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An dieser Stelle macht der Regenbogenwald auf aktuelle Ereignisse und Aktionen aufmerksam. Dies ist keine ständige Rubrik, sondern wird nur bei Bedarf geöffnet

 

Wie schon im "Babyschänder-Prozeß" hat jetzt wieder ein Gericht entschieden, dass sexueller Missbrauch von Kindern "keinen weiteren Schaden" verursacht. Dies kann und darf nicht weiter hingenommen werden!

Der Regenbogenwald besteht überwiegend aus Überlebenden von sexuellem Missbrauch, die vielfach ein Leben lang unter den Folgen des Missbrauchs zu leiden haben. Oft können die Täter, die meistens auch aus dem näheren oder  familiären Umfeld kommen, nicht für ihre abscheulichen Taten juristisch zur Verantwortung gebracht werden. 

Doch dieses neuerliche Urteil des OLG Münchens ist mit das Schlimmste, was "im Namen des Volkes" den Überlebenden angetan werden kann. Deswegen protestieren wir geschlossen gegen diesen "Freibrief für Sexualstraftäter"!

Über dieses aktuelle Thema kann auch im Justiz-Forum diskutiert werden! 

 

"Eltern sind empört über Pädophilen-Urteil"

Im Fall des Pädophilen, der sechs Kin der aus dem Hasenbergl missbraucht haben soll, ist vor Gericht eine weitere fragwürdige Entscheidung gefällt worden. Zwar sei man „ernsthaft“ der Auffassung, Ludwig E. müsse in einer geschlossenen Einrichtung untergebracht werden. Doch der Beschluss für eine Einweisung erging nicht. Eltern reagieren empört und kündigen eine Demonstration an. 
Von Christian Rost 

Kindesmissbrauch 
Verurteilter Pädophiler wieder aus der Haft entlassen 

Auch nach der Verhandlung in zweiter Instanz befindet sich der 64-Jährige in Freiheit, obwohl eine psychische Störung vorliege. Wie die SZ und der Bayerische Rundfunk berichteten, soll sich der in Solln lebende Ludwig E. seit 1999 gezielt das Vertrauen allein erziehender, sozial schwach gestellter Mütter aus dem Hasenbergl erschlichen haben, um Kontakt zu deren Kindern zu bekommen. 

Die Buben und Mädchen im Alter von sechs bis 13 Jahren nahm er in der Folgezeit immer wieder mit in seine Wohnung, um auf sie „auf zupassen“, und fertigte ZENSIERT Fotos von ihnen an. Nachdem sich ein Kind seiner Mutter anvertraut hatte, wurde E. festgenommen. 

Das Amtsgericht München verurteilte ihn zu einer zweijährigen Haftstrafe. Er legte Berufung ein und zudem Haftbeschwerde. Das Oberlandesgericht München (OLG) entschied im Juli über die Haftfrage: Der Pädophile haben mit seinem Handeln den „milieugeschädigten“ Kindern nicht geschadet, da sie ohnehin aus verwahrlosten Verhältnissen entstammten. E. wurde bis zum Prozess in zweiter Instanz auf freien Fuß gesetzt. 

Psychologen und Ärzte aus dem Hasenbergl , die die betroffenen Kinder betreuen, kritisierten dies scharf reichten bei Gericht eine Beschwerde ein. Denn auch der zuständige Gerichts-Gutachter hatte im Fall E. erklärt: „Er stellt eine Gefahr dar. Vermutlich sind die Taten nur die Spitze des Eisberges.“ 

Wie die SZ gestern erfuhr, beriet die zweite Instanz - es handelt sich um die 20. Strafkammer am Landgericht Münch en I - Ende Oktober über den Fall. Der Vorsitzende Richter, Norbert Riedmann, hob das Urteil des Amtgerichts auf. Riedmann ist nämlich der Auffassung, dass Ludwig E. möglicherweise „vermindert schuldfähig ist“. 

Deshalb sei eine Haftstrafe ohnehin nicht zulässig. „Ernsthaft in Betracht“ komme vielmehr, den Mann nach Paragraph 63 Strafgesetzbuch in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung unterzubringen. Dies müsse aber eine andere Kammer des Gerichts entscheiden. 

Auf die Frage, weshalb der Pädophile angesichts dieser Erkenntnisse nicht längst in eine Psychiatrie eingewiesen wurde, wollte der Richter, der zumindest eine vorläufige Unterbringung durchaus hätte anordnen können, „keine Stellungnahme“ abgeben. Er sagte nur: „Möglicherweise kann hier ein Widerspruch gesehen werden.“ 

Die Rathaus-SPD forderte gestern „umgehend Aufklärung“ über die Entscheidungsgrundlagen der Justiz. Schon der Richterspruch des OLG habe „anscheinend das für den Päd ophilen erstellte psychiatrische Gutachten auf den Kopf stellt“. 

Während dieses den Angeklagten als Gefahr sehe, argumentierten die Richter, der Pädophile habe nicht gegen den Willen der Kinder gehandelt. Das OLG hatte festgestellt, die Kinder seien „aufgrund bestehender Verwahrlosungstendenzen infolge fehlender erzieherischer Wirkung“ an den sexuellen Handlungen interessiert gewesen. 

Der Angeklagte habe dies lediglich ausgenutzt. SPD-Stadträtin Angelika Gebhardt dazu: „Wenn ich die Begründung des Oberlandesgerichts lese, dann stehen mir die Haare zu Berge. Das klingt sehr nach: Schuld sind die Kinder selbst.“ 

Der Münchner Regisseur Stefan Zimmermann rief gestern zu einer Demonstration „Für mehr Opferschutz und gegen sexuellen Missbrauch von Kindern “ am 17. Dezember auf. Es soll von 17 Uhr einen Zug vom Luisen-Gymnasium zum Gerichtsgebäude an der Nymphenburger Straße geben. 

