Smilies  Color  Logout  Hilfe     

note on „Ella Schön“

note on „Ella Schön“

Seitenbild

Diese Webseite ist eine Community, erfahre mehr darüber!


Anfang des Jahres wurde die ZDF “Herzkino”-Serie “Ella Schön” mit zwei Teilen erstmals online gestellt.

Aufgrund hoher Sichtungen wird https://www.presseportal.de/pm/7840/3922610"
rel="noopener">diese Reihe fortgesetzt.


Wir haben uns Teil 1 “ https://www.zdf.de/filme/herzkino/ella-schoen---die-inselbegabung-100.html"
rel="noopener">Die Inselbegabung” und Teil 2 “ https://www.zdf.de/filme/herzkino/ella-schoen---das-ding-mit-der-liebe-100.html"
rel="noopener">Das Ding mit der Liebe” angesehen.


Zugegeben – hohe Erwartungen hatten wir nicht.

Zum Einen, weil es eine ZDF-Produktion ist und wir in der Regel nicht zur Zielgruppe dieses Kanals gehören. Zum Anderen, weil wir natürlich die kritischen Tweets von ~”Autismus-Aktivist_innen”~ mitbekommen haben, als der erste Film angesehen werden konnte.


Und doch: uns haben sie gefallen und wir freuen uns auf die Fortsetzungen.


Worum geht es?


Kurz gesagt geht es um Ella, deren Ehemann verstorben ist. Dieser Ehemann hat auch mit Christina zusammengelebt und zwei Kinder mit ihr gehabt. Nach seinem Tod will Ella das Haus verkaufen, in dem Christina lebt.

Aus dieser Konstellation ergibt sich ein Handlungsstrang, der davon geprägt ist, dass Ella anders kommuniziert als Christina (und viele andere Menschen) und viele unterschiedliche Interessen aufeinander treffen.


Auch der zweite Film lebt von dieser sozialen Konstellation und einer Geschichte voller kleiner und großer sozialer Konflikte.


Die Filme funktionieren. Egal, wie Ella ist oder nicht ist.

Und das macht sie gut für uns.


Ella lebt mit dem Asperger Syndrom und wird als klare, strukturierte Person mit wenig Mimik und präziser Sprache dargestellt.

Ja, das ist ein Stereotyp. Ja, das ist etwas, das nicht alle Menschen, die mit Asperger bzw. auf dem Autismusspektrum leben, repräsentiert.

Das ist für viele nicht schön, das ist nicht realistisch. Das ist Fernsehen, das ist Fiktion.


Und es hätte noch viel schlimmer kommen können.


Das ist zwar nichts, wofür man, insbesondere als selbst mit Autismus lebende Person, dankbar sein sollen müsste, aber doch. Es gab und gibt schon weitaus schlimmer verzerrende Filme, in denen autistische oder popkulturell aufbereitet “socially awkward like autistic” Charaktere dargestellt wurden und werden.


Ella Schön ist eine konzentrierte, beherrschte Person, was Anette Frier, unserer Ansicht nach, großartig spielt. In dieser Figur sind außerordentlich wenig “weirde” Quirks verpackt, was sehr dazu beiträgt sich für die Geschichte zu öffnen.


Ihr Autismus kommt in Form einer Erklärung weshalb sie keine Rechtanwältin ist, zur Sprache und danach nie wieder von ihr selbst. Ein anderes Mal sagt Christina so etwas wie, Ella hätte einen Knall mit ihrem Asperger-Quatsch. Und das wars. Es gibt keine Szene, in der die Leute zusammensitzen und erst mal erklärt bekommen, was das ist und was sie deshalb alles kann und nicht kann.

Ella äußert selbst was ihr Schwierigkeiten bereitet – und lässt dabei offen, ob es einen Zusammenhang mit dem Asperger-Syndrom gibt, oder nicht.


Ich halte das für näher an der Realität autistischer Erwachsener, als vieles andere und einen weiteren Pluspunkt an den Filmen.


Es gibt noch mehr Szenen und Aspekte, die ich als in dem Film sehr nah an der Realität befindlich dargestellt einordne. Beispielsweise Ellas berufliche Situation. Sie arbeitet in einem Callcenterbüro, statt in einer Anwaltskanzlei, weil sie das Referendariat nicht abgeschlossen hat. Sie hat einfach keine Kanzlei gefunden, in der sie das schaffen konnte. Im Laufe des Films trifft sie auf den Anwalt der Insel, der beeindruckt ist von ihren fachlichen Fähigkeiten und ihr die Möglichkeit gibt, bei ihm das Referendariat zu machen.

