Smilies  Color  Logout  Hilfe     

das awkward-eiskalte Herz

das awkward-eiskalte Herz

Seitenbild

Diese Webseite ist eine Community, erfahre mehr darüber!


Ob ich traurig bin, weiß nicht.

Wütend? Keine Ahnung.


Ich dachte lange, meine Unsicherheit in Bezug auf mein emotionales Empfinden, hinge damit zusammen, dass ich es immer dissoziiere oder, dass ich ein intellektualisierender Mensch bin. So sage ich erst, dass ich traurig bin, ich wenn ich die Situation auf Marker für Traurigkeit untersucht habe. Ich benenne meinen schnellen Puls und das Ziehen im Zwerchfell, erst dann als Wut, wenn ich eine Ungerechtigkeit, einen Wortbruch oder sinnlose Zerstörung wahrgenommen habe. Beschämung und Demütigung berührt mich, weil ich die Umstände, die mich beschämen in aller Regel nicht verändern kann, was mich ohnmächtig macht, was wiederum ein allgemeiner Marker für Verzweiflung und Wut ist.

Spontan in mir auftauchend habe ich das nicht auf diese Art.

Meine spontanen Empfindungen sind “Thiiii” oder “Gnah” oder “Hrgm” oder “Oharr”. Je nach Melodie sortiere ich sie dann in eventuelle Wut, Trauer, Unwohlsein oder Fröhlichkeit und prüfe darauf hin meine Umgebung.


Im Moment frage ich mich, ob ich nicht vielleicht doch eine Art eiskaltes Herz bin.

Ich benutze Menschen. Das ist nichts Neues und die Menschen, die mit mir arbeiten, wissen das. Manche glauben mir das nicht und sind gekränkt, wenn sie irgendwann feststellen, dass ich sie nicht angelogen habe, weil sie mir aus ihrer Kränkung heraus nicht mehr vorwerfen können, ich hätte sie angelogen und glauben lassen, es wäre mir ausschließlich um sie gegangen.

Niemand mit der_dem wir näher zu tun haben, hat von uns noch nicht gehört, dass wir komisch mit Menschen sind. Dass wir uns als Freundin nicht eignen und, dass wir sie vergessen, wenn wir nicht regelmäßig mit ihnen zu tun haben.


Und dazu kommt, dass uns nicht geglaubt wird, wenn wir sagen, dass uns die Menschen selbst in aller Regel egal* sind, weil sie allein uns nicht reizen. Es gibt viele Dinge um Menschen herum, die uns reizen und beschäftigen, weil wir sie nicht verstehen, oder wir die Lässigkeit mit der sich manche Menschen auch mit unsinnigstem Zeug befassen nicht nachvollziehen können zum Beispiel.

Es gibt auch viele Dynamiken, die uns nicht gefallen und die wir für die Menschen gerne verändern, weil wir Handlungsoptionen sehen. Aber wären diese Dinge, um die Menschen herum nicht da, würden wir uns nicht mit ihnen befassen.


Ich habe eine Idee von der Kränkung, die damit einhergeht zu wissen, dass es mir im Kontakt nicht um den Menschen selbst geht, kann sie aber gleichsam nicht nachvollziehen. Gerade dann nicht, wenn ich von Anfang an sage, dass es so ist. Solche Kränkungen sind nicht rational genug für mich.


Vor ein paar Monaten haben wir gemerkt, dass wir uns an die Therapeutin gebunden haben. Dass unser Zutrauen zu ihr eine Ebene hat, die fremd ist.

Da hatten wir zum ersten Mal reflektiert, dass unsere noch am Einfachsten funktionierenden Beziehungen die zu unseren Therapeut_innen waren, weil die beiderseitige Be_Nutzung immanent ist. Wir brauchen uns nicht daran aufreiben Angst davor zu haben, dass wir die Therapeutin vergessen, weil sie sich schon auch mal selbst um den Kontakt zu uns bemühen wird. Wir brauchen keine Angst davor haben, dass eine Kränkung von uns in ihr auf eine Art vor sich hin wirkt, dass sie uns wegtreten muss, weil sie so etwas an sich zu reflektieren und zu kompensieren geübt ist.