Quelle: Süddeutsche Zeitung

 

"Freifahrschein für Pädokriminelle"

Eine Entscheidung des Münchner Oberlandesgerichts ruft die Vertreter von Missbrauchs-Opfern auf den Plan, die bayerische Justizministerin protestiert. Der Richter hatte einen Pädophilen aus der Haft entlassen. Begründung: Da die missbrauchten Kinder ohnehin "Verwahrlosungstendenzen" aufwiesen, sei ihnen durch die sexuellen Handlungen kein weiterer Schaden zugefügt worden. 

Der Skandal um die Haftentlassung eines Münchner Kinderschänders schlägt nun auch bundesweit Wellen: Der Verein "Gegen Missbrauch", Betreiber der größten deutschen Internet-Seite zum Thema, verurteilt in Briefen an den Präsidenten des Münchner Oberlandesgerichts (OLG) und an Bundesjustizministerin Brigitte Zypries in aller Schärfe die Entscheidung des Gerichts. 

Der 64-jährige Ludwig E. war im Oktober des vergangenen Jahres festgenommen worden: Er hatte sich im Münchner Stadtteil Hasenbergl an Frauen aus sozial schwachen Familien herangemacht, sich ihr Vertrauen erschlichen und war so in Kontakt zu den Kindern dieser Frauen gekommen. 

Wenn ihm schließlich die Kinder - sie waren zwischen sechs und 13 Jahre alt - zur Beaufsichtigung überlassen wurden, fertigte er in seiner Wohnung pornografische Fotos von ihnen. Eines der Kinder hatte sich seiner Mutter anvertraut, sechs Fälle konnten dem Pädophilen nachgewiesen werden. 

Ende März 2003 wurde routinemäßig überprüft, ob die Untersuchungshaft andauern darf - und dabei fand der Richter des OLG jene Begründung, die nun die Gemüter erregt: Die Kinder seien von ihrer sozial schwachen Umgebung sowieso schon geschädigt gewesen. 

Hinzu komme, "dass die missbrauchten Kinder durch die angeklagten Vorfälle über ihre bereits ohnehin vorhandene Milieuschädigung hinaus keine erkennbare weitere Schädigung erlitten haben". Ludwig E. wurde aus der U-Haft entlassen und befindet sich wie berichtet bis heute auf freiem Fuß. 

Einen "Freifahrtschein für Pädokriminelle" nennt Ingo Fock, der Vorsitzende des Vereins "Gegen Missbrauch", den Beschluss: "Jeder Kinderschänder wird sich in zukünftigen Prozessen darauf berufen." Zudem sei die Entscheidung ein Schlag ins Gesicht jener, die sexuellen Missbrauch überlebt haben: "Die Betroffenen haben meistens genug Probleme, sich zu öffnen und jemandem anzuvertrauen. Jetzt sagt ihnen ein Gericht auch noch: Du bist selber schuld." 

Der Verein "Gegen Missbrauch" beobachtet die Internetforen, in denen sich Pädophile austauschen - auch dort wurde der Vorgang ausführlich diskutiert. "Die haben gestern Party gefeiert", sagt Ingo Fock und zitiert ein Posting aus einem dieser Foren: "Na endlich hat das mal ein Gericht offiziell festgestellt: Wenn nicht repressiv auf die Sexualität eines Kindes eingewirkt wird, dann können Kinder sogar Interesse und Spaß an derartigen Dingen, selbst mit einem 65-jährigen, haben." 

Ludwig E. wurde im Juni 2003 vom Amtsgericht München zu einer zweijährigen Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt, blieb aber in Freiheit, weil er gegen das Urteil in Berufung ging. Die Berufungskammer des Landgerichts hob den Spruch im Oktober auf: Das Gericht war der Meinung, es komme statt einer Haftstrafe auch die Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt in Frage, nämlich dann, wenn Ludwig E. zum Zeitpunkt der Tat wegen einer "schweren seelischen Abartigkeit" vermindert schuldfähig gewesen sein sollte. 

Diese Unterbringung in der Psychiatrie kann aber das Amtsgericht nicht anordnen, weswegen der Fall demnächst vor einer Jugendschutzkammer des Landgerichts neu verhandelt werden muss. 

Warum er einerseits Ludwig E. eventuell für vermindert schuldfähig hält, ihn andererseits weiterhin frei herumlaufen lässt - darauf wusste der zuständige Richter nicht so recht eine Antwort: "Möglicherweise kann hier ein Widerspruch gesehen werden", sagte er zur SZ. 

Mittlerweile hat sich auch das Bayerische Justizministerium in den Fall eingeschaltet: Ministerin Beate Merk erklärte, sie dürfe zwar die Entscheidung eines unabhängigen Gerichts nicht kommentieren: "Ich kann allerdings gut nachvollziehen, dass sich gerade die Opfer von Sexualstraftaten von solchen Formulierungen vor den Kopf gestoßen fühlen." 

Kinder seien, so Merk weiter, "absolut schutzwürdig vor sexuellen Übergriffen, egal aus welchem sozialen Umfeld sie kommen. Hier darf es keine Kinder erster und zweiter Klasse geben!" 

Das ist Ingo Fock vom Verein "Gegen Missbrauch entschieden zu weich. In seinem Brief an den Präsidenten des OLG schreibt er: "Wir Opfer von sexuellem Missbrauch haben Lebenslänglich, müssen unter großen Mühen Versuchen weiter zu leben, und die Täter...? 

Sollten Sie aber doch Interesse daran haben, sich mit jemanden zu unterhalten, der dies alles erlebt hat, der Ihnen erzählen kann, wie es in unseren Köpfen, unseren Seelen aussieht, bin ich gerne zu einem Gespräch bereit."

Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 10.12.2003

 

"Verurteilter Pädophiler wieder aus der Haft entlassen"

Nach Informationen der SZ und des Bayerischen Rundfunks hat die 2. Strafkammer am OLG in einem Verfahren gegen einen Pädophilen festgestellt: Der Mann hat seinen Opfern im Alter von sechs bis 13 Jahren nicht geschadet.

