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Autismus und DIS #2


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Während mir der Schweiß an den Schläfen herunterrann, hörte ich dem Psychologen zu, der mir Zahlen sagte und diese in einen Zusammenhang setze.

Die Erde drehte sich, mein Herz klapperte im Brustkorb und in meinem Hinterkopf saß ein Typ mit einer 4-saitigen Gitarre.

Mein Heuschnupfenmittel und der von einem Hitzegewitter in der Nacht verursachte Schlafmangel, hielten mich gedämpft umherschwebend in der Mitte des Da und alles war in Ordnung.


Beziehungsweise hätte in Ordnung sein können, denn eigentlich ist nichts mehr in Ordnung seit gestern morgen.

Seit gestern morgen weiß ich, dass die Ergebnisse der Fragebögen und des Interviews auf ein Vorliegen von Störungen auf dem autistischen Spektrum zeigen.


Asperger-Syndrom, Asperger-Autismus, Autismus, ASS – ein Wesenszug, eine neurologisch spezifische Entwicklung, die anders ist als bei anderen Menschen – eine Behinderung, eine Krankheit… So richtig eindeutig ist für mich eigentlich gar nichts im Moment.


Es verwirrt mich nachwievor, dass ich meine Reizfilter- Kommunikations- und Interaktionsprobleme schilderte und dann psychologische Testfragebögen ausfüllen musste, um das eventuelle Vorliegen einer neurologischen Entwicklungsform zu überprüfen.

Die Schwierigkeiten erscheinen mir einfach nicht seelisch – obwohl es auch noch keine Antwort auf die Frage gibt, was “die Seele” in unserem Fall eigentlich ist.

Vielleicht müssten wir uns fragen, wer von uns “die Seele” ist. Oder war.


Ich bin versucht, dem Impuls in mir zu folgen, der mich anbrüllt, wie dumm es war den Test zu machen, denn ich hätte mir ja denken können, dass das Ergebnis positiv sein würde, weil _jeder_ Test auf A-Normalität – jeder Beklopptenscan an mir nur positiv sein _kann_.


Daneben äuge ich mich selbst argwöhnisch an und frage mich, ob ich diesem Impuls vielleicht nur deshalb folgen möchte, weil noch kein anderer da ist, auf den ich wirklich klar komme.

Und daneben frage ich mich, was mit mir nicht stimmt, weil doch jetzt eigentlich nur bestätigt ist, was uns schon lange immer im Kopf schwirrte: das Gefühl anders zu sein – auch anders anders als andere, die anders sind.


Und neben mir steht dieses hämisch abfällige Lächeln, dass mich nach dem “Und jetzt” fragt, auf das ich keine Antwort habe, weil der Psychologe mir keine geben konnte.


Ganz eigentlich hatten wir ja nur geschaut, ob es Möglichkeiten zur Förderung von hochbegabten Erwachsenen gibt, die einfach irgendwie so komisch sind, dass sie nicht dauerhaft mit anderen Menschen umgehen können.

Und dann war da dieser Blogartikel und das What the fuck?!-Moment, in dem wir einander anschauten und dachten: “Wären wir nicht viele – wären wir vielleicht diese Person.” und dann stand dort einfach der Begriff des Autismus im Raum und passte zu so vielen Aspekten, die sich einfach, trotzdem allem irgendwie doch nie “verwachsen” und “fertig entwickelt” haben.


Es gibt kein “Und jetzt” für uns.

Die Diagnose steht, genau wie die Hochbegabung und die DIS, auf unserem Zettel und bedeutet rein gar nichts, wenn wir niemanden finden, der uns glaubt, dass es etwas für uns bedeutet.


Scheinbar werden in unserer Welt weder Hochbegabte noch Autist_innen je älter als 18 Jahre, leben außerhalb von ihren Herkunftsfamilien (in Armut und außerhalb akademisch/wissenschaftlicher Kontexte) und brauchen dann noch Unterstützungen, die nicht auf eine Anpassung ans Außen abzielen, sondern auf eine Linderung des Leidensdrucks.


Seit gestern denke ich darüber nach, ob ich vielleicht ein bisschen weinen möchte, weil ich glaube, dass ich mich bemitleide.

Ich denke, dass ich mir wirklich leid tue, weil ich alleine bin mit etwas, dass ich noch weniger teilen kann als das, was uns hat viele werden lassen.


Und gleichzeitig denke ich: “Ey, wir teilen das schon so lange mit – wir sagen doch schon immer immer immer wieder, dass wir die Menschen einfach nicht verstehen. Dass wir an manchen Tagen absolut keine Haut haben und das nichts mit Traumareaktionen zu tun hat, sondern irgendwie einfach mit etwas was halt irgendwie einfach nur so DA ist. Dass da manche Dinge einfach anders sind. Anders anders einfach.”


Nur, dass ich das als Teilen einer Lebensrealität verstehe und der Rest der Welt als Mahnmal an die Schlechtigkeit und Abgründe der Gesellschaft, als Imperativ oder aufrüttelndes Irgendwas – oder schlicht als Blog mit Message, das der Menschen Horizont erweitern soll, ist halt auch da.

Ist einfach als ganz grundlegendes Missverstehen da und nicht zu ändern oder zu berichtigen, weil ich einfach nicht verstanden werde.

Weil das einfach so ist und für niemanden außer mich ein Problem ist.


Ich hatte gehofft, ich könnte Dinge erfahren wie “Wie macht man, dass Menschen aushaltbarer sind?” oder “Wie macht man, dass man verstanden wird?” oder – total profan: “Wie macht man, dass Essen, Situationen, Szenen mit Menschen drin nicht komisch gucken?”. Vielleicht hab ich das Wissen darum irgendwie als Belohnungsleckerchen nach den schwierigen Fragebögenfragen, an mich gedacht und bin nur traurig, dass ich in diesem Denken enttäuscht wurde.


Ich weiß es nicht.



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von EinBlogVonVielen, 04.07.2015 13:57 Uhr · Teilen · Kommentieren · Gefällt mir · sei der Erste, dem das gefällt!

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