Unsere Therapeutin braucht uns nicht und die einzige Dynamik, die uns um sie als Mensch herum reizt, ist ihre Arbeit an/mit uns.


Ich denke, dass unsere Performance mit Menschen umzugehen zu wenig einbezieht, auf irrationales und radikal destruktives Handeln einzugehen.

Da gibt es nur das Schockdissoziieren, das uns den Moment überstehen lässt und reaktives Erfassen der Gesamtlage mit allen Komponenten, Dynamiken und inneren Mechaniken. Man streitet sich nicht gern mit mir, weil ich das, was ich sehe, meistens auch noch mitteile, weil ich in aller Regel das Moment verpasse, an dem meine Schilderungen als von den Menschen selbst losgelöst angehört werden können.

Ehrlich gesagt habe ich diesen Punkt noch nie erwischt und werde ihn vermutlich auch nie erwischen, weil radikal destruktiv handelnde Personen in einem irrationalen Modus sind, der keine Kapazitäten für mein – nun ja – intellektuelles Geschwafel detailliertes Erklären meiner Sicht der Dinge, übrig lässt. Aber eine andere Art der Reaktion ist schlicht (noch) nicht in unserem Repertoire.


Klar schimpfen wir auch mal zurück, aber befriedigend ist das eher selten, weil ich meistens schon noch merke, was ich da für einen Quatsch sage.

Hat man sich eigentlich mal Gedanken darüber gemacht, warum ausgerechnet “Arschloch” beleidigen soll? Eigentlich ist es doch ein sehr wichtiges Körperteil – alle sollten froh sein eins zu haben und sich das Wort vielleicht eher in einem anerkennenden und wohlwollenden Kontext sagen.


Wir haben uns gestern überlegt, dass wir in Zukunft mit Dingen beleidigen könnten, die wirklich nicht toll sind. Sowas wie “Du Wurst mit 4 E-Stoffen drin!” oder “Du Sackgasse ohne Wendemöglichkeit!” Aber da merke ich wieder, wie wenig meine Sicht der Dinge passt. Niemand würde sich so beschämt fühlen wie ich, würde si_er von mir damit beleidigt.


Und dann ist da ja noch Versöhnung und Verzeihen. Oder Buße und Erbarmen.

Ich habe meistens keinen Anlass dazu, weil ich in so ziemlich allen Konflikten eher eine ganze Palette von logischen Folgen sehe (wenn ich sie denn sehen darf in einer Aussprache oder einer gemeinsamen Reflektion), als eine Palette von Schuldaspekten, derer man sich durch Buße, Sühne oder Entschuldigung entledigen muss. Schuld ist heutzutage reichlich irrational, wenn man sich außerhalb juristischer oder religiöser Kontexte bewegt.

Meine These: In Wahrheit weiß heute niemand mehr wirklich was Schuld ist und hält die verzerrte Kopie eines wahrhaft schuldhaften Aktes einer anderen Person für Schuld.

Die Irrationalität beginnt einfach schon genau damit, Schuld trotzdem zu benutzen. Auch wenn man eigentlich nicht weiß, was das ist und es keinerlei konkreten Konsequenzrahmen im Zivilleben dafür gibt. Wer mit Schuld arbeitet, macht sich zum Richter und das ist Gewalt. Wer sich in Schuldgefühlen wähnt, eröffnet eine Falle für jeden Mitmenschen über sie zu richten, ob die Menschen das wollen oder nicht. Auch das ist Gewalt.


Wir schweben nach Konflikten immer etwas desorientiert herum, weil wir uns nicht mit Schuldgefühlen oder Buße tun beschäftigen. Es gibt keinen Grund sich zu entschuldigen, denn Schuld können wir nicht sehen. Es gibt keinen Grund zur Trauer, denn wirklich verloren hat man nichts. Es gibt keinen Grund zur Wut, denn ohnmächtig im Schock sind wir ja nicht geblieben.


Eigentlich gibt es nur die Option zu merken: “Ja Hannah, du bist ein wirklich awkwarder Mensch”.

Und das ist ja nun nicht wirklich neu.