Die Entscheidung wird von Psychologen und Ärzte scharf kritisiert. Nach dem Beschluss wurde der in erster Instanz zu zwei Jahren Gefängnis verurteilte 64-Jährige aus der Untersuchungshaft entlassen.

Der Beschuldigte Ludwig E. hatte sich seit 1999 im Hasenbergl das Vertrauen sozial schlechter gestellter, allein erziehender Mütter erschlichen.

Der damals in Solln lebende Mann fuhr in den Norden der Stadt, sprach sie in Supermärkten oder auf der Straße an und erkundigte sich nach ihren Lebensumständen. Bei Frauen in finanzieller Notlage ging er dann weiter: Mal brachte E. bei einem Besuch Blumen mit, mal Schokolade, mal half er mit zehn Mark am Monatsende aus, wenn die Sozialhilfe nicht mehr reichte.

Das Vertrauen gewonnen, bot er sich schließlich an, hin und wieder auf die Kinder aufzupassen. Er nahm die Buben und Mädchen mit in seine Wohnung nach Solln und fertigte pornografische Fotos von ihnen an. Besonders perfide: Die Mutter eines Kindes war zu dieser Zeit tödlich an Krebs erkrankt und zeigte sich noch arglos dankbar für die Hilfe des älteren Herrn.

Der Kindesmissbrauch kam erst 2002 auf. Eines der mindestens sechs Opfer vertraute sich seiner Mutter an. Zuvor hatten die Kinder geschwiegen – aus Angst. E. setzte sie seelisch unter Druck. Er habe den Kindern gesagt, dass er „sauer“ werde oder sie nicht mehr zu ihm dürften, falls sie etwas von dem Vorgehen in seiner Wohnung erzählten, berichtet die Psychologin Sybille Trumpp, die ein Opfer betreut.

Die Drohung Ludwig E.s und seine Übergriffe auf die Kinder sind nachhaltig: Das Mädchen, um das sich Trumpp kümmert, bricht, auf die Vorfälle angesprochen, sofort in Tränen aus.

Die Polizei nahm E. fest, ein psychiatrisches Gutachten ergab: „E. stellt eine Gefahr dar, trotz seines Alters. Alles ist möglich. Man muss alles tun, dass das verhindert wird. Vermutlich sind die Taten nur die Spitze eines Eisbergs“, zitierte der Bayerische Rundfunk aus dem Papier. Das Amtsgericht verurteilte den Mann denn auch zu zwei Jahren Haft.

Weil er Berufung einlegte, wurde das Urteil bislang nicht rechtskräftig. Zudem erwirkte er Haftbeschwerde. Die Strafsache kam zum Oberlandesgericht. Die 2. Strafkammer kam im Juli diesen Jahres – den Argumenten der Verteidigung E.s folgend – zu dem Schluss, dass der Mann entlassen werden müsse.

Begründet wurde der Beschluss mit dem Umstand, dass die Kinder von ihrer sozial schwachen Umgebung geschädigt seien. Außerdem, so der Richterspruch, habe E. nicht gegen den Willen der Kinder gehandelt: „Vielmehr waren die Kinder aufgrund bestehender Verwahrlosungstendenzen infolge fehlender erzieherischer Wirkung ihrer Eltern erkennbar selbst an den vorgenommenen sexuellen Handlungen interessiert.

Dies hat der Angeklagte lediglich ausgenutzt, ohne hierbei irgendwelchen körperlichen oder psychischen Druck auszuüben.“ Hinzu komme, „dass die missbrauchten Kinder durch die angeklagten Vorfälle über ihre bereits ohnehin vorhandene Milieuschädigung hinaus keine erkennbare weitere psychische Schädigung erlitten haben.“

Bei der Staatsanwaltschaft reagierte man verblüfft auf diese Aussagen. Der Leiter der Staatsanwaltschaft am Landgericht München I, Christian Schmidt-Sommerfeld, sagte auf Anfrage der SZ vorsichtig: „Diese Formulierung ist wenig glücklich und nicht ohne weiteres nachvollziehbar.“ Deutliche Worte findet ein Ermittler der Polizei: „Genau diese Liberalisierung in der Rechtssprechung wollen Pädosexuelle erreichen. Sie geben auch immer vor, dass sie den Kindern nichts Schlimmes antäten.“ Entsetzt über die Entscheidung in der Haftfrage ist die Psychologin Trumpp, die sich mit Kollegen und Ärzten bereits bei Gericht beschwert hat.

Die Tatsache, dass alle betroffenen Kinder aus armen Verhältnissen im Hasenbergl stammten, lasse keinen Schluss auf „Verwahrlosungstendenzen“ zu. In Wahrheit, sagt Trumpp, die seit Jahren im Hasenbergl mit Kindern und Jugendlichen arbeitet, kümmerten sich alle Mütter trotz Geldmangels liebevoll um ihre Buben und Mädchen. Der Richterspruch schüre nur Vorurteile und sei „äußerst schädlich“.

Bei der Polizei betont man, dass gerade Kinder alleinerziehender Mütter, die sozial schwach gestellt sind, besonders häufig Opfer von Pädophilen würden. „Wie aus dem ,Lehrbuch für Pädosexuelle‘ ist E. bei seinen Übergriffen vorgegangen“, sagt der Ermittler.

In sozial schwachen Verhältnissen aufwachsende Kinder müssten deshalb besonders geschützt werden. Und es verwundere, dass das Gericht nicht berücksichtigt habe, dass etwa ein Drittel aller ermittelten Pädophilen ältere Männer seien – mit Wiederholungsgefahr.

Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 08.12.2003

 

"Unter Kinderschändern"

Sie lauern auf Spielplätzen, in Schwimmbädern und Sportanlagen: Männer auf der Suche nach Kindern. stern-Mitarbeiter Manfred Karremann tauchte über ein Jahr in die geheime Welt der Pädophilen ein. In einer zweiteiligen Serie beschreibt er, wie geschickt die Täter an ihre kleinen Opfer kommen und sich das Vertrauen von Müttern erschleichen

Er sprach das Mädchen auf der Straße an, am hellichten Tag. "Wat haste denn da für'n schmutziges Kleidchen an, da wird die Mama aber schimpfen!" Und lächelte beruhigend: "Komm, das waschen wir schnell aus bei mir." Das verunsicherte Kind, vielleicht fünf Jahre alt, hatte das Fahrrad an die Hauswand gelehnt und war mitgegangen. Ins hellbraun gekachelte Badezimmer einer Zweizimmerwohnung. Dort zog der Mann dem Mädchen, das vor Verlegenheit kein Wort herausbrachte, das Kleid aus. Bis ins Detail erzählt mir Kurt W.*, wie der Videofilm entstanden ist, den er mir gerade vorführt. Sein Badezimmer, das mit den hellbraunen Kacheln, habe ich inzwischen auch schon gesehen, weil dort die Toilette ist. Neben der Badewanne, in der er immer kleine Mädchen duscht.

Seit Stunden sitzen wir vor dem Monitor seines Computers. Er auf einem abgewetzten, grauen Bürostuhl, ich daneben, in einem roten Plüschsessel. Es ist düster in seinem "Arbeitszimmer". Neben dem Monitor leuchtet nur noch eine Tischlampe. Die Jalousien sind heruntergelassen. Damit kein neugieriger Nachbar ins Fenster schauen kann, während W. mir seine Kinderpornos vorführt, die er mir zum Kauf anbietet. Darunter viele Originale, die er selbst aufgenommen hat. Immer wieder gerät er ins Schwärmen, muss kichern, wenn er die Bilder sieht, die er und seine Kumpels aufgenommen haben. Besonders bei den Videos mit dem Badezimmer-Trick. "Hier", sagt er, "der hat ganz kleine Kinder von der Straße geholt und gesagt: Du hast dir in die Hose gepinkelt, dann wäscht er die und trocknet sie ab." Kurt W. weiß offenbar, wie die Filme entstanden sind, die er vertreibt. "Oder hier", sagt er schmunzelnd, "damit ihr Rock beim Waschen nicht nass wird, haben wir den hochgebunden, immer ein Stückchen höher."

Kurt W. schaut von seinem Monitor auf und zwinkert mir zu. Er ist davon überzeugt, dass ich einer wie er bin: ein Kinderschänder. Dieses Wort ist unter seinesgleichen natürlich tabu. Man bezeichnet sich als "Pädo". Eine Abkürzung von "pädophil", was wörtlich so viel bedeutet wie: kinderlieb.

Er weiß nicht, dass ich veröffentlichen will, was er da erzählt - über die Tricks, mit denen er und seine Kumpel an Kinder herankommen, und was sie dann mit ihnen machen, über die Herstellung und Verbreitung von Kinderpornos, die unter Eingeweihten "Kipos" heißen. Denn ich gelte inzwischen als "geprüft" in der Szene der Kinderschänder. "Geprüft" heißt: vertrauenswürdig, "einer von uns".

Seit Jahren habe ich in dieser Szene immer mal wieder recherchiert. In den 90ern hatte ich erste Kontakte zu zwei oder drei Pädophilen geknüpft, die ich mit der Zeit ausbaute. Habe mich diesen Männern "anvertraut", mich als Pädo ausgegeben, der auf Mädchen wie auf Jungen steht. Sagte ihnen, dass ich häufig beruflich unterwegs sei. Was mir immer mehr Kontakte einbrachte in vielen deutschen Städten.

Vor gut einem Jahr bin ich - für den stern und das ZDF - völlig eingetaucht in die Szene, fuhr mit meinem Wohnmobil quer durch die Republik, habe mich immer wieder mit einzelnen Pädos verabredet. Mit so genannten "Edelpädos", Träumern, die ihre Neigung nur in der Fantasie ausleben, mit Männern, die langjährige "Mini-Ehen" mit Kindern unterhalten; aber auch mit Triebtätern, die keine Rücksichten mehr nehmen auf Kinderseelen und Kinderkörper. Immerhin soll es 60 000 Pädos in Deutschland geben. Ich bin zu Gruppen-Treffs gegangen, habe "Freundschaften" geschlossen und durfte sogar fotografieren, ohne gleich Argwohn zu erregen.

Ich wollte nicht von außen berichten, sondern von innen. Wollte wissen, wie Pädophile und Kinderschänder denken, wie sie vorgehen, was sie anstellen mit ihren kleinen Opfern und wie sie untereinander kommunizieren. Wollte klären, weshalb Eltern so arglos ihren Nachwuchs erwachsenen Männern überlassen, die sich als Betreuer oder Nachhilfelehrer ausgeben. Nur wenn Eltern aufgeklärt sind über die Maschen und Methoden dieser Menschen, können sie ihre Kinder vor ihnen schützen. Denn die Gefahr, die von Pädophilen ausgeht, lauert oft dort, wo Eltern sie am wenigsten vermuten.

Auf dem Monitor sehe ich ein kleines Mädchen mit langen braunen Haaren, fünf oder sechs Jahre alt, schätze ich. Zunächst in einer harmlosen Szene: Das Kind malt ein Bild mit Wachsfarben, an dem runden weißen Blechtisch draußen auf dem Balkon. Es lacht in die Videokamera und winkt. Seine Mutter hat das Kind Kurt W. anvertraut, erst stundenweise am Nachmittag, dann immer öfter auch übers Wochenende. Denn Kurt W. ist Erzieher. "Die ist also in guten Händen, hat die Mama gemeint."

Kurt W. lacht meckernd, während er auf den Bildschirm schaut. Da macht er sich gerade über das Mädchen her. "Ach ja, meine Natalie", seufzt Kurt W., "da war sie noch klein, hatte Heimweh gehabt, dann habe ich die Mutter angerufen, habe gefragt, was ich machen soll, sie weint. Dann sagte die Mutter zu ihr: Du dumme Kuh, du wolltest da schlafen, jetzt bleibst du auch da."

