungsalltag untersuchen. Es wird die Sensibilisierung der Eltern für Gewalt gefordert und auf die Gefahren der Repression im erzieherischen Handeln hingewiesen. Wolff unterscheidet zwei Formen der Misshandlung, einerseits die situative und andererseits die familiengeschichtlich eingebundene. Danach erfolgen situative Misshandlungen häufig im Affekt und resultieren aus einer allgemeinen Überforderungssituation der Eltern, sie sind langfristig geplant.

Während familiengeschichtlich eingebundene, d.h., stetig wiederkehrende Misshandlungen dagegen grundsätzlich aus einer ablehnenden Haltung gegenüber dem Kind resultieren. Gewalthandlungen in Familien haben einen Doppelcharakter von Sinnlichkeit: Beziehungswunsch und Selbstverletzung einerseits, Destruktivität und Entsprachlichung andererseits.

Die Anwendung der Thesen zur Kindesmisshandlung auf sexuellem Missbrauch ist völlig unzulässig. Sexueller Missbrauch hat wenig mit der sozialen Lage einer Familie zu tun. Sexueller Missbrauch ist kein Phänomen der Unterschicht, er tritt in allen Schichten und gesellschaftlichen Gruppen auf. Völlig absurd erscheint es, dass hier sexueller Missbrauch als strukturelle Vernachlässigung bezeichnet wird, werden hier doch offensichtlich die Bedürfnisse eines Familienmitglieds- des Vaters ­ auf Kosten der Tochter befriedigt.

4.3 Feministischer Ansatz

In der bürgerlichen Fachliteratur ­ au er der feministischen ­ gibt es für den innerfamiliären Missbrauch unterschiedliche Erklärungsstereotypen:

Der Vater war sexuell frustriert. Dabei hat er sich in den Mitteln vergriffen. Er war einsam und verunsichert und suchte Nähe und inneren Halt in der Beziehung zur Tochter.

Die Tochter wünschte sich die Zuneigung des Vaters, wenn auch nicht in der Form, wie der Vater das wollte. Oder weniger bedächtig: Die Tochter hat ihn verführt.

Die Mutter hat sich sexuell zurückgezogen, den Mann frustriert und hat ihre Tochter in die Rolle der Partnerin gedrängt.

Sexueller Missbrauch ist ein Missbrauch von Macht, den vor allem Männer gegenüber Mädchen, also gegenüber Schwächeren ausüben.

Susan Brownmiller kommt in ihrer Analyse über Vergewaltigung zu folgender Feststellung:

Männer vergewaltigen niemanden, die/der sich in der gleichen Machtposition wie sie selbst befinden".

David Finkelhors Untersuchung stimmt mit dieser These überein. Diese zentrale Bedeutung und Funktion der meisten sexuellen Misshandlungen liegt in der Befriedigung männlicher Dominanz und Herrschaftsbedürfnisse. Es geht also um die Ausübung von Gewalt und Macht.

Das starke Ungleichgewicht der Besitzverhältnisse in unserer patriarchalischen Gesellschaft sichert nicht nur den Männern die größere Macht im öffentlichen Leben, sondern gibt ihnen auch im Privatleben die Möglichkeit, Frauen und Mädchen ihren Willen aufzuzwingen. Sexualität ist in unserer Gesellschaft noch weitgehend gekennzeichnet durch die Unterordnung des weiblichen Lustempfindens. Es herrscht die weit verbreitete Ansicht, Frauen müssten ihren ehelichen Pflichten nachkommen. So kommt es vor, dass Männer sich häufig Partnerinnen suchen, die jünger und schwächer als sie sind. Je größer die Macht des Mannes und je mehr seine Partnerin zu ihm aufsieht, desto geringer die Gefahr, dass sie sich als autonomes Subjekt verhält und ihm ihre Gunst nach belieben schenkt oder verweigert. So gesehen, kann eine Tochter als die ideale Partnerin erscheinen: In keiner anderen Beziehung ist das Machtgefälle größer als zwischen Vater und Tochter. Ebenfalls lassen sich bei keinem anderen Wesen die Autonomiebestrebungen leichter ignorieren und unterdrücken,

Töchter aus Familien, in denen der Vater das Sagen hat, autoritär strukturierte Familien, haben keine Vorbilder eines partnerschaftlichen Umgangs zwischen den Geschlechtern. Es fehlt ihnen an Vorbildern einer weiblichen Selbstbestimmung. Dies hat zur Folge, dass Mädchen aus solch autoritär strukturierten Familien sowohl innerhalb als auch außerhalb der Familie besonders gefährdet sind, sexuell missbraucht zu werden. In Identifizierung mit ihren Müttern und anderen Frauen lernen insbesondere Mädchen aus patriarchalisch strukturierten Verwandtschaftssystemen schon früh, dass Frauen in allen Lebensbereichen benachteiligt und abhängig sind. Sie haben sexuelle Übergriffe von Männern zu dulden. Frauen müssen sich zurücknehmen und ­ vor allem ­ Aushalten und Schweigen.

