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Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren sind Schlüssel aller Kreaturen...

Nützliches Wissen über die Fakten des sexuellen Mißbrauchs

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Vorurteile, Falschinformationen und Verschwiegenes erzeugen ein Bild über den sexuellen, seelischen und körperlichen Mißbrauch, das oft nichts mit der Realität und den offiziellen Statistiken (Polizeiliche Kriminalstatistik, PKS) gemein haben. Umso leichter fällt es dann auch, das Thema Mißbrauch zu mißbrauchen. Hier erfahren Sie mehr über die Fakten, gestützt auf die PKS und entsprechenden Studien.

Zig Kinder werden nach dem sexuellen Mißbrauch umgebracht

Falsch! Die PKS weist 2009 keinen einzigen Fall von sexuellen Mißbrauch an Kindern mit Todesfolge auf, 2010 allerdings gab es einen(!) Fall. Erheblich häufiger wurden aber Kinder körperlich mißhandelt und starben an den Folgen. Insgesamt wurden 2010 127 Kinder, Jugendliche und Heranwachsende bis zum 21. Lebensjahr getötet, allerdings auch im Zusammenhang mit Raub und anderen Verbrechen.

Es werden immer mehr Kinder sexuell mißbraucht

Richtig! Und irgendwie auch nicht richtig. Zumindest wurden 2009 15.375 Opfer, 2010 hingegen 15.781 Opfer (+ 2.3%) sexuellen Mißbrauchs/Vergewaltigung offiziell registriert. Da aber die Dunkelziffer (Verhältnis angezeigter und verurteilter Fälle gegenüber tatsächlich stattfindenen Straftaten) insbesondere beim sexuellen Mißbrauch von Kindern enorm hoch ist, kann dies auch ein Anzeichen einer erhöhten Anzeigebereitschaft sein.

Die Sexualstraftäter sind überwiegend Pädophile und Ausländer

Falsch! Aktuelle Studien belegen, daß in etwa 10% der Fälle sexuellen Mißbrauchs pädophile Neigungen der TäterInnen ursächlich sein können. Bei den "übrigen" 90% handelt es sich um so genannte Ersatztaten, d. h. die TäterInnen sieht keine andere Möglichkeit zur sexuellen Befriedigung, hat aber keine besondere Neigung zu Kindern. Noch drastischer ist das Vorurteil in Bezug auf Ausländer als Sexualstraftäter: Lediglich zwischen 0.2 und 0.3% aller in der PKS aufgeführten TäterInnen sind nichtdeutscher Herkunft.

Die Sexualstraftäter sind überwiegend männliche Erwachsene

Richtig und Falsch! Es wurden 2011 96.9% Täter, aber eben auch 3.1% Täterinnen in der PKS registriert. Auch ist die überwiegende Anzahl der TäterInnen über 21 Jahre und somit erwachsen. Aber fast die Hälfte der TäterInnen sind selbst Kinder bzw. Jugendliche unter 21 Jahren!

Für Raubkopieren gibt es 5(10) Jahre Haft, für sexuellen Mißbrauch nur eine Geldstrafe(Bewährungsstrafe)

Falsch! Bei einer solchen Argumentation werden gerne Höchststrafen mit dem geringsten Strafmaß verglichen und mit Beispielen belegt. Richtig ist wohl, daß bei beiden Straftaten das Strafmaß nahezu identisch ist, die Richter aber tatsächlich verschieden bemessen. Es wird gerne ins Feld geführt, beim Raubkopieren müsse eine Signalwirkung erzeugt werden, hingegen beim SexualstraftäterInnen schon soziale und Arbeitsplatzverluste das Strafmaß mildern sollten. Nicht selten sind auch die Strafverteidiger wenig motiviert, bei wirtschaftlichen Schäden mindestens genauso intensiv zu verteidigen und andere haben sich sogar auf eine "diskrete und schnelle Erzielung geringster Strafen" für SexualstraftäterInnen spezialisiert. Es ist allerdings kein Fall bekannt, daß je ein Raubkopierer zu der Höchststrafe verurteilt wurde.