Kurt W. ist mehrfach vorbestraft. 1980 verurteilt zu 27 Monaten Haft wegen fortgesetzten sexuellen Missbrauchs von Kindern, dann zu fünf Jahren wegen Kindesmissbrauchs und Verbreitung pornografischer Schriften, zuletzt zu siebeneinhalb und noch einmal zu zwei Jahren. Inzwischen ist er wieder frei. "Staatliche Unterbrechungen" nennt man das in der Pädo-Szene. Aus seiner ersten "staatlichen Unterbrechung" war er mit der Auflage entlassen worden, "den Kontakt mit unter Vierzehnjährigen zu meiden".

Daran hat er sich natürlich nicht gehalten. Er hat weiter Kinder missbraucht, Kinder, die er in seiner Wohnung als Erzieher und Nachhilfelehrer betreute. Während ihn ahnungslose Eltern dafür auch noch bezahlten, nahm er auf, was er mit seinen "Schützlingen" anstellte, und verkaufte die Videos für viel Geld.

Filme, auf denen minutenlang Geschlechtsteile von kleinen Mädchen zu sehen sind, herangezoomt mit einer Videokamera. Kunden, denen das nicht reicht, hat Kurt W. auch anderes zu bieten: Japanische Sado-Videos etwa, in denen fünf-, sechsjährige Mädchen vergewaltigt werden. "Die hast du mit Originalton dabei." Derlei "Material" aber hat Kurt W. noch nie aufgenommen - zu groß wäre die Gefahr, dass ein Kind zu Hause redet. Als "erfahrener Fachmann" weiß er, wie man Kinderpornos dreht und dabei sicherstellt, dass die Kleinen daheim schweigen.

"Spielerisch" müsse man das angehen, sagt er. Den Kindern das Gefühl geben, dass sie selbst schuld daran seien oder zumindest mitschuldig, weil sie das freiwillig mitgemacht hätten. Dann halten sie den Mund. Aus Scham. Mit den beiden Mädchen aus der Nachbarschaft, etwa fünf und acht Jahre alt, die bei Kurt W. mehrmals die Woche für einige Stunden am Nachmittag "betreut" wurden, hat das prima geklappt: erst die Hausaufgaben, dann ein bisschen malen, ein paar Computerspiele - und schließlich Pornos schauen. Im Schlafzimmer. In der Pädo-Szene ein alter, aber umso bewährterer Trick: Kurt W. schlägt den Kindern vor, das doch einfach mal nachzuspielen. Die Kleinen finden das erst mal komisch, kichern verlegen. Und machen dann mit.

Wie "spielerisch" er das angeht, zeigt er mir in einem Film. Da weist er die beiden Mädchen an, sich auf sein schwarzes Doppelbett zu legen. "Jetzt loslegen, Purzelbäume schlagen", kommandiert er. Doch dabei bleibt es nicht: "Jetzt mal die Schlüpfer ausziehen, eh die da zerreißen." Die Mädchen gehorchen, versuchen, für den "Onkel Schmusekurt" Szenen aus dem Porno nachzuspielen, den der ihnen zuvor gezeigt hat. Bis es einem der Mädchen zu viel wird: "Jetzt mag ich nicht mehr", sagt es und dreht sich zur Seite. Hier hat Kurt W. die Aufnahmen sofort abgebrochen. Aus Erfahrung weiß er, dass es riskant wird, wenn er in diesem Stadium die Kinder zu sehr drängen würde. "Das sagt ihr aber nicht der Mama, oder?", fragt er. "Nein", sagt eines der Mädchen, "wir würden sicher Haue kriegen, wenn die erfährt, was wir gemacht haben."

Szenen mit drei- und vierjährigen Kindern flimmern über den Monitor. W. lacht, zeigt auf den Bildschirm: "Mein Kumpel, der hat die, die ich auf dem Bild im Arm hatte, die kleine Dreieinhalbjährige, mit dem Stock entjungfert." Weil dessen Penis zu groß war. "Nach zwei, drei Tagen, als es nicht mehr geblutet hat" - er zeigt auf den Monitor - "da hat er sie gefickt." Ob das denn die Mutter nicht gemerkt hat, frage ich. Nein, sagt er. Kurt W. ist amüsiert: "Die konnte noch nicht sprechen, das war ein Paradies." Warum das Kind mit dreieinhalb noch nicht sprechen konnte, weiß er nicht - ist ihm auch egal. Kurt W. hat als Erzieher oft an Kinderfreizeiten teilgenommen. Einmal habe ihn eine Kollegin zur Seite genommen. "Die hat gesagt: Sie geben den Kindern zu viel Liebe, ziehen Sie sich ein bisschen zurück." W. las Gutenachtgeschichten vor: "Dann lagen die Mädchen bei mir im Zelt, und der Pfarrer meinte: Ach, der Herr W. ist wieder umworben von den ganzen Damen." Kurt W. kriegt sich kaum mehr ein vor Lachen über den arglosen Priester.

Das Geschäft mit der Kinderpornografie boomt vor allem in den Tauschbörsen des Internet. Nach Erkenntnissen von "Innocence in Danger", einer internationalen Organisation gegen Kindesmissbrauch, waren 2001 etwa 70000 Internetseiten mit pädophil-kriminellen Inhalten im Netz, 2002 waren es bereits 182000. Rund 4500 Chat-Rooms, in denen mit kinderpornografischen Fotos und Filmen gehandelt wird, seien bekannt. Laut Interpol wurden damit bislang weltweit 17 Milliarden Euro umgesetzt.

Zum bislang größten Schlag gegen die Verbreitung von Kinderpornografie holte die deutsche Polizei erst vor ein paar Wochen aus. Ende September durchsuchten insgesamt 1500 Beamte in allen 16 Bundesländern 502 Privatwohnungen und Geschäftsräume. Beschlagnahmt wurden 745 Computer, 35 500 CDs, 8300 Disketten und 5800 Videos. 530 Bundesbürger stehen seitdem im Verdacht, kinderpornografische Schriften und Bilder aus dem Internet besessen und in zahlreichen Fällen selbst verbreitet zu haben. Das jüngste Opfer war vier Monate alt.

