Er zupft die Saiten und er singt, doch das ist ihm verboten
Öffentlich am Neujahrsfest, sie sperrn ihn dafür ein
10 Tage, Nächte Angst und Qual, kaum Schlimmeres kann drohen
Als Bluter kann der nächste Schlag für ihn der letzte sein
Die erste Chance zur Flucht genutzt, er bittet um Asyl
Ein Kurde flieht aus Syrien nach Deutschland ins Exil
Die Menschen und die Sprache fremd, nicht nur das Wetter kalt
Geblieben ist ihm nur die "Saz", sein Instrument als
letzter Halt
Er spielt um zu vergessen
Man hat ihm mehr als wehgetan
Er spielt um zu erinnern
An ein erhofftes Land
Er spielt um zu vergessen
Man hat ihm mehr als wehgetan
Er spielt um zu erinnern
An ein erhofftes, doch verlornes Heimatland
Angst, für immer fremd zu sein
Angst, fortgeschickt zu werden
Angst, nicht mehr zu wissen wer man ist
Wozu man taugen soll?
Alptraumhaftes Dasein, schutzlos, schweigend eingeschnürt
Tatenloses Warten bis die Hoffnung resigniert
Das Greifen nach dem Strohhalm, das Üben in Geduld
Daß aus Menschen Opfer werden, daran sind die Täter schuld
Er spielt um zu vergessen
Man hat ihm mehr als wehgetan
Er spielt um zu erinnern
An ein erhofftes Land
Er spielt um zu vergessen
Man hat ihm mehr als wehgetan
Er spielt um zu erinnern
An ein erhofftes, doch verlornes Heimatland
Während wir das hören, während er so für sich spielt
Wird weltweit in vielen Kellern gefoltert, ganz gezielt
Erniedrigen, Zermürben, Quälen, Brechen und Zerstören
Der Schmerz bohrt in die Seelen, bis sie dem Teufel alles schwören
Wir können es nicht ahnen
Wir kennen nicht die Scham
Pervers, brutal, grausam, sadistisch
Was tun sich Menschen an?
Er spielt um zu vergessen
Man hat ihm mehr als wehgetan
Er spielt um zu erinnern
An ein erhofftes Land
Er spielt um zu vergessen
Man hat ihm mehr als wehgetan
Er spielt um zu erinnern
An ein erhofftes, doch verlornes Heimatland
"Die Nordoff-Robbins-Stiftung hilft
nicht nur autistischen Kindern durch Musiktherapie. Die Stiftung
leistet auch musiktherapeutische Behandlungen für durch Folter
traumatisierte Menschen innerhalb des Zentrums für Folteropfer
in Berlin. Bei einem Besuch dieser Einrichtung erzählte man mir
die Geschichte des Flüchtlings Cheredin Muhamed, die mich nicht
nur durch ihre musikalische Besonderheit sehr berührte. Wir
haben ihn in unser Studio eingeladen, er erzählte, spielte uns
auf der SAZ (einem traditionellen Saiteninstrument) vor, und
daraus entstand dieses Lied" (Kommentar von Hartmut Engler)
eingeschickt von Sascha, danke!