Bei den Mißbrauchsopfern ist ein großer Anteil jünger als 6 Jahre

Richtig! Auch wenn es nicht der größte Anteil ist, so ist die Anzahl Kleinkinder erschreckend hoch mit 9.9%. Erheblich höher liegt da die Gruppe der Kinder zwischen 6 und 14 Jahren (25.2%) und Jugendliche bis 21 Jahre (15.1%). Die Anzahl der erwachsenen Opfer ist mit 49.8% sogar unter der aller Kinder! Damit ist jedes 10. Opfer jünger als 6 Jahre und mehr als jedes 2. Opfer ist ein Kind/Heranwachsender.

Die meisten sexuell, seelisch oder körperlich mißbrauchten Kinder wollen harte Strafen für ihre TäterInnen

Falsch! Jedenfalls bedingt. In einer der stärksten Gruppen der Opfer-Täter- beziehungen, dem innerfamiliären Mißbrauch (diese macht ca 35% aus) besteht oft eine sehr tiefe Beziehung, die auch für die extrem hohe Dunkelziffer von nahezu 98% verantwortlich ist. Besonders junge Opfer geben sich selbst die Schuld am Mißbrauch und ertragen eher die Fortsetzung davon als den eigentlich geliebten Menschen (z.b. Vater, Mutter, Onkel, Tante, Geschwister) zu verlieren. Schon die Bedrohung, daß die TäterInnen bei einer Anzeige oder "Verrat ihres Geheimnisses" für mehrere Jahre ins Gefängnis kommen könnten hindert das Opfer daran, das Schweigen zu brechen. Kindliche Scham- und Schuldgefühle, mangelndes Vertrauen Dritten gegenüber und ein Ausbleiben Hilfe auf "stumme Schreie" hin verstärken dies zusätzlich. Das kann sogar dazu führen, daß das Kind/ Jugendliche die Situation gar zunächst als normal empfindet und erheblich später erst den Mißbrauch vollumfanglich begreift. Rachegefühle setzen dann aber auch nur selten ein; die Beendigung der Situation ist erheblich vorrangiger!

Auch Kinder sind TäterInnen

Richtig! Leider... Fast die Hälfte der sexuellen, körperlichen und seelischen Mißbrauchsfälle geht auf das Konto von Kindern und Jugendlichen! Hier ist der Anteil weiblicher Täterinnen sogar erheblich höher als bei den erwachsenen TäterInnen mit je nach Schwere der Taten zwischen 10-15%. Allerdings ist Anteil innerfamiliären sexuellen Mißbrauchs nahezu mit 30% identisch, wobei dann die Geschwister die Opfer sind (Geschwister-Inzest) und stellen damit sogar die häufigste Form des sexuellen Mißbrauchs im familiären Bereich dar. Erst danach folgen Onkel/Tanten und dann Väter/Mütter, obwohl in der Öffentlichkeit immer wieder suggeriert wird, daß Vater-Inzest am Meisten vörkäme!

Therapien zur Prävention sind nutzlos, TäterInnen sind nicht therapierbar

Falsch! Und das zu denken ist schon fast gefährlich! Richtig ist zwar, daß 50% der Sexualstraftäter trotz Therapie wiederr rückfällig wurden, bedeutet aber im Umkehrschluß auch, daß eben rund 50% nicht mehr rückfällig werden! Allein damit wird schon etwa jede 2. Sexualstraftat verhindert. Darüber hinaus gibt es an wenigen Orten in Deutschland auch präventive Therapien für z. B. Pädophile, damit diese garnicht erst straffällig werden. Der Erfolg wird mit bis zu 80% angegeben. Großer Nachteil: Die vorbeugenden Therapien sind mit enormen Kosten für die Patienten verbunden und müssen allein vom Patienten aufgewendet werden. Neben Reisekosten und Unterbringung wärend der Therapiezeiten entfällt auch noch das Einkommen, der Aufwand beträgt einige tausend Euro / Monat! Der Staat zahlt nur die Therapien bereits straffällig gewordener TäterInnen!

 

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von Micha, 06.06.2012 18:40 Uhr · Teilen · Kommentieren · Gefällt mir · sei der Erste, dem das gefällt!

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