Das ist eine, wie ich das nicht erst seit der eigenen Diagnose und Recherche immer wieder beobachte, Situation die für erwachsene Autisten (und andere behinderte Menschen) auf die eine oder andere Art zukommt. Der Umstand, dass es selten bis nie darum geht fachlich, sachlich etwas nicht zu schaffen oder zu können oder lernen – sondern immer wieder darum, diese Dinge nicht so und nicht dort machen zu können, wie von etablierten Strukturen und Normen definiert.


Es wird sichtbar was für ein Glück und damit unsteuerbares, unkontrollierbares, unselbstherstellbares Geschehen für so oder auch anders behinderte Menschen von Nöten ist, um berufliche Teilhabe und Aus_Bildungschancen zu erhalten.


Der Anwalt in dem Film erinnert mich sehr an all die Lehrer_innen, Freund_innen und Unterstützer_innen in unserem Leben. Er ist beeindruckt von Ellas Können und hat keine Zweifel an ihren Kompetenzen, allerdings auch keine Idee davon, was sie braucht, um immer wieder entstehende soziale Schwierigkeiten zu lösen.


Auch das ist ein sehr realistischer Anteil an dem Film. Wie die Menschen versuchen Ella zu helfen, ohne, dass sie helfen. Sie sagen ihr, was sie tun soll und was erwartet wird. Sie sagen ihr “Hier macht man das so”. Den letzten Dreh, den es braucht damit die Anpassung nahtlos klappt, schaffen weder Ella, noch die Menschen um sie herum. Es bleibt eine Kante. Ein Unterschied. Etwas, das wie ein Anderssein von Ella zu lesen ist, aber doch nie mehr wird, als eine Facette, die Normalität auch haben kann.

Ella ist kein Sonderling. Sie wird nicht ausgegrenzt. Man findet einen Umgang miteinander, in dem das Andersalsüblich das Geschehen mitgestaltet, wie alles andere auch.


Die Filme schaffen es dem Roboterstereotyp, das derzeit gerne genutzt wird, um Menschen mit Autismus darzustellen, eine Ebene an die Seite zu stellen, in denen Ellas Gefühlswelt sehr viel Raum gegeben wird. Die gewählten Bilder dieser Szenen haben eine sehr klare, strukturierte Ästhetik, trotz der stärkeren Dynamik darin.

Ella muss nicht weinen, um sich schlagen oder schreien, wenn sie verzweifelt oder traurig ist, um vom Zuschauer als verzweifelt oder traurig gesehen zu werden. Das ist, was nur Film kann und hier sehr schön genutzt wurde.


Was erwartet die Zuschauer_innen noch in diesen Filmen?


Wunderschöne Ostseebilder. Viele Szenen am frühen Morgen und späten Nachmittag. Ostseeklischees, wie ein Chantychor und Fischer in hohen Gummihosen, damit man auch ja nicht vergisst, wo der Film spielt.

Es gibt eine angenehm unterstützende, jedoch nicht treibende Filmmusik, die Ellas Geradlinigkeit genauso wie die bunte Funktionsquirligkeit von Christina und ihrer Familie unterstützt.


Auch schön: Christina ist schwanger und natürlich wird das Kind noch in dem Film geboren. Allerdings weitaus undramatischer, als man das von Filmgeburten so gewohnt ist.


Und selbstverständlich muss sich Ella noch verlieben. Das ist ja der heiße Scheiß. Autist_innen und Liebe.

Dieser Strang beginnt im ersten Film peinlich und klischeehaft, wie zu befürchten war, nimmt im zweiten jedoch einen weitaus realistischeren Verlauf und gibt sowohl Ella als Charakter, aber auch Christinas Beziehung zu ihrem besten Freund mehr Tiefe.


Wie gesagt: wir verstehen die Kritik von Aktivist_innen an den Filmen und stimmen damit in Teilen überein.

Jedoch bietet die Filmreihe zum Einen für uns viele Szenen des Alltags, die wir mit anderen Menschen anschauen können, um über das gemeinsame Miteinander zu sprechen und zum Anderen habe ich den Eindruck, dass viele Kritiker_innen schneller mit ihrem (oftmals scheinbar schon von vornherein bestehendem) Urteil waren, als mit der Analyse unter Berücksichtigung des Kontextes, in dem Filme konzipiert und produziert werden.


Denn: Natürlich können und sollten konkret Betroffene sich darüber äußern, wie Menschen, die etwas mit ihnen gemeinsam haben, in Film und Fernsehen repräsentiert werden.

Doch dann ist es zu spät. Der Film ist fertig und veröffentlicht.

Solcherlei grundlegende Kritik an Filmen zu äußern, halte ich für medienwirksam, jedoch nicht konstruktiv.

Was es braucht ist meiner Ansicht nach auch nicht “mehr Aufklärung”, wie es Herr Knauerhase, der seinerseits Geld damit verdient Menschen über Autismus aufzuklären, in einem Interview vorschlägt.


