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Herzensangelegenheiten


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Und manchmal denke ich: “Hey, vielleicht war der Anfang dieser Woche nur das Aufwärmtraining für den Boot-Camp-Teil, von dem ich bis dahin noch nichts wusste.”.


Nächsten Mittwoch wird uns eine Zahnwurzelspitze aus dem Kiefer operiert. Dem Himmel und allen Mächten sei Dank, ist das unter Vollnarkose möglich. Zur Vorbereitung einer solchen Operation, ist es Routine ein Blutbild zu malen und eine allgemeine Untersuchung des Körpers geschehen zu lassen.

Wir kennen das schon und wissen, wie wir uns auf so etwas vorbereiten.

Wir erklären uns im Kopf alle Schritte nach innen – denn die medizinischen Assistenzen haben meistens keine Zeit dafür. Wir machen uns eine ruhige Insel um solche Termine und wurschteln uns sachte wieder zurecht. Es ist schaffbar für uns geworden, nach so einem Termin auch noch arbeiten zu können.


Was nicht vorbereitet werden kann, sind Überraschungen.

Wenn man dann in die Praxis geht, um die Befunde abzuholen und die nette Frau hinterm Tresen sagt, dass das EKG nicht in Ordnung wäre und die Frau Doktor noch mit einem sprechen möchte.


Jetzt mal völlig davon abgesehen, dass es mich jedes Mal wirklich bis unter die Haut kribbelig macht, wenn der Plan für den Tag gestört oder gesprengt wird, so ist diese Störung oder Sprengung dann doch noch einmal schlimmer, wenn diese Störung bedeutet, dass man auf ein Urteil oder einen Vorschlaghammer einmal quer durchs Sein hindurch, wartet. In einem Wartezimmer. 53 Minuten lang. Mit dem Wissen, dass das EKG nicht in Ordnung ist.


Und dann erfährt man, dass man ein Herzproblem hat und fragt sich, ob das Knistern in den Ohren die Spule des Film ist, in dem man sich gerade befindet.

Wir sollen uns schnell einen Kardiologen suchen und uns genau vom Anästhesisten aufklären lassen. Und erst dann entscheiden, ob wir uns wirklich die seit Oktober in unserem Kiefer vor sich hin eiternde Zahnwurzelspitze rausschneiden lassen wollen.


Ich wünsche mir für die Zukunft in solchen Momenten schneller sagen zu können: “Okay, das ist jetzt ein Hammer. Ich bin durcheinander und brauche Unterstützung.”. In der Gegenwart war es nämlich so, dass wir aus der Praxis raus sind, ohne die Unterlagen mitzunehmen und statt in Tränen auszubrechen erst einmal in einen der kleinen kahlen Rosenbüsche gekotzt haben.

Statt meine Familie* anzurufen, oder http://einblogvonvielen.org/2013/02/24/familie-mit-sonderzeichen/"
>meine Familie° oder mich in die Arme irgendeines vorbeigehenden Menschen zu werfen, torkelte ich die Straße entlang und klingelte bei jemandem, der dort auf der Ecke arbeitet, trank Wasser und fuhr nach Hause. Ich schrieb meiner Therapeutin und hörte meinem schrill vor sich hin gackerndem Kopf dabei zu, wie er einen Witz nach dem anderen über Prinz Eisenherz, Leonie Löwenherz, Doppelherz und an die 40 Versionen von “Klopf – Klopf – Witzen” produzierte.


Irgendwo am Rand wurden Zahlen jongliert, ob man sich eine Fahrt in die Wallakutten leisten könnte, um von dort aus die Familie* anzurufen.

“Wenn man am Herz krank ist, dann ruft man seine Mutti an. Oder die Betreuung oder so. So macht man das doch.”, sagten sie. Die Mittelkleingroßen zwischen 12 und 18 Jahren. Die wahrscheinlich bis heute nicht wissen oder begriffen haben, was unsere Abkehr und der Ausstieg vor 8 Jahren, ganz praktisch für unser ganzes restliches Leben bedeutet.

Es tut weh, ganz unfassbar tief weh, wenn sie es gerade in solchen Momenten ein Stückchen weiter erfassen und begreifen müssen und niemand da ist, dessen Umarmung oder ganz direkten Trost und Halt man ertragen könnte.


NakNak* reagiert auf uns, wenn wir innerlich auf diese Art wurschteln und bietet viel von ihrem Assistenzverhalten an. So schafften wir es einen Spaziergang mit ihr zu machen, die Welt und ihre Impulse zu ertragen. Luft zu holen.

Unsere Therapeutin zurückzurufen.


Es tat gut verstanden zu werden, auch wenn die Reaktion auf die Nachricht so paradox war und ich nicht einmal sagen konnte, wer “ich” eigentlich bin.

Und es war gut, daran erinnert zu werden, dass wir uns selbst eine Mutti sein können.

Eine Mutti im Guten.

Ein bisschen ist es auch die Erlaubnis zum Selbstmitleid, denn unsere Woche war wirklich schlimm und ursprünglich aber als eine geplant, die mit viel Lachen und Freude an Purim gefüllt wird, bevor wir uns im Mund operieren lassen. Vielleicht kann man sich vorstellen, wie es für mich ist, wenn eine ganze Woche unplanmäßig verläuft, wenn mich schon ein Tag kribbelig macht.


Ich bin nach Hause gegangen und sah den geöffneten Karton auf meinem Schreibtisch.

Die Hosentaschenheldin “Görpower-Hilda” war am Vormittag von der Druckerei geliefert worden. Hatte meine Aktion das Ziel 10 Stück unter die Menschen zu bekommen, so wurden bis jetzt 190 Stück bestellt und haben mir ermöglicht das Blog von Vielen im 7 Jahr des Bestehens werbefrei zu machen und der Arbeitsgruppe “das Nachwachshaus” ein Budget bereitzustellen, um das erste Austausch – und Vernetzungstreffen zu realisieren.


Ich fing an, die Heldinnen einzutüten, Adressaufkleber zu gestalten, die Einladung per Email rauszuschicken.

Auch das ist für mich “mir eine Mutti im Guten” sein: Dinge tun, die Gutes bedeuten und mich daran erinnern, dass ich ein Teil der Welt bin, von der ich mich gerade an solchen Tagen so weit entfernt und entfremdet fühle.

Ich habe mir natürlich auch ein Essen gekocht, das mir gut tut, habe 4 Folgen Gilmore Girls geschaut und bin früh ins Bett gegangen, aber ich habe dabei einen Faden zur Welt in der Hand gehalten und nicht losgelassen.


Jetzt sind fast 24 Stunden vergangen und ich habe mein Herzproblem noch immer nicht gegoogelt.

Ich möchte es noch nicht wissen, weil es mich bei einer vielleicht absurden Art von Trauer stört. Meinem Herzen fehlt etwas und ich habe es nicht bemerkt. Ich trauere um einen Funktionsverlust und um die Unbekümmertheit mit der ich bis jetzt über mein Herz dachte.

Ich will keine Berechtigung oder Maßstäbe von außen, die mir sagen, ob sich meine Trauer jetzt lohnt oder unnötig ist, weil “es nichts Schlimmes ist”.

Die Trauer ist da und irgendwann wird sie auch wieder ein Stück weiter in den Hintergrund gehen. Bis dahin werde ich mit ihr umgehen.


Neben der Wucht des Erfolgs, den http://einblogvonvielen.org/2015/02/24/aktion-hosentaschenheldin/"
>die Aktion “Hosentaschenheldin” für mich bedeutete, neben der Erfahrung von anderen Menschen http://einblogvonvielen.org/2015/02/14/das-gesprch/"
>über meinen Umgang mit meiner Behinderung und den Traumafolgen abgewertet worden zu sein, neben den Bemühungen auf eine Art verfügbar zu sein, wie es andere nicht sind und sein wollen, neben den Dingen, die es bedeutet, http://einblogvonvielen.org/2015/02/12/k-r-mpfe/"
>als behinderte Person an der Kunstschule zu sein, neben der Angst vor der Operation in der nächsten Woche, neben den Wünschen, Ideen und Plänen, die an allen Projekten, an denen wir arbeiten, dran hängen und diese auch ein Stück weit tragen.


Denn draußen scheint die Sonne auf Schneeglöckchen und es sieht aus, als würde sich der Frühling ein Nest in dieses Jahr hineinbauen.


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Quelle dieses Beitrags: http://einblogvonvielen.org/2015/03/07/herzensangelegenheiten/


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von EinBlogVonVielen, 07.03.2015 12:31 Uhr · Teilen · Kommentieren · Gefällt mir · sei der Erste, dem das gefällt!

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