Hier nur ein kurzes Beispiel dazu. Eine alltägliche Szene beim Verwandtschaftsbesuch:

Anne, 8 Jahre alt, muss gegen ihren Willen mit zum sonntäglichen Besuch der Großeltern. Jeden Sonntag das gleiche Spiel. Opa drückt ihr einen widerlichen nassen Kuss mitten auf den Mund. Alle müssen es doch sehen! Warum hilft mir denn niemand?" Keiner versteht, dass sie Opa nicht mehr mit einem Kuss begrüßen möchte; inzwischen hat sie es aufgegeben, sich zu wehren. In der Verwandtschaft gilt sie als verstockt und unfreundlich.

Mädchen unterliegen einem doppelten Gewaltverhältnis ­ als Kind und aufgrund ihres Geschlechts. Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung und die traditionelle Rollenverteilung innerhalb der Familie manifestiert die Ohnmacht von Mädchen. Als Ernährer der Familie glauben Männer oftmals, ein Recht zu haben, sich von Frau und Tochter bedienen und umsorgen zu lassen. Ich kann mit meiner Tochter machen was ich will." Die sexuelle Ausbeutung ist Ausdruck dieses männlichen Besitzdenkens und eine Überspitzung patriarchalischer Gesellschaft ­ und Familienstrukturen. Die Inzest- oder Missbrauchsfamilie stellt demnach nicht einen abnormen Einzelfall einer zerrütteten oder kranken Familie dar, sondern den leider allzu häufigen Extremfall der Normalfamilie.

Sie ist Ausdruck einer Gesellschaftsstruktur, die Missbrauchern eine Position sichert, in der sie praktisch ungestraft Kinder und Jugendliche ­ besonders Mädchen ­ zur Befriedigung ihrer Macht ­ und Dominanzbedürfnisse ausbeuten können.

4.4 Biographische Faktoren

Obgleich auch Frauen Mädchen und Jungen sexuell missbrauchen, besteht in der Fachdiskussion inzwischen ein breiter Konsens darüber, dass auch bei Missbrauch an Jungen in der Regel die Täter ganz normale" Männer sind und keine krankhaft veranlagten Einzelgänger.

Wie kommt die Gewalt in den Mann?

Als Ergebnis empirischer Studien werden Männlichkeitsproblematik, eine Aggressionsproblematik, eine Störung des Selbsterlebens und eine Beziehungsproblematik als ursächlich für das Täterverhalten aufgezeigt.

Amerikanische Forschungsergebnisse belegen, dass ein Teil der Täter selber als Junge sexuell missbraucht wurde. Es ist wichtig, diesen Zusammenhang bei der Entwicklung therapeutischer Hilfen zu berücksichtigen, doch ebenso wichtig ist es aufzuzeigen, dass nicht jedes männliche Opfer zum Täter wird. Unsere Gesellschaft produziere Missbraucher schneller, als Irgendjemand diese einfangen oder heilen könne. Männer lernten von Geburt an, das Privilegien ihr Recht und Aggression ihre Natur sei. Männer lernten zu nehmen, weniger zu geben, lernten Probleme mit Sex und der Darstellung ihrer Macht zu lösen.

So prägt das in unserer Kultur herrschende Männlichkeitsideal das Bild vom männlichen Eroberer, der das Nein einer Frau nicht ernst zu nehmen hat, sondern als deren Wunsch nach Sexualität fehlinterpretiert. Sie will es angeblich. Männer erhalten für Eroberungen Bewunderung, Frauen Verachtung. So gelten ältere Männer, die sich junge Frauen suchen, zum Beweis männlicher Potenz, als toller Hecht ­ ältere Frauen mit jüngeren Partnern hingegen lächerlich.

Die geschlechtsspezifische Sozialisation macht Männer anfällig für Gewalt, Vergewaltigung, Einschüchterung und sexuellen Missbrauch. Die Sexualisierung von Macht, Intimität und Zuneigung, zu weilen auch von Hass und Verachtung, ist Teil männlicher Sozialisation.

Das Machtungleichgewicht ermöglicht Männern gerade im nahen sozialen Umfeld einen selbstverständlichen Zugang zu Mädchen. Über die Ausbeutung der von ihnen abhängigen Kinder und Jugendlichen wiederum befriedigen Männer ihr Macht- Dominanzbedürfnis, manifestiert somit das Machtungleichgewicht. Die meisten Männer sind keine Missbraucher, doch die meisten Männer zeigen sich gegenüber ihrem gewalttätigen Geschlechtsgenossen eher rücksichtsvoll, haben Verständnis dafür, dass ein Mann den Reizen der Verführerin nicht widerstehen konnte.

