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Warum die Züge stehen


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Wen haben in den letzten Monaten die Nachrichten von stehenden Zügen aufgrund der streikenden Lokführergewerkschaft GDL (Gewerkschaft der Lokführer) nicht erreicht? Und wer von denen, die diese Informationen erhalten haben hat sich dann nicht gedacht: wie dreist und überheblich ist das, dass es in Deutschland möglich ist, dass eine kleine Gewerkschaft für den Zusammenbruch des öffentlichen Verkehrs in großen Teilen des Landes sorgen kann? Und jetzt mal ehrlich; wer von denen, die diese Streiks aufs schärfste verurteilen weiß, warum eigentlich genau gestreikt wird?

Klar, das haben die Medien doch ausführlich berichtet! Es geht um 5 Prozent mehr Lohn und um eine Stunde weniger arbeiten pro Woche!

Richtig, das haben die Medien ausgiebig berichtet. Nur haben sie dabei eine ganze Menge wichtige Details vergessen.

Nur der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle erwähnt, dass die Lokführer bei weitem nicht die Einzige Berufsgruppe im Lande sind, die bessere Arbeitsbedingungen verdienen. Jeder wünscht dem gesamten karitativen Bereich wie dem Pflegebereich, den Erziehern, den Lehrern (die ja in ihrer Eigenschaft als Beamte nun mal nicht streiken dürfen, bis das Schulsystem privatisiert wird) den Ärzten und all den anderen Menschen, die jeden Tag hart arbeiten, um für andere Menschen da zu sein bessere Arbeitsbedingungen und eine faire Entlohnung.

Zum Glück für das Zugpersonal hat sich dieser Berufszweig gut organisiert. Und zwar in diesem Fall in der GDL, der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer. Das war aber nicht immer so, denn bis zum Jahre 2014 durfte die GDL nur für die Lokführer Tarifverträge abschließen. Das überwiegend übrige Personal auf den Zügen war in der zweiten für Eisenbahnberufe tätigen Gewerkschaft der EVG (Eisenbahn und Verkehrsgewerkschaft) organisiert. Als man dann aber bei der GDL die Mitgliederzahlen überprüfte, stellte man hierbei fest, dass mittlerweile neben den Lokführern auch etwa zwei Drittel des übrigen Personals, welches auf den Zügen sein Geld verdient über eben diese Gewerkschaft organisiert ist. Und nachdem man ja die Mitglieder nicht nur hat, um mit Zahlen protzen zu können, dachte sich die GDL etwas ganz besonders gemeines aus. Sie wollte für all ihre Mitglieder Tarifverträge abschließen, denn wenn sich aus einer Berufsgruppe eine gewisse Anzahl von Arbeitnehmern in einer Gewerkschaft organisiert, dann muss man als seriöse Arbeitnehmervertretung auch eben das tun, was der Name schon sagt. Sie vertritt die Interessen der Mitglieder.

So weit, so gut, könnte man meinen; ist ja legitim, könnte man meinen; ist sogar legal, könnte man mit guter Gewissheit meinen. Doch der Arbeitgeber - in diesem Fall der Vorstand der Deutschen Bahn - sah dieses anders. Als die GDL nämlich mit den Forderungen, für all ihre Mitglieder verhandeln zu wollen auf den Vorstand zu ging, blockierte dieser die Verhandlungen, indem er sich lediglich dazu bereit zeigte, für die Lokführer Tarifverträge auszuhandeln. Und nachdem die GDL auf dem diplomatischen Weg ihr vom Gesetz zugestandenes Recht, nämlich für all seine Mitglieder zu verhandeln, vom Vorstand der Deutschen Bahn nicht zugestanden bekam, gab es zum ersten Steik keine Alternative mehr.

Eine genaue Aufzählung über die genauen Schritte des Arbeitgebervorstandes erspare ich uns allen jetzt, was an der Situation interessant ist, ist die Tatsache, dass nach mehrmaligen Zugeständnisse machen, diese dann wieder zurücknehmen, vor- und rückwärts, hin und her wurde innerhalb der elfmonatigen Tarifverhandlungen nicht ein einziges mal  über die geforderten Inhalte wie zum Beispiel die fünf Prozent mehr Lohn oder die eine Stunde weniger Wochenarbeitszeit verhandelt, sondern immer nur über die Rahmenbedingungen. Mal war der Arbeitgeber nicht dazu bereit, über alle Berufsgruppen zu verhandeln, dann verlangte der Arbeitgeber, dass die zweite Gewerkschaft, die EVG federführend an den Abschlüssen beteiligt sein müsse und mal bestand der Arbeitgeber auf einem Schlichter. Und immer wieder ging es um Forderungen, die der GDL vom Gesetz her zugesprochen wurden. In zwei gerichtlichen Instanzen wurden die Streiks weder als illegal noch als unverhältnismäßig eingestuft.

Aus eigener Anschauung kann ich versichern, dass das Personal auf einem Zug seinen Job liebt und seinem Beruf nicht als Beruf, sondern vielmehr als Berufung ansieht. Der alte Grundsatz:" Zugpersonal ist man entweder mit Leidenschaft oder nicht lange!" hat damals wie heute Bestand. Und einem Lokführer fällt es wesentlich leichter, seinen Zug zu fahren, als ihn streikbedingt stehen zu lassen. Aus diesem Grund versteht kein Angestellter des Zugpersonals, warum sich der Vorstand der Deutschen Bahn so strikt gegen einen Abschluss mit der GDL wehrt. Immerhin haben die stattgefundenen Streikmaßnahmen weit über 300 Millionen Euro verschlungen. Und für keinen Streik hat der Vorstand des Arbeitgebers eine Alternative offen gelassen. Man könnte sogar meinen, dass der Arbeitgeber die Gewerkschaft systematisch in die Streiks hineingetrieben hat, um dann die Öffentlichkeit sowohl gegen die Gewerkschaft als auch gegen die entsprechenden Berufsgruppen aufzubringen und somit durch den Druck der Öffentlichkeit die Gewerkschaft zum Einknicken zu bewegen. Doch dieser Plan ging nicht auf, schließlich ist die Führungsebene der GDL nicht von gestern, durchschaut solch perfide Pläne und informiert seine Mitglieder umfassend.

Für das zur Zeit laufende Schlichtungsverfahren wurde vom Arbeitgeber zugestanden, dass der GDL ihr verfassungsrechtlich zustehendes Recht auch eingeräumt wird. Das bedeutet, dass sie eigenständig für alle Mitglieder verhandeln darf. Dies war die Voraussetzung, unter der sich die GDL in weitere Verhandlungen begeben hat. Was Am Ende des Schlichtungsverfahrens unterm Strich stehen wird, bleibt abzuwarten.


Da immer wieder Abmahnanwälte, Abmahnvereine und Fotografen unseren als mildtätig anerkannten Verein "Regenbogenwald e.V." mit unhaltbaren Forderungen zu schädigen versuchen, indem diese rechtlich eindeutige Grundlagen zu RSS-Feeds, geteilten Beiträgen und "Zueigenmachung" ignorieren, verweisen wir kommentarlos auf die Urteile des EuGH C-348/13 sowie des OLG Köln 6 W 72/16. Derartige Ansprüche erwidern wir eher lustlos.


Kategorie: Deutsche Bahn · Grundrecht · Menschlich sein · Nachrichten · Politik · Streik
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von AL-1971, 01.06.2015 20:35 Uhr · Teilen · Kommentieren · Gefällt mir · 2 anderen gefällt das

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