Aufklärung kann nur erfolgreich sein, wenn ihr Fehlen als behindernd an_erkannt ist.

Das heißt: Wenn jemand von mehr Information auch wirklich profitieren kann.

Da kommt der Kontext des Filme- und allgemein Medienmachens für mich ins Spiel. Es ist nämlich keine Hürde schlecht über Dinge informiert zu sein, wenn man eine Geschichte erzählen möchte. Es ist weder verboten noch sonstwie hinderlich für Einschaltquoten oder Auszeichnungen, Scheiße produziert und veröffentlicht zu haben.


Bei der Produktion von Film und Fernsehen geht es nicht um reale Personen. Es geht bei Ella Schön nicht um “die Autist_innen” oder “den Autismus”. Es geht um die Geschichte, um Geld, um filmisches Handwerk.

Das muss nicht so akzeptiert werden. Das ist keine Legitimation für eine Repräsentation, die falsch oder stereotyp ist und sehr viel Antistigmatisierungsarbeit zunichte macht.

Aber das sind Aspekte, die aufzeigen, wo die Wurzeln der Rollenklischees auch ihre Nahrung herbekommen und damit ebenfalls etwas, wo Kritik gleichsam ansetzen sollte, um Veränderungen anzustoßen.


Und was bitte nicht vergessen werden darf: Ja, nicht alle Autist_innen sind wie Ella Schön.

Aber manche eben doch. So viel Differenzierung muss sein. Vor allem, wenn man sich schon dafür stark macht immer wieder zu sagen, dass Autismus ein Spektrum ist und also jede_r Autist_in anders.


Eine abschließende Bemerkung.


Wir schauen ungern fiktionale Filme. Außer Superheld_innenfilme und Science Fiction.

Soziale Schnörkelgeschichten wie Liebesdramen oder solche Geschichten, wie die um Ella Schön, sind uns zu undurchsichtig, irritierend, letztlich auch oft unverständlich.

Durch den Charakter der Ella Schön und ihre Reaktionen, Fragen und Konflikte, fiel es uns sehr viel leichter dem Geschehen der Filme zu folgen und auch emotional mitzuschwingen, als Filmen, in denen wir als Zuschauer_in allein mit diesem Konflikt bleiben und ihn nicht aufgelöst bekommen, weil entscheidende Informationen mit Nahportraits von uneindeutigen Gesichtsausdrücken oder Körperhaltungen vermittelt werden, statt mit klaren Worten bzw. Dialog.


Für uns ist diese Filmserie also auf dieser Achse ein Gewinn. Wir konnten einer Geschichte folgen, die wir ohne den autistischen Charakter darin, vermutlich nicht so verstanden hätten.

So kann barriereärmeres Fernsehen also auch aussehen.



Quelle dieses Beitrags: https://vieleineinemblog.wordpress.com/2018/06/24/note-on-ella-schoen/



"Ella Schön": ZDF-"Herzkino"-Reihe mit Annette Frier wird fortgesetzt

Ein Bild - Mainz (ots) - Die "Herzkino"-Reihe "Ella Schön" avanciert zum Publikumsmagneten in der ZDFmediathek: Beide Filme erzielten bisher 1,07 Millionen Sichtungen. Davon entfallen 472...

presseportal.de


Da immer wieder Abmahnanwälte, Abmahnvereine und Fotografen unseren als mildtätig anerkannten Verein "Regenbogenwald e.V." mit unhaltbaren Forderungen zu schädigen versuchen, indem diese rechtlich eindeutige Grundlagen zu RSS-Feeds, geteilten Beiträgen und "Zueigenmachung" ignorieren, verweisen wir kommentarlos auf die Urteile des EuGH C-348/13 sowie des OLG Köln 6 W 72/16. Derartige Ansprüche erwidern wir eher lustlos.


Kategorie: Ein Blog von Vielen
Tags: Asperger-Syndrom · Autismus · Autismus und DIS · Autismusspektrum · Filmkritik · Lauf der Dinge · Medienkritik · Stereotype
Weitere Beiträge dieses Autors:
gelb, weiß, lila, schwarz / lila, weiß, grün
Vor einiger Zeit erhielt ich immer wieder Emails, in denen wir als “Herr Rosenblatt” angeschrieben wurden. Es ging um eines dieser unsinnigen Marketing/Verkaufs… irgendwas mit kapitalistischer Verwertungslogik-Dinger. Kennen wir. Machen wir nicht. Ignor...
Ganzen Beitrag anzeigen
Sternschnuppenwünsche
„Schlafen“, denke ich und schaue dem kleinen Flitz am Nachthimmel nach. „Schlafen.“ Nächster Flitz. Irgendwann höre ich auf, mir Schlaf zu wünschen und setze mich an den Schreibtisch. Wieso das alles schon wieder so zäh ist, möcht ich mal wissen. Was ...
Ganzen Beitrag anzeigen
das zweite „längstmöglicher Umweg nach Hause“-Abenteuer
Und dann standen wir da, in der Stille von Vechtas Bahnhof. 20 Personen, über die Hälfte mit Problemen Deutsch zu verstehen, ein Kind unter 6, eins unter 2, ich und NakNak*, die, obwohl sie zuletzt vor 6 Stunden die Möglichkeit hatte etwas für ihre Bla...
Ganzen Beitrag anzeigen
Meistgelesene Artikel:
Autismus (Achtung viel zu lesen)
Gliederung 1. Allgemeine Definition 2. Geschichte der autistischen Störung 3. Ursachen 4. Diagnosekriterien 5. Charakteristische Merkmale und Stärken 6. Komorbitäten 7. Abgrenzungen zu Autismus 8. Diagnostik 9. Folgen andersartiger Wahrnehmung und In...
Ganzen Beitrag anzeigen
Nach NPD-Kundgebung in Aschaffenburg: Polizei nimmt Holger Apfel fest
Weil sie Passanten mit Feuerlöschern besprüht haben sollen, sind 13 NPD-Anhänger festgenommen worden. Unter ihnen war auch der Parteivorsitzende Holger Apfel. mehr...
Ganzen Beitrag anzeigen
Der Regenbogenwald braucht eure Hilfe!
Das Problem: Für den Betrieb der Webseite des Regenbogenwald e.V. wurde ein eigener Server angemietet, der genügend Kapazitäten und Leistung erbringt, um die große Zahl an Texten und Medien sowie die Chats, Mails etc. für die monatlich mehrere zehntausend Besu...
Ganzen Beitrag anzeigen

von EinBlogVonVielen, 24.06.2018 12:30 Uhr · Teilen · Kommentieren · Gefällt mir · sei der Erste, dem das gefällt!

Kommentare zu diesem Artikel:


Gast′s Profilbild

Eine Community-Webseite wie diese lebt vom aktiven Mitmachen! Wurde noch kein Kommentar verfasst? Eröffne - auch als Gast - eine Diskussion zu diesem Thema, indem Du weiter oben auf 'Kommentieren' klickst und dann den ersten Kommentar schreibst!

Warum gibt es hier kein Kommentar-Plugin von Facebook?

Weil wir den Datenschutz als sehr wichtig ansehen und uns an das BDSG halten! Seiten, die ohne besondere Mechanismen direkt Kommentare über das Facebook-Plugin samt Profilbild etc anzeigen, teilen zwangsweise Facebook mit, wo sich die Facebook-Benutzer ausserhalb von FB gerade aufhalten und diese Informationen werden dort gespeichert, ob man es will oder nicht. Besser auf den Datenschutz achten und auf Facebook-Plugins verzichten als unsere Besucher zu gläsernen Menschen im Netz zu machen!


Freunde Online

Feedback zur Seite
Ich möchte etwas zum Inhalt mitteilen
Ich möchte einen Rechtsverstoß anzeigen
Ich möchte eine mißbräuchliche Nutzung melden
Ich möchte etwas anderes mitteilen


Infos zum Regen­bogenwald

Das neue Design:
Eine wirklich kleine Umfrage

regenbogenwald.de ist die seit Sep­tem­ber 1999 bestehende, nicht kom­mer­ziel­le Com­mu­nity für Jeder­mann!

Neben Informationen, aktuellen News, Er­fahrungs­austausch und Unter­haltung im Chat und Foren, findest Du hier zahl­reiche Gedichte, Geschich­ten, Song­texte, Tage­bücher und vieles mehr.

Die gesamte Webseite ist werbefrei und dennoch kostenlos zu nutzen. Ermöglicht wird das durch den vom Finanzamt Essen als mildtätig aner­kannten Verein Regen­bogen­wald - Hilfe zur Selbst­hilfe e.V.

Du kannst Dich jederzeit kostenlos und ohne jegliche Verpflichtungen regis­trieren und ein­loggen, um das gesamte Angebot dieser Webseite nutzen zu können, indem Du oben auf das Symbol klickst.

Natürlich freuen wir uns über jede Spende für die Projekte des Vereins und zum Unterhalt der Webseite. Die Konto­ver­bin­dung dazu findest Du im Impressum.

Viel Freude beim Stöbern auf diesen Seiten wünscht Dir das Regenbogenwald-Team

Das Layout von regenbogenwald.de hat sich gravierend verändert. Bewerte es bitte nach Schulnoten:

(Ø = 2.6)

Und die Bedienbarkeit / Übersichtlichkeit? Bewerte es bitte nach Schulnoten:

(Ø = 2.6)

Möchtest Du uns dazu noch etwas sagen?

Zurück