Männliche Sexualität wird häufig als eine unkontrollierbare Kraft betrachtet, die akzeptiert werden muss. Mädchen und auch Jungen werden nicht nur als für ihren eigenen Schutz verantwortlich angesehen, sondern sie sollen auch noch darauf achten, dass sie nicht zufällig einen Mann erregen, denn dieser könnte dann ja nicht mehr Herr seiner Triebe sein!

Feministinnen vertreten die Position, jeder Mann sei ein potentieller Vergewaltiger. Weiter gehen sie davon aus, dass jeder Mann sexuelle Gewalt ausüben kann. Demnach kann eine Frau keinem Mann über den Weg trauen.

Josephine Rijnaarts zeigt, dass menschliches Verhalten immer Ergebnis einer Wechselwirkung zu individueller Handlungsfreiheit und gesellschaftlichen Strukturen seien. Zwar verleihe die patriarchalische Gesellschaftsstruktur Männern Macht über Frauen und Kindern, doch sei Macht besitzen nicht gleichbedeutend mit Macht missbrauchen.

Psychische Neigung ist kein unzähmbarer Trieb. Persönliche Verantwortung trennt das eine vom anderen. Denn bei allem Verständnis für das jeweils individuelle Schicksal eines Täters ist und bleibt die persönliche Verantwortung eines jeden Mannes, die ihm gegebene Macht nicht zu missbrauchen, und das Recht jedes Kindes auf sexuelle Selbstbestimmung zu achten! Der feministische Ansatz beobachtet und untersucht die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Menschen und dem sozialen Gebilde, in dem wir leben, recht präzise. Doch indem die Theoretikerinnen der Frauenbewegung sich einseitig auf die Bekämpfung des männlichen versteifen, gelingt die Ablösung von allzu formalisiertem Denken nicht immer. Der männliche Machtanspruch sollte aber nicht zur Ursache erklärt werden, sondern als Teil des Erklärungssystems dienen.

Sexuelle Gewalt gegen Kinder ist ein multifaktorielles Geschehen, dass zahlreiche Einzelaspekte enthalten. Sexueller Missbrauch hat niemals eine einzige Ursache, sondern stellt sich als eine unglückliche Mischung von vielen Ursachen dar. Hierbei spielt die Beziehungsfähigkeit des Täters eine große Rolle. In der therapeutischen Arbeit hat die Beziehungsfähigkeit des Täters einen hohen Stellenwert. Im Laufe eines Lebens formt sich die menschliche Seele zu einer unverwechselbare Persönlichkeit. Wir werden nicht nur durch unsere Kindheit, sondern auch durch viele aktuell wirksame Einflüsse geprägt. Letztlich entscheidend für eine sexuell gestörte Entwicklung sind die persönliche Situation und die Lebenslinie des Täters.

Ich möchte einige Faktoren aufzählen, die dazu beitragen können, dass Männer und Frauen Täter werden.

Eigene Missbrauchserfahrungen ­ doch nicht alle Opfer werden zu Tätern. Eine besondere Gefährdung liegt dann vor, wenn sich das Opfer mit dem Täter identifiziert, das heißt seine Taten als gerechtfertigt ansieht.

Eine extrem frauenverachtende, mitunter gewaltbereite Einstellung, die selbst junge Mädchen als bereitwillig ansieht.

Schwer gestörte Familienverhältnisse, belastende Lebenswege ­ frühe Heimkarrieren, Alkohol- und Suchtmittelmissbrauch in der Familie,

Misshandlungen, Vernachlässigung, erlebte Gewalttätigkeiten. Beziehungs- und Kontaktstörungen, starre Familienregeln, wenig Offenheit über Sexualität, verklemmter, stark moralisierender und körperfeindlicher Erziehungsstil.

Persönlichkeitsstörungen: Neigungen zum Perfektionismus, paranoide Persönlichkeitsstörungen.

Eine pädophile Fixierung.

Sexuelle Inkompetenz ­ das heißt, ein Mensch ist aus körperlich ­ seelischen Gründen, etwa nach Unfall, durch Hirnschädigung, bei Körperbehinderung oder aus anderen Gründen, nicht in der Lage, erwachsene Sexualität zu Leben.

Das alles sind Merkmale, die in einer bestimmten Kombination und Stärke dazu beitragen können, dass sich Männer oder Frauen an Kindern vergreifen. Nach dem gegenwärtigen Forschungsstand gibt es jedoch keine eindeutige Täterpersönlichkeit. Die Suche nach bestimmten Merkmalen, etwa Aussehen, Alter, Schichtzugehörigkeit und vielem mehr, hat kein Ergebnis gebracht. Ob ein Mensch zum Sexualstraftäter wird, ist letztlich von seiner persönlichen Lebensgeschichte abhängig.

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von Micha, 31.05.2012 21:17 Uhr · Teilen · Kommentieren · Gefällt mir · 2 anderen gefällt das

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