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Was uns Flüchten oder Reisen wert ist

Was uns Flüchten oder Reisen wert ist

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Es sind nicht nur Zahlen und Figuren. Es sind Fragen nach den Kosten und Schicksale, die damit besiegelt werden. Und es zeigt, wie unterschiedlich der Wert eines Menschen bemessen wird.

Hunderttausende Menschen sind vor allem aus Syrien, Afghanistan, Somalia, Sudan, Kongo und weiteren Ländern auf der Flucht vor Kriegen, Terror und Hungersnöten. Es sind jene Länder, welche seit langem unter Diktaturen, korrupte Regierungen und dem Terror der IS bzw. Boko Haram leiden, in denen die Wirtschaft in den Kriegen und Bürgerkriegen zum Erliegen kam, während die westlichen Industriestaaten teilnahmelos zusahen oder die Regionen eher selbst ausbeuteten. Überwiegend begeben sich diese Flüchtlinge über das Mittelmeer auf den Weg zu uns nach Europa, da andere Wege von der EU massiv gesichert und unpassierbar gemacht wurden.

Nach drastischen Kürzungen für die Rettung der Menschen, die sich in hoffnungslos überfüllten Schlauchbooten, alten Fischkuttern und kaum seetauglichen anderen Booten in Seenot geraten, sind allein in den vergangenen zwei Wochen im April 2015 weit über 1.100 Menschen im Mittelmeer ertrunken - etwa dreimal so viele Tote wie im Vorjahreszeitraum. Im Jahr 2014 sind etwa 3.500 Menschen bei der Überfahrt ins vermeintlich sichere Europa zu Tode gekommen.

Obwohl selbst die Medien das Thema "Massensterben im Mittelmeer" lange ignorierten, wurden spätestens seit einem erneuten tragischen Kentern eines Flüchtlingsschiffs mit über 700 Toten die Proteste aus der Bevölkerung spürbar lauter. Die Bundesregierung reagierte darauf: Bundespräsident Gauck drückte sein Bedauern aus und Bundeskanzlerin Merkel setzte durch, dass die Gelder für die Rettung der Schiffsbrüchigen im Mittelmehr von 2,9 Millionen auf 9 Millionen Euro pro Monat erhöht wurden. Das entspricht dem Volumen wie im Vorjahr.

Um es deutlich zu machen: Im Vorjahr betrug der Etat 9 Millionen Euro pro Monat bzw. etwa 110 Millionen Euro pro Jahr. bei diesem Budget war es nicht möglich, etwa 3.500 Menschenleben zu retten! Vermutlich bedarf es eher das Doppelte, um alle in Seenot geratene Flüchtlinge aus dem Meer zu bergen.

Gleichzeitig aber ist es nach Meinung der Regierung den Deutschen sehr wichtig, bequem und sicher reisen zu können, wohin uns die Urlaubspläne führen mögen. So befindet sich der Berliner Flughafen in einer endlosen Bauphase und hat bislang fast 5 Milliarden Euro gekostet. Und damit nicht genug: Allein der Stillstand des Flughafens aufgrund eklatanter Planungsfehler kostet den Steuerzahler zwischen 35 und 40 Millionen Euro monatlich - dreimal soviel wie die Rettung aller vom Ertrinken bedrohten Flüchtlinge kosten würde.

Damit ist das Maß noch nicht erschöpft: Mit dem Neubau des Stuttgarter Bahnhofs (Stuttgart-21) wurden trotz zahlreicher Proteste aus der Bevölkerung weitere 4 Milliarden Euro in ein Prestige-Reiseprojekt investiert. Zumindest scheint es bei diesem Vorhaben bislang zu keinen nennenswerten Pannen zu kommen, die diese Gelder als eine reine Verschwendung erscheinen lassen wie es derzeit leider beim Flughafen Berlin der Fall ist.

Damit ist die Reiselust der Deutschen der Bundesregierung weit über 9 Milliarden Euro wert gewesen. Die Seenotrettung der Flüchtline im Mittelmeer allerdings im gleichen Zeitraum zusammengerechnet etwa 300 Millionen Euro.

Ein Blick in das jährlich vom Bund der Steuerzahler verfasste "Schwarzbuch" offenbart, das der gleiche Betrag an Steuergeldern regelmässig verschwendet werden. Millionen Euros werden ausgegeben für nie zu befahrende Brücken, nie benutzte Toiletten oder was auch immer. Wie Milde stimmend erscheint da die Erhöhung des Budgets von 2.9  auf 9 Millionen Euro für die Rettung der Flüchtlinge vor dem Ertrinken.

Um es klar zu stellen: Es sollte nicht das Ziel sein, so viele Flüchtlinge wie möglich nach Europa oder gar Deutschland zu schaffen, selbst wenn die absoluten Zahlen im Europavergleich und weltweit beispielslos niedrig sind. Selbst die natürliche Pflicht, anderen Menschen in Not zu helfen, muss nicht ausschlaggebend sein. Ziel ist es vor allem, den Grund für die Flucht von Millionen Menschen zu beheben - und daran sind die Industriestaaten und somit auch Deutschland nicht unerheblich mitschuldig.

Allerdings hat sich unsere Bundesregierung eine ganz andere Zielsetzung gegeben: Sie wollen die Schlepper fassen, die die Flucht überhaupt erst ermöglichen und zugegeben daran auch verdienen mögen. Solche Schlepper gab es immer in Kriegs- und Krisenzeiten - Sie hiessen z.B. Geertruida Wijsmuller-Meyer oder Nicholas Winton und werden für ihre Taten jetzt als Helden gefeiert. Heute sollen diese als Verbrecher wieder gejagt und "im Namen des Volkes" verurteilt werden.

Sind wir dem Vergessen schon wieder derart nahe?

Zum Schluss: Zwischen "gefühlten" und realen Zahlen besteht häufig eine große Kluft: Tatsächlich beherbert Deutschland nur je Millionen Einwohner ca. 1.500 Flüchtlinge, also ca. 0,15%. Der kleine Inselstaat Malta hat viermal soviele Flüchtlinge aufgenommen.
Kategorie: Menschlich sein
Tags: Asyl · Flüchtlinge · Mittelmeer
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Über Micha:
Jahrgang 1961 arbeite ich über 35 Jahre lang in der Softwareentwicklung mit dem Schwerpunkt Datenbanken und Problemanalysen. Ende 1999 wurde die Webseite des Regenbogenwalds von mir erschaffen und bin seit der Vereinsgründung 2012 auch dessen ehrenamtlicher Vorstand.
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von Micha, 24.04.2015 10:49 Uhr · Teilen · Kommentieren · Gefällt mir · 2 anderen gefällt das

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