Hm.


Es geht weiter. Alternativen sind gefunden, Wege werden gegangen, um sie irgendwann als Weg bezeichnen zu können.

Das Multiple lässt sich nicht aufhalten. Es windet sich entlang von Brüchen, fasert sich auf und umhüllt die Lücken mit zarten Strängen eines Ich.


Nichts ist so tragfähig wie das Ich in Menschen, die sich selbst haben retten müssen.

Menschen mit dissoziativer Identitätsstruktur gehen öfter Jahre verloren, Lebensqualitäten und Erfahrungen jeder Art flöten, weil sie selbst in der Reflektion einzig das spezifisch produzierte Ich über ihren Brüchen sehen können.


Ich bin schuld. Ich bin falsch.

Hätte ich, würde ich, könnte ich


So bekannt die eigene Awkwardness ist, so bekannt ist die Dynamik.

Es ist die http://www.zenkreis.de/zen/weisheit/das_loch_in_der_strasse.htm"
>Straße mit dem Loch, in das wir schon so oft hineingefallen sind.

Und die wir nun von der anderen Straße aus betrachten.


http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/vieleineinemblog.wordpress.com/6453/"
> http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/vieleineinemblog.wordpress.com/6453/"
/> http://pixel.wp.com/b.gif?host=einblogvonvielen.org&blog=36533349&%23038;post=6453&%23038;subd=vieleineinemblog&%23038;ref=&%23038;feed=1"
width="1" height="1" />

Quelle dieses Beitrags: http://einblogvonvielen.org/2015/09/07/das-awkward-eiskalte-herz/


Protected Blog › Log in

This site is marked private by its owner. If you would like to view it, you’ll need two things: If you already have both of these, great! Log in here ← Back to WordPress.com

FEEDS.WORDPRESS.COM


Da immer wieder Abmahnanwälte, Abmahnvereine und Fotografen unseren als mildtätig anerkannten Verein "Regenbogenwald e.V." mit unhaltbaren Forderungen zu schädigen versuchen, indem diese rechtlich eindeutige Grundlagen zu RSS-Feeds, geteilten Beiträgen und "Zueigenmachung" ignorieren, verweisen wir kommentarlos auf die Urteile des EuGH C-348/13 sowie des OLG Köln 6 W 72/16. Derartige Ansprüche erwidern wir eher lustlos.


Kategorie: Ein Blog von Vielen
Tags: Anpassung · Autismus und DIS · Die Helfer_Innen und die Hilfe · DIS? · Dissoziation als Schutz · dissoziative Identitätsstörung · dissoziative Identitätsstruktur · Fundstücke · Gewalt · HelferInnen · Innenansicht · Kommunikation · Konflikte · Kontakt · Miteinander · multiple Persönlichkeit · Reaktion · soziale Interaktion · Sprache · TherapeutInnen · Therapie · Traumafolgen · Viele-sein
Weitere Beiträge dieses Autors:
Sternschnuppenwünsche
„Schlafen“, denke ich und schaue dem kleinen Flitz am Nachthimmel nach. „Schlafen.“ Nächster Flitz. Irgendwann höre ich auf, mir Schlaf zu wünschen und setze mich an den Schreibtisch. Wieso das alles schon wieder so zäh ist, möcht ich mal wissen. Was ...
Ganzen Beitrag anzeigen
das zweite „längstmöglicher Umweg nach Hause“-Abenteuer
Und dann standen wir da, in der Stille von Vechtas Bahnhof. 20 Personen, über die Hälfte mit Problemen Deutsch zu verstehen, ein Kind unter 6, eins unter 2, ich und NakNak*, die, obwohl sie zuletzt vor 6 Stunden die Möglichkeit hatte etwas für ihre Bla...
Ganzen Beitrag anzeigen
der Mond ist aufgegangen
Damals hatte ich gedacht, ich hätte mir das Wort “Blutmond” ausgedacht. Für mich ging es damals viel um Blut, Tod, Verderben, Schluss Aus Ende. Ein blutverschmierter Mond in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag, der Nacht in der ich sterben würde,...
Ganzen Beitrag anzeigen
Meistgelesene Artikel:
Autismus (Achtung viel zu lesen)
Gliederung 1. Allgemeine Definition 2. Geschichte der autistischen Störung 3. Ursachen 4. Diagnosekriterien 5. Charakteristische Merkmale und Stärken 6. Komorbitäten 7. Abgrenzungen zu Autismus 8. Diagnostik 9. Folgen andersartiger Wahrnehmung und In...
Ganzen Beitrag anzeigen
Der Regenbogenwald braucht eure Hilfe!
Das Problem: Für den Betrieb der Webseite des Regenbogenwald e.V. wurde ein eigener Server angemietet, der genügend Kapazitäten und Leistung erbringt, um die große Zahl an Texten und Medien sowie die Chats, Mails etc. für die monatlich mehrere zehntausend Besu...
Ganzen Beitrag anzeigen
Freiheit und Sicherheit
Freiheit braucht Sicherheit. Sicherheit braucht Kontrolle. Kontrolle beschneidet Sicherheit. Ein Teufelskreis.
Ganzen Beitrag anzeigen