Pädophile gibt es in allen Gesellschaftsschichten. In der deutschen Pädo-Szene habe ich Sozialhilfeempfänger und Mathematiker kennen gelernt, Lehrer und Ärzte, Erzieher und Sporttrainer. Nicht zufällig ist sicher der hohe Anteil an Berufen, die mit Kindern zu tun haben. Die Vorlieben der Pädophilen - Frauen sind überaus selten in der Szene - reichen vom Mädchen, das fünf oder sechs ist (in Ausnahmefällen Neunjährige), bis hin zu Jungs, die sechs, neun oder auch mal zwölf, dreizehn Jahre alt sind. In der Regel allerdings endet eine pädo-sexuelle Beziehung, wenn der oder die Kleine "hormonell verseucht" (Szene-Jargon) ist. Das heißt: wenn erste Anzeichen der Pubertät, etwa eine Behaarung, sichtbar werden. Wer so gestrickt ist, gilt bei Fachleuten als "kernpädophil", in der Szene als normal. Denn nur die Schwulen machen in der Regel Kompromisse nach oben hin - "Girllover" oder Kernpädophile nie.

Pädophile haben keinerlei Interesse an erwachsenen Frauen oder Männern. Konrad bringt es auf den Punkt: "Da können im Schwimmbad noch so tolle Mädchen oder Frauen vorbei laufen, die würdigst du mit keinem Blick, aber sobald da so ein Knabe auftaucht ?" Konrad ist "Boylover" und beschreibt seinen "Typ" so: "Ein schlanker, toller Junge, eine tolle Beule in der Hose, ganz aufregend. Die Figur, die ich bevorzuge: lange, schöne Schenkel, schlank, nicht dünn, und einen süßen Knackarsch."

Es gilt als normal in Pädo-Kreisen, dass "Girllover", also Männer, die sexuell ausnahmslos an Mädchen interessiert sind, sich in der Regel jüngere Kinder aussuchen als die so genannten BLs, die "Boylover". Die werben Jungs oft erst mit sieben oder acht Jahren an - und behalten sie mitunter auch bis zum elften oder zwölften Lebensjahr, mithin bis zur Pubertät.

Pädokriminellen, die Kleinstkinder bevorzugen, "ist das Geschlecht zunächst egal - diese Täter scheinen an einem bestimmten Alter interessiert zu sein, nicht an einem bestimmten Geschlecht", sagt Richard Karl Mörbel, Leitender Kriminaldirektor im Bundeskriminalamt.

Erst kürzlich konnte ein 19-jähriger Mann verhaftet werden, der aus Osteuropa stammt und in der Kinderbetreuung des Studentenwerkes an einer süddeutschen Uni arbeitete. "Die Kollegen vom FBI hatten uns auf kinderpornografisches Material aufmerksam gemacht, das sich in Deutschland befinden müsse", berichtet Mörbel, "unsere Nachforschungen haben ergeben, dass dieses Material über einen Rechner an einer süddeutschen Uni eingespielt wurde." Jetzt sitzt der Kinderbetreuer in U-Haft und wird wegen Verbreitung kinderpornografischen Materials in 32 Fällen angeklagt. Der Mann arbeitete zuvor in einem Waisenhaus und wollte demnächst nach Holland in ein Kinderheim. "Er hat eingeräumt", sagt Mörbel, "sexuelle Gefühle empfunden zu haben beim Anfassen und Wickeln von Babys." Die Zahl solcher Täter steigt. "Man könnte das etwas sarkastisch als einen Trend zum Wickeltisch bezeichnen."

"Babylover" trifft man selten in der Pädo-Szene, sie halten sich meist bedeckt. Ausnahmen bestätigen die Regel: Axel B. hat lange Zeit die Berliner "Selbsthilfegruppe" besucht, sagt, er könne sich stundenlang "Videos mit ein- bis fünfjährigen kleinen Würmern anschauen". Bekennende "Babylover" werden zwar misstrauisch beäugt, aber akzeptiert in den örtlichen Gruppen. Ein Berliner sagt: "Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen schmeißen - also jedem das Seine."

Monatlicher Treff der Gruppe München in Schwabing. Ein Vorstellungsritual wie bei den Anonymen Alkoholikern. "Boylover" Norbert sagt: "Ich bin der Norbert, ich streichle gern Buben am nackten Oberkörper, so zwischen acht und 18." Gelächter im Raum. Norbert ist neu hier. Neu ist offenbar auch "Girllover" Roland, ein stiller, grauhaariger Mittvierziger: "Ich bin der Roland und stehe auf Mädchen, nach unten keine Grenzen." Insider wissen damit, dass für Roland auch sehr kleine Mädchen in Betracht kommen. Die meisten der 15 Männer hier sind kurz angebunden. "Uli, Mädchen." Oder: "Berthold, Jungs." Das sind die, die nicht zum ersten Mal hier sind.

Einige davon haben bereits "staatliche Unterbrechungen" hinter sich. Keiner will diese Erfahrung noch einmal machen. Walter ist 60 und sagt: "Das ist die Hölle." Wer als Kinderschänder im Knast sitzt, wagt sich kaum aus seiner Zelle. Kinderschänder sind für die anderen Knackis "Abschaum", der jederzeit mit brutaler Gewalt rechnen muss.

Weil polizeiliche Zugriffe gefürchtet sind, spricht man auf dem Treff stets in der dritten Person, wenn von sexuellen Erlebnissen oder "Anekdoten" berichtet wird. "Es könnte ja immer mal sein, dass da ein Spitzel ist", sagt Thorsten, um die 30, der auf Jungs steht. Nur nach dem Treffen redet man offen miteinander, beim Italiener nebenan. Oder bei den geheimen Treffen, zu denen nur "geprüfte" Pädos zugelassen werden. Die Kriterien für eine Zulassung sind zuvor schon diskutiert worden: "Das entscheiden drei Leute mit Menschenkenntnis, und die bestätigen der Gruppe: Ja, der ist sauber." Man will sich in Ruhe austauschen in den so genannten Selbsthilfegruppen. Über das, was das Leben eines Pädophilen nun mal bestimmt: Einsamkeit und Depression, Umgang mit Polizei und Justiz, Erfahrungen und Probleme, die die Beziehung zu Kindern betreffen.

Um "Selbsthilfe" im Sinne der Anonymen Alkoholiker geht es in den Städtegruppen nicht, weil hier Pädophilie nicht als Krankheit gilt. Es geht darum, "dass wir zusammenrücken, uns gegenseitig stärken, denn Leute mit unserer Veranlagung sind nur dann stark, wenn wir viele Leute kennen, die genau gleich denken". In den Gruppen tauscht man Tipps aus, wie man möglichst unbehelligt von Polizei und Justiz leben kann.

Jürgen Lemke, Psychotherapeut in der Berliner Einrichtung "Kind im Zentrum", hat sich intensiv mit den gruppendynamischen Prozessen beschäftigt. Er betreut Täter, die ihm die Justizvollzugsanstalten zur Therapie schicken: "Die Leute verständigen und bestätigen sich in diesen so genannten Selbsthilfegruppen. Das ist, als würden Sie Füchse, die im Gänsestall jagen, irgendwo zusammenbringen, damit sie ihre Erfahrungen austauschen, wie sie die Gänse am besten jagen und greifen."

Bundesweit organisiert sind die meisten Pädo-Selbsthilfegruppen, die es in fast jeder größeren deutschen Stadt gibt, unter dem Dach der "Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität (AHS)" mit Sitz im hessischen Gießen. Die "AG Pädo" in der AHS will mehr Verständnis für die Pädophilen in der Gesellschaft wecken und kämpft gleichzeitig für die Straffreiheit sexueller Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern - wenn die damit "einverstanden" sind. Gefordert wird nicht das Recht, Kinder zu missbrauchen, sondern das Recht der Kinder auf sexuelle Selbstbestimmung.

Die "AG Pädo" in der AHS trifft sich zweimal im Jahr, in der Regel in Jugendherbergen. Zum Beispiel, im April dieses Jahres, in der Jugendherberge Mainz. Dort habe ich auch Lukas kennen gelernt. Der wohnt, wie die anderen Teilnehmer auch, übers Wochenende in der Jugendherberge. Ich begleite ihn auf einem Spaziergang über den Spielplatz neben der Herberge, im Volkspark Mainz. Lukas ist Österreicher, Mitte 30. Oberhalb des halblangen und viel zu weiten blauen Parkas wuchert ein schwarzer Bart über Kinn und Hals. Lukas scheint ständig zu grinsen, wenn er kleine Mädchen beobachtet oder ihnen quer über den Spielplatz nachläuft. Er ist ein "Girllover". Vor den Schaukeln versucht er, kleinen Mädchen zwischen die Beine zu schauen. Er fixiert ein etwa sieben oder acht Jahre altes Kind. Wieder grinst er. "Die sieht aus wie meine Perserin, die hab ich kennen gelernt, als sie acht war." Und bedauert: "Jetzt ist sie aber schon elf." Zu alt.

Wir stehen vor dem bunten Bummelzug, der eine Runde durch den Volkspark gezuckelt ist und jetzt angehalten hat. Lukas glotzt ein kleines schwarzhaariges Mädchen fasziniert an. Ihren türkischen Eltern scheint das nicht aufzufallen. Ein Glück, dass sie nicht wissen, was Lukas laut vor sich hinträumt: "So ein drei- oder vierjähriges Mäderl mal nicht nur auf den Mund zu küssen, sondern mal ein bisschen zu stimulieren, die Klitoris berühren, in so einen kleinen Schlitz hinein ? Wenn's dich dann so anschaut, von oben - so süß, so schön."

Er hat sich, wie schon zweimal zuvor an diesem Nachmittag, in Erregung geredet. "Bei mir wächst da schon wieder was, jetzt spannt mir wieder die Hose, ich muss das erst mal abarbeiten", sagt er, grinst dabei wieder und läuft schnurstracks zur Toilette im Cafe am Volkspark.

In der Jugendherberge tagt die "AG Pädo" in zwei Gruppen. Berät, wie man in einer spießigen Gesellschaft seine Ansprüche durchsetzen kann. Denn, so heißt es in der Szene-Zeitschrift "Der Knüpfer" frei nach Rosa von Praunheim: "Nicht der Pädo ist pervers, sondern die Gesellschaft, in der er lebt." "Wir Pädos", meint ein Tagungsteilnehmer ernsthaft, "werden inzwischen verfolgt wie damals die Hexen oder die Juden."

Abends dann ein gemütliches Beisammensein in der Bar der Jugendherberge. Die Gespräche werden privater. Thomas, ein schüchterner Mann um die 40, kommt aus Berlin. Er stellt in geselliger Runde die Frage, ob der achteinhalbjährige Junge, den er daheim betreut, wohl tatsächlich den Sex mit ihm will oder ihm vielleicht nur einen Gefallen damit tut. "Aber", so sein Fazit, "ist ja auch letzten Endes egal." Die Runde lacht mal kurz und laut auf. Dass Thomas das Alter des Jungen mit "achteinhalb" angibt, ist kein Zufall: Unter Pädos ist ein Kind nicht einfach fünf, acht oder elf. Hier zählt jedes halbe Jahr. Ich verabrede mich mit Thomas in Berlin.

Redaktionelle Betreuung: Werner Mathes

Quelle: Stern

Informationen über die AHS sind auch in unserem Newsletter zu finden.

 

"Jagd auf Zwergerl" (2. Teil von "Unter Kinderschändern")

Sie sind bundesweit organisiert, haben ihre Reviere dort, wo Kinder spielen. Und denen stellen sie nach - mit perfiden Maschen und Methoden. stern-Mitarbeiter Manfred Karremann tauchte ein Jahr lang in die geheime Welt der Pädophilen ein. Im zweiten Teil seiner Serie beschreibt er, wie das Netzwerk der Täter funktioniert

Berlin. Ich habe mich mit Thomas* verabredet, den ich auf dem bundesweiten Treffen der "AG Pädo" in der Jugendherberge am Mainzer Volkspark kennen gelernt habe. In der Hauptstadt betreut Thomas den kleinen Sohn einer Studentin. Die Mutter hatte in der Homo-Rubrik "Gleich & Gleich" eines Stadtmagazins inseriert. Dass sie einen schwulen Mann sucht, der sich ab und zu um ihren Jungen kümmert. Thomas weiß, warum: "Weil sie selber keinen sucht, den sie heiraten will, sondern nur einen für die Betreuung." Thomas schmunzelt: "Einfacher geht's, glaube ich, nicht. Ich dachte, ich seh nicht richtig: Ist das ein Scherz? Eine neue Fangmethode?" Die Kleinanzeige hätte ja auch eine Falle sein können. Dass sie sich ausgerechnet einen Pädophilen

für den kleinen Dani ins Haus geholt hat, ahnt die Mutter nicht. "Natürlich weiß sie nichts davon", sagt Thomas, "aber wir sind inzwischen eng befreundet." Getreu dem Pädo-Grundsatz: "Nicht mit der Mutter - aber auch nicht ohne die Mutter." 

Thomas betreut den Kleinen, wenn die Mama mittags an der Fachhochschule paukt. Wir sind am Hackeschen Markt verabredet, wo er den Jungen gerade vom Bahnhof abholt. Dani hat kurze dunkle Haare und plaudert gleich mit mir. Thomas soll Dani nach Hause bringen, ich begleite die beiden. Thomas trägt den bunten Schulranzen, fragt das Kind, was es heute erlebt habe. Er kann gut mit Kindern umgehen, denke ich. So wie die meisten "Boylover". Sie maßregeln Kinder höchst selten, lassen sie gewähren, bauen Vertrauen auf.

Für viele Pädophile ist es nicht nur lästige Pflicht, sich die manchmal großen Sorgen eines kleinen Mannes anzuhören und darauf einzugehen. Eben deshalb werden sie oft zu einem wirklichen Freund des Kindes. Wäre da nicht die andere Seite der Medaille. Weil der gute Freund so nett ist, nimmt das Kind sexuelle Übergriffe in Kauf - auch um die Zuwendung des Erwachsenen nicht zu verlieren. Thomas hält das für absurd: "Bei uns ist alles einvernehmlich. Der Junge will dabei nicht angesprochen werden, er genießt das", behauptet er.

Manchmal massiere er den Jungen auch nur, sagt Thomas, zum Sex komme es nicht immer. Der benutzt nicht mal ein Kondom, schießt es mir durch den Kopf. Thomas hatte nämlich erzählt, er sei HIV-positiv. Ob er denn keine Angst habe, den Kleinen mit Aids anzustecken, frage ich. "Nö", sagt Thomas, "das überträgt sich nicht so leicht. Ich steh sowieso nicht auf Geschlechtsverkehr, und er muss auch nicht meinen Schwanz in den Mund nehmen, nur ich bei ihm." Das glaubt die Mutter, die wir gewarnt haben, bis heute nicht. Ein Phänomen, das es häufig gibt.

Thomas sehe ich einige Tage später wieder: beim zweiwöchentlichen Pädo-Mittwochstreff in Berlin-Mitte. Als ich in die Eckkneipe komme, die am Telefon als Treff vereinbart worden ist, sitzen zwei Männer am Tisch. Sie stellen Fragen, dazwischen wird geplaudert. Einer sagt: "Irgendwann wirst du schon alle kennen lernen, bleib an der Mittwochsgruppe dran. Die ist abgeschirmt, da wirst du nur über einen Bekannten eingeführt, damit man sich da keinen Kripobeamten reinsetzt. In die Gruppe kommen nur Geprüfte."
Neun Männer sind heute da, alle zwischen 20 und 60 Jahren. Die meisten hier stehen auf Jungs, nur ein "Girllover" ist darunter. Reihum erzählt jeder, wie es ihm geht. Gerald, ein schrulliger Mann um die 40, gesteht, dass er einsam sei, an Depressionen leide. Fast nahtlos geht das Thema über auf "Stricher"-Preise, Orte, Modalitäten. Doch das tröstet Gerald nicht - er will keinen Sex ohne Liebe.

Deshalb beneidet er Konrad, der "eine richtige Beziehung" hat. Konrad, ein kleiner Mann mit gekrümmter Nase, Mitte 50, ist stolz auf "seinen" Kleinen, wie er ihn nennt. Er erzählt vom letzten Wochenende mit dem inzwischen zehneinhalbjährigen Julius. Seit beinahe drei Jahren seien sie zusammen.

Nach dem offiziellen Teil geht es in einer anderen Kneipe weiter. Nicht alle sind dabei. Ich setze mich neben Konrad. Der schwärmt von "seinem" Julius, mit dem er seit über zwei Jahren meistens die Wochenenden bei ihm in der kleinen Wohnung verbringt. "Das ist so eine Art Mini-Ehe, was wir da haben", erklärt Konrad. Wie er den Jungen kennen gelernt habe, will ich wissen. Konrad erzählt. Wie er Julius auf einem Spielplatz getroffen hat, der eigentlich das "Revier" eines anderen Pädos war. Wie Julius dann weggeblieben ist und er Tag für Tag die ganze Gegend abgeklappert hat auf der Suche nach dem Jungen. Wie er ihm dann irgendwann doch noch in die Arme gelaufen ist, wie sie zusammen baden gegangen sind und auf der Go-Kart-Bahn waren und er ihn abends immer brav am Spielplatz abgeliefert hat.

Und dann hatte ihm Julius gesagt, dass er mit seiner Mutter gesprochen habe. "Die hat mich gleich für den nächsