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Fundstücke #58


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„Das ist bestialisch“, hatte die Therapeutin dazu gesagt. Und während ich mich unter dem Eindruck der Kongruenz durch ihren Ausdruck von Abscheu und Abgrenzung entspannte, fiel mir auf, wie praktikabel das Mittel der Entmenschlichung ist. Nicht nur heute, wo es eine tückische Entlastung ist menschlicher Gewalt den Wortmantel der Unmenschlichkeit anzulegen, sondern auch früher, wo sich die Energie der Gewalt ihre Bahn durch Selbst und Sein eines Kindes brach und keine als menschlich akzeptierte Eigenschaft hinterließ.


Es ist tückisch, denn es bestätigt die Ablehnung des Ausmaßes der Folgen für das Kind, in dem es die Gewalt als etwas wahrnimmt, das nie aus einer gemeinsamen Basis kam.

Doch genau das stimmt nicht.

Und das ist das Problem.


Menschen, die Gewalt ausüben, durchdringen und versehren eine Entität, die sich im günstigsten Fall darüber nie Gedanken machen musste. Das ist ein Schmerz, den Menschen vermeiden, sobald sie geboren sind und durch viele soziokulturelle Praxen und Technologien im Laufe des Lebens immer sicherer nicht zu erleben versuchen.

Warum sollte ein Mensch einem anderen Menschen diesen Schmerz zufügen? Was sollte denn jemand von etwas haben, das niemand will?


Zwischenmenschliche Gewalt wird heute so vielfältig erklärt und analysiert. Da gibt es Machtanalysen, da gibt es Pathologisierung, da gibt es Räume voller Fragezeichen und individueller Erzählungen von Menschen, die über ihre eigene Täter_innenschaft reflektieren.

Hinterher. Wenn ES vorbei ist und die Gewalt_Hinterbliebenen versuchen sich selbst und die Welt, in der sie passieren, in dem wieder zu finden, was ihnen geblieben ist. Leib, Leben, Da_Sein.


Das Geständnis vom Monster im Innen, den Tieren unter uns, dem Biest unter meiner Haut, das die Welt zerstören kann, haben wir nie abgelegt, um einen Selbsthass auszudrücken oder um mehr als eine mal mehr mal weniger nah wahrgenommen Zerstörungs- bis Tötungsenergie zu benennen.

Diese Innens/Anteile/Energien nehmen wir so wahr und wissen, dass es Menschen gibt, die diese Wahrnehmung wenigstens in dem Moment geteilt haben, in dem sie sich davon bedroht gefühlt haben. Vielleicht, weil da eine Facette von Menschlichkeit – menschlicher Überrestigkeit – spürbar war, die nicht mit dem eigenen Wahrnehmen und Erleben von Menschlichkeit in Einklang zu bringen war.


Es ging auch nie darum anderen Menschen die Angst zu breiten, die wir vor uns selbst haben und uns selbst von eben jener Angst abzutrennen, in dem wir uns als etwas positionieren, das nie mit ihnen zusammen passiert.


Heute denke ich, dass es dem Kind, das ichwir einmal waren, damals schon klar war, dass ein Mensch, dem so viel zerstört wurde, einen anderen Rahmen übrig hat. Ein anderes Funktionieren. Eine andere Art des Lebens.

Ein unmenschliches Leben. Nicht: ein schlechteres Leben, nur: ein unmenschliches


Es gibt die Idee in der Erklärung wie sich Identitätsstrukturen ausentwickeln und -gestalten, dass es fixe Ideen und mehr oder weniger reflexhaft assoziierte Identifikationen sind, die dazu führen, dass man in manchen Vielen Roman- oder Fantasiefiguren findet. Unter anderem Monster, Tiere, Bestien.


Eine Therapeutin vertrat uns gegenüber aber auch schon die Ansicht, dass diese von uns als unmenschlich wahrgenommenen Innens der Versuch war/ist, die Identität und die Zerstörungsintension der Täter_innen uns gegenüber zu erklären und abzuwehren. Am Ende: dass wir aufhören müssten, uns und dadurch jene, die an uns zu Täter_innen wurden, zu verkleiden.

Als wäre das alles eine schiefgegangene Scharade. Ein Eskapismus, eine Flucht vor einer Realität, die wir allein uns gemacht haben, weil uns die gegebene nicht gefallen hat.

Nicht, weil es das war, was wir noch aus dieser Realität machen konnten.

Diese Flucht in Aspekte der Realität, die so vielen Menschen in unserem damaligen Kinderleben scheinbar niemand anderes überhaupt wahrgenommen hat.


Wir selbst schreiben oft von Dissoziation als trennendes Element. Jedoch merke ich gerade, wo DAS DA in mir arbeitet und wie ein auf leichter Flamme vor sich hin wirkendes Geblubber auch da sein kann, dass es manchmal auch um Verschmelzung geht. Mit Dingen, die von der Gesellschaft, der Realität, dem Leben, das für so viele Menschen abkürzungshalber „Normalität“ genannt wird, getrennt passieren.

Mit dem Moment, in dem jemand „wie ein Tier“ rast, wütet, Gewalt ausübt (… leidet …) – und doch ein Mensch ist, der menschliches tut (… erlebt).


Nur nicht mehr als solcher akzeptiert wird.

Von allen anderen um ihn herum.


Als würde die Menschlichkeit der Täter_innen als Bestie verkleidet, um sie und ihre Tat zu verstecken.

Abzutrennen. Zu Dissoziieren.

Als sei nur so ein Urteil zu fällen oder eine Einordnung zu treffen. Als könne man der Gewalt und ihren Folgen nur so begegnen.


Mit Gewalt durch Aberkennen der Zugehörigkeit zur Menschenheit.

Einem unveränderlichen, unbeeinflussbaren, unwählbaren Merkmal.


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Kategorie: Ein Blog von Vielen
Tags: Depersonalisation · DIS? · Dissoziation als Schutz · dissoziative Identitätsstörung · dissoziative Identitätsstruktur · Innenansicht · Lauf der Dinge · multiple Persönlichkeit · Trauma · Traumafolgen · Unmenschlichkeit · Viele-sein
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von EinBlogVonVielen, 21.02.2018 22:40 Uhr · Teilen · Kommentieren · Gefällt mir · 1 anderen gefällt das

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