von EinBlogVonVielen, 07.09.2015 19:00 Uhr · Teilen · Kommentieren · Gefällt mir · 1 anderen gefällt das

Kommentare zu diesem Artikel:


Gast′s Profilbild







Eine Community-Webseite wie diese lebt vom aktiven Mitmachen! Wurde noch kein Kommentar verfasst? Eröffne - auch als Gast - eine Diskussion zu diesem Thema, indem Du weiter oben auf 'Kommentieren' klickst und dann den ersten Kommentar schreibst!

Warum gibt es hier kein Kommentar-Plugin von Facebook?

Weil wir den Datenschutz als sehr wichtig ansehen und uns an das BDSG halten! Seiten, die ohne besondere Mechanismen direkt Kommentare über das Facebook-Plugin samt Profilbild etc anzeigen, teilen zwangsweise Facebook mit, wo sich die Facebook-Benutzer ausserhalb von FB gerade aufhalten und diese Informationen werden dort gespeichert, ob man es will oder nicht. Besser auf den Datenschutz achten und auf Facebook-Plugins verzichten als unsere Besucher zu gläsernen Menschen im Netz zu machen!


Freunde Online

Feedback zur Seite
Ich möchte etwas zum Inhalt mitteilen
Ich möchte einen Rechtsverstoß anzeigen
Ich möchte eine mißbräuchliche Nutzung melden
Ich möchte etwas anderes mitteilen


Infos zum Regen­bogenwald

Das neue Design:
Eine wirklich kleine Umfrage

regenbogenwald.de ist die seit Sep­tem­ber 1999 bestehende, nicht kom­mer­ziel­le Com­mu­nity für Jeder­mann!

Neben Informationen, aktuellen News, Er­fahrungs­austausch und Unter­haltung im Chat und Foren, findest Du hier zahl­reiche Gedichte, Geschich­ten, Song­texte, Tage­bücher und vieles mehr.

Die gesamte Webseite ist werbefrei und dennoch kostenlos zu nutzen. Ermöglicht wird das durch den vom Finanzamt Essen als mildtätig aner­kannten Verein Regen­bogen­wald - Hilfe zur Selbst­hilfe e.V.

Du kannst Dich jederzeit kostenlos und ohne jegliche Verpflichtungen regis­trieren und ein­loggen, um das gesamte Angebot dieser Webseite nutzen zu können, indem Du oben auf das Symbol klickst.

Natürlich freuen wir uns über jede Spende für die Projekte des Vereins und zum Unterhalt der Webseite. Die Konto­ver­bin­dung dazu findest Du im Impressum.

Viel Freude beim Stöbern auf diesen Seiten wünscht Dir das Regenbogenwald-Team

Das Layout von regenbogenwald.de hat sich gravierend verändert. Bewerte es bitte nach Schulnoten:

(Ø = 2.6)

Und die Bedienbarkeit / Übersichtlichkeit? Bewerte es bitte nach Schulnoten:

(Ø = 2.6)

Möchtest Du uns dazu noch etwas sagen?

Zurück