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man blockt nicht, was weh tut

man blockt nicht, was weh tut

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Kurz nach 1 Uhr morgens ist es und ich logge mich in mein Mailpostfach ein, um mir sämtliche Twitterkorrespondenz der letzten Monate durchzulesen.


Grund dafür: mein Account wurde gesperrt.

Der Grund dafür wurde mir nicht genannt- vielleicht ist Twitter zu cool für sowas, vielleicht wurde ich aber auch von jemandem als missbräuchliche/r/* UserIn* gemeldet und die Angabe dieser Person aus Schutzgründen nicht an mich weiter geleitet. What ever. Egal.

Ich warte, was kommt.

Da ich weder Menschen betrüge noch absichtliche irgendwelche Urheberrechte verletze oder illegale Software an Twitter benutze, sehe ich mich erst mal im grünen Bereich.


Das ist das Eine – ich mag meine Twittertimeline und jetzt darf ich sie nicht mehr lesen. Blöd. Aua. Krampf mimimi Jaulimauli. Warten.


Das Andere ist – ich bin so blöd.

Vor einiger Zeit (also mehr als “Wochen” aber schon noch näher als “vor Monaten”) habe ich jemanden bei Twitter geblockt und dann dem Support von Twitter gemeldet, weil diese auf mein “Lass mich in Ruhe” nicht damit reagierte mich in Ruhe zu lassen.

Blocken ist eine gute Akutlösung. Aber dann kommt es vielleicht doch mal, das man um kurz nach 1 Uhr morgens mittelmäßig angetrunken, traurig und im Dis_sens mit der ganzen Welt ins Mailfach schaut und diesen Accountnamen wieder sieht. Und natürlich alles wieder hochgedrückt wird, woran man einfach nicht denken wollte.


Es kotzt mich so an, dass ich mit diesem Opfer- Armut- Behindert- Stempel nicht einen einzigen verdammten Schritt tun und feiern kann in den Augen mancher Menschen. Ich darf mich nicht hängen lassen vor den einen- ich darf nicht aktiv sein vor den anderen. Ich darf nicht um Geld oder Förderung meines Tuns bitten. Ich darf auch kein Geld ausgeben, denn wenn ich sage: “Ich habe keins” dann bedeutet das für solche Menschen den Pappkarton unter einer Brücke.

Ich darf keine Vorträge halten, weil das gleichbedeutend mit Arbeit oder Weiterbildung ist. Und natürlich bin ich in Wahrheit reich. Ich kriege ja für jeden Furz mit Glitzer dran Geld hinterher geworfen und trage meine Jahre alten Kleider because of the edge.


Es verletzt.

Ich bin wütend, weil mich so etwas einfach nur verletzt.


Und ich bin wütend, weil es Twitter schafft meinen Account zu sperren – den von hunderten Maskus oder auch dieser Person aber nicht.


Doch das eigentlich Schlimmste ist der Raum, den sich diese Person in meinem Kopf stiehlt.

Ich schreibe von dieser Person als “meine irgendwie Stalkerin” oder “sogenannter Twittertroll” – dabei kenne ich sie überhaupt nicht und sie wäre mir egal, wenn sie nicht permanent das Wort an mich richtete. Ihren Blick auf mich und vermeintlich durch mich und mein Leben richtete.

Das ist so eine Masche von Personen, die zwischenmenschliche Gewalt ausüben: “Quatsch sie voll, bis sie [die Person, die gerade zum Opfer wird> reagiert und wenn sie reagiert, dann pack sie dir- wickle sie ein, verschnüre sie wie ein Paket und heb sie auf deine Schulter – so kannst du sie mitnehmen. So gehört sie dir.”.

Es ist nicht nur Häme, die da an mich heran getragen wird – da sind auch Tweets, die völlig harmlos klingen. Aber in dem Kontext sind sie alles andere als harmlos.


Ich bin damit aufgewachsen zu hören, man solle auf solche Menschen nicht reagieren. Das Ding ist: nicht zu reagieren, heißt nicht zeitgleich keine Impulse aufzunehmen.


Personen, die bei Twitter geblockt wurden, erhalten jedes Mal eine Meldung, dass sie geblockt wurden von der Person. Selbstverständlich macht es mir auch Angst, wenn ich sehe, das dort eine Person trotz der Meldung jedes Mal, dass sie von mir geblockt wurde, was gut erkennbar ist als “Ich möchte nicht mit dir in Kontakt treten”, immer weiter schreibt und das Wort an mich richtet.


Und da ist also dieser Raum, der sich in meinem Kopf geklaut wird; dann ist da der Anspruch und das Beharren auf einen Kontakt mit mir; dann ist da dieses Bild von mir, das nah an mir dran ist, aber doch mehr Ähnlichkeit mit einer Springerverlag-Karikatur von mir hat und dann, ist da die Ohnmacht, die bleibt und bleibt und bleibt. Und zwar bei mir. Obwohl ich aktiv für meinen Schutz gesorgt habe. Obwohl ich mich verweigert habe.


Es macht ohnmächtig, wenn man sagen kann, was man will – erklären, offenlegen, verständlich machen – aber nichts, wirklich gar nichts genauso bei jemandem ankommt, wie es ist.


Es ist Quälerei, wenn man Menschen immer wieder in die Lage versetzt, sich zu erklären, diese Erklärung aber nicht gelten zu lassen. Ich mag an der Stelle eigentlich auch Sadismus erwähnen, aber wie gesagt: ich kenne diese Person nicht. Vielleicht hat das Ganze gar keine Lustaspekte. Aber wenn: wundern würde es mich nicht.


Tja, und wieso schreibe ich das jetzt mitten in der Nacht?

Weil ich vorhin dachte: “Hoffentlich findet diese Person irgendwann jemand anderen, an dem sie sich austoben will.”


G’tt und ich schäme mich für solche Gedanken. Meine Moral verprügelt mich gerade, weil ich im Grunde meine Ohnmacht auf jemand anderen verschieben will. Meine Ratio sitzt unten vorm Haus, dreht sich eine Zigarette und grunzt: “Ey- auf was Anderes kann man einfach auch nicht warten.” und der ganze Haufen verletzter Seelendreck sitzt vor dem Laptop und schreibt gegen das Weinen an.


Ich brauche einfach immer noch eine ganze Weile bis ich selbst an den Punkt komme, an dem ich merke, was der Trigger ist.

Vielleicht ist es gerade gut zu merken, das mein Trigger einfach immer wieder der ist, global und absolut geschwächt von meinen Gewalterfahrungen sein zu sollen; gehindert von meiner Behinderung sein zu müssen und mindestens kurz vor dem Status “Sterntaler ohne Goldregen” zu sein, wegen meines Hartz 4 Lebens.

Man soll ja auch immer das Positive sehen.

Was daran positiv sein soll zu merken, dass ein Anspruch, der aus Diskriminierungsstrukturen herauskommt, denen ich mich bis heute nicht entziehen kann- egal, wie sehr ich es versuche will könnte hätte müsste – auf mich massiv bedrohlich, weil an lebensbedrohliche Ohnmacht erinnernd, wirken, kann ich an der Stelle zwar auch noch nicht sehen, aber vielleicht geht es auch nicht darum, das zu sehen. What ever. Ich hab was Positives gesehen- dann darf ich ja jetzt den Finger auf die Kackscheiße richten und sagen, dass die weg soll.


In diesem Fall: diese Person.

Sie erinnert mich an jemanden mit dem ich mal in einem Forum zusammen war. Ich hatte das Forum ihretwegen verlassen. Ich. Nicht diese Person.

Warum?

Weil so ein Verhalten wundergut in die “Ich scheiß auf political correctness – ich bin so rebellisch und wild – ich lass mir von niemand etwas sagen because – Meinungsfreiheit !!11!!!!1 – die wollt ihr jawohl nicht verbieten! Grundgesetz!!!11!1!1!” Ecke passt.

Natürlich will niemand die Meinungsfreiheit unterdrücken – aber wenn die “Meinung” [meist es ist ja keine wirkliche Meinung, sondern einfach nur das Gegenteil der Überzeugung einer anderen Person, weil man ja "aus Prinzip" so rebellisch ist, das man immer erst mal das Gegenteil vertritt, um nicht zuletzt, vor sich selbst weiterhin super rebellisch und antiirgendwas zu sein> andere Menschen verletzt, dann kann sie nicht einfach kommentarlos stehen bleiben. In dem Forum aber blieb das so stehen. Warum ist mir egal- ich konnte es nicht verändern und hätte mich nur dran kaputt gemacht, es zu verändern.


Aus einem Forum, das mir nicht gut tut weil eine Person darin sitzt, die giftig für mich ist, zu gehen war leicht.

Ich habe gelöscht, was mir wichtig zu löschen war und den Account in Gedanken angezündet.


Twitter ist kein Forum. Mein Blog ist kein Forum.

Das sind _meine_ Kanäle mich mitzuteilen. Neben Facebook, mein einzigen Kanäle mich mitzuteilen.


Ich lese von Menschen, die mir sympathisch sind, die ich gerne mit in mein Bett und meine Küche, zu Partys und anderen spannenden schönen, vielleicht auch beängstigenden und traurigen Ereignissen mitnehme. Ich darf Anteil an ihren Leben nehmen, ich kann Kritik in einen Raum geben, der diese hinterfragt und/oder bestätigt, ich darf so etwas wie soziale Teilhabe haben. Ich kann gehört werden.

Außerhalb des Internet kenne ich nicht so viele Menschen. Ich habe keine Arbeit, bei der ich von einer Gruppe umgeben bin oder Ähnliches.


Das wird immer wieder so belächelt, wenn jemand sagt, er könne ohne Internet nicht mehr gut sein.

Wenn man sich aber ansieht, was so ein einziger Kurznachrichtendienst für mich tut, braucht man nicht mehr lächeln. Dann kann man sich zum Heulen in die Ecke stellen, weil einem klar wird, wie groß der Einfluss von Personen sein kann, die auf solche Kanäle toxisch einwirken (wollen).


Mir geht es dabei nicht darum, dass ich meine Beiträge für wichtig halte, sondern darum, dass es mir wichtig ist, sie (mit) zu teilen.


Das kann ich nicht gut, wenn ich dann immer wieder solche Impulse bekomme, die mir genau das aber im Grunde verbieten wollen.


Es ist jetzt halb 4 Uhr morgens.

Ich fühle mich bestohlen an Zeit, Kraft und geistigem Raum.


Einfach nur durch die Erinnerung daran, dass ich diese Person gemeldet habe.


Und das ist genau, was man keinem Gericht klar machen kann. Diese Personen brauchen gar nichts Konkretes mehr zu tun. Das, was sie schon getan haben, wirkt und wirkt und wirkt nach.


Gewalt ist so.



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Kategorie: Ein Blog von Vielen
Tags: Blocken · Gewalt · Kommentarkultur · Kommunikation · Lauf der Dinge · Meinungsfreiheit · Stalking · Twitter · virtuelle Gewalt
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von EinBlogVonVielen, 04.11.2014 12:49 Uhr · Teilen · Kommentieren · Gefällt mir · 1 anderen gefällt das

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