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Ein Beitrag von Dr. Steffen Fliegel im "Fallbuch der klinischen Psychologie"

Eßstörungen / Bulimie

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Eßstörungen / Bulimie

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Das Problem kann bewältigt werden, aber gerade bei langandauernder Krankheit ist die Unterstützung von Selbsthilfegruppen oder in der Regel professionelle Hilfe durch Psychotherapie notwendig. Die nachfolgend genannten Hilfen und Unterstützungen entstammen dem therapeutischen Kontext, lassen sich aber gut auf die Selbsthilfe übertragen. Ca. 20% können sich mit Unterstützung eines Freundes/einer Freundin und eines guten Selbsthilfebuches von der Sucht befreien, für die anderen gibt es Selbsthilfegruppen, ambulante Einzel- bzw. Familientherapie sowie stationäre Behandlung in Spezialkliniken. Verhaltenstherapie und Familientherapie bieten gute Ansätze, aber auch andere Therapieformen können hilfreich sein.

Viele Betroffene haben ihr Problem jahrelang verheimlicht. Ein erster Schritt zur Veränderung ist das Eingeständnis, an einer Essstörung zu leiden, auch wenn noch kein innerer Wunsch nach Veränderung besteht. Wichtig ist auch das Bewusstsein, dass es viele andere Betroffene aber auch gute therapeutische Hilfe gibt.

Die nachfolgenden Hilfen beziehen sich vor allem auf die Veränderung der Nahrungsaufnahme. Der Teufelskreis Essen-Erbrechen-Schlechte Gefühle-Stress-Essen... hat sich oft verselbstständigt und ist als ein wichtiger Ansatzpunkt für Veränderungen anzusehen. Natürlich ist es notwendig, parallel positive Lebenserfahrungen zu ermöglichen, die dann gemeinsam mit den guten Erfolgsgefühlen bei der Veränderung des Frustkreislaufs eine gute Voraussetzung schaffen können, die Bulimie zu besiegen.

Das Essen sollte zuerst von den gefühlsmäßigen Auslösern getrennt werden, also nicht z.B. aus Gier oder Frust zu essen. Die Betroffenen haben sich oft über Jahre hinweg in dem o.a. Teufelskreis zwischen Fasten – Essanfall - Erbrechen – Fasten usw. bewegt, so dass sie verlernt haben, ”normal” zu essen. Die eigenen Körpersignale werden nicht mehr wahrgenommen oder nicht richtig gedeutet. Hier ist Umlernen wichtig.

Mit dem eigenen Körper sollte Freundschaft geschlossen werden. Das persönliche Gewicht wird bei normalem Essen und Bewegen in der Regel gehalten, entspricht aber bei weitem nicht immer den Idealvorstellungen, die man hat. Viele essgestörte Menschen wiegen sich oft mehrmals täglich, um zu kontrollieren, ob sie ab- und bloß nicht zugenommen haben. Die Waage behindert sie auf dem Weg, ein normales Essverhalten zu entwickeln, das nicht dem Diktat der Kilos und der Diäten unterworfen ist. Es ist also anzuraten, die Waage zumindest für einige Zeit aus dem Haushalt zu verbannen.

Um das eigene Essverhalten zu verändern, sollte man es erst einmal genau kennen lernen. Hilfreich hierfür sind sogenannte Ess- oder Ernährungsprotokolle. In diesen wird eingetragen, wann, wo, mit wem, in welcher Zeit (Dauer), zu welchem Tageszeitpunkt, in welcher Situation, was und wie viel man zu sich nimmt, was man dabei denkt und fühlt. Außerdem wird festgehalten, wann und wie viel erbrochen wird. Ziel dieser genauen Selbstbeobachtung ist es, Ansatzpunkte für Veränderungen zu finden. Diese können sein: regelmäßig essen, Essensrhythmen einhalten, Pausen zwischen den Mahlzeiten festlegen, aber nicht zu lang machen.

Die Ziele für die Veränderung sollten jedoch überschaubar und erreichbar sein. Lieber immer kleine Ziele setzen und diese auch erreichen können (z. B. viermal am Tag essen, wobei jede Mahlzeit zwanzig Minuten dauern kann), als ein überdimensioniertes Ziel im Auge haben, das gar nicht erreicht werden kann.

Zu Beginn der Veränderung ist es für Betroffene schwierig, die Essanfälle zu besiegen. Es ist wichtig, nicht zu hohe Erwartungen an sich zu stellen. Es macht daher Sinn, am Anfang zu versuchen, das Erbrechen soweit wie möglich hinaus zu schieben. Ein einzelner Fress-Brech-Anfall ist kein Unglück und schadet auch nicht, kann meist auch nicht von Anfang an vermieden werden. Schon die Protokollierung hilft, in Verbindung mit anderen Veränderungen, den suchtartigen Anfall gelassener zu sehen und ihm dadurch auch seine massive Problematik zu nehmen. Eine Reduzierung ist dadurch oft schon möglich.

Essanfällen kann man begegnen, in dem man

- sich eine Liste mit Alternativverhalten macht, z.B. Entspannung, Musik, Freundin anruft
- ihn bewusst erlebt und genau beobachtet, was man tut, fühlt, wie der Körper reagiert.
- nach dem Erbrechen sich nicht bestraft, keinesfalls mit Nahrungsentzug, was den Teufelskreis wieder in Gang bringen würde.

Das Aufkommen unangenehmer Gefühle wie Angst, Ärger, Niedergeschlagenheit und so weiter, die oft einem Essanfall vorausgehen, sollte so früh wie möglich unterbrochen werden. Gedanken, die herunterziehen und die unangenehmen Gefühle bekräftigen (z. B. ”Niemand ist mehr an mir interessiert”) können unterbrochen werden und gegen andere mutmachende Gedanken ausgetauscht werden (z. B. ”Ich bin auf dem Weg der Veränderung, und auf diesem Wege werde ich auch wieder mehr Kontakt zu anderen Menschen aufnehmen können)”.

Für die psychischen und psychosozialen Probleme (in der Partnerschaft, im Beruf, im familiären Alltag, im sozialen Bereich, in Bezug auf Ängste, Depressionen und so weiter), die die Bulimie verursachen, unterstützen und aufrechterhalten, kann an dieser Stelle leider keine weitere konkrete Hilfe angeboten werden. Hier sei auf die u.a. Kontaktadressen verwiesen.

Bulimie ist oft nicht die Erkrankung eines Einzelnen, sondern oft der Beziehung oder der Familie. Oftmals sind Angehörige stark betroffen, daher für sie einige Hinweise zur Hilfe: Auch wenn es schwer fällt: keine Kontrolle, kein Ausspionieren oder Ausfragen, keine Schuldzuweisung und keinen Zeitdruck ausüben.

Stattdessen: Unterstützung anbieten; die Problematik ansprechen; eigene Gefühle ausdrücken; auch über andere Probleme reden, die nichts mit Essen zu tun haben; Zeit lassen, gesund zu werden; Familienabende einführen; konstruktive Konsequenz zeigen; normale Lebensmittelvorräte haben und aufteilen.

Kurz gefasste Tipps für Rückfälle: Zeit zum Nachdenken suchen; Lösungen überprüfen, ggf. verändern; Hauptmahlzeiten festlegen und einhalten; oft in Gesellschaft aufhalten; Nahrungsmittelvorrat beschränken; Tagesaktivitäten planen; verführerische Momente finden und Alternativen planen; das Wiegen beschränken, höchstens 2x die Woche; Grübeleien über Essen und Gewicht beenden, Alternativen suchen; Ängste und Bedrückungen suchen und damit auseinandersetzen, nicht durch Essen ”lösen”; mit Angehörigen und Freunden über die Probleme reden; sich anderen anvertrauen und ruhig beobachten lassen, nicht ins Geheimnisvolle verfallen; nicht zu grosse sondern überschaubare Ziele setzen; den Rückfall nicht als Katastrophe sehen sondern als Hinweis, dass noch nicht alles erledigt und bewältigt ist; Rückfälle sind Chancen...

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von Micha, 21.04.2012 01:42 Uhr · Teilen · Kommentieren · Gefällt mir · sei der Erste, dem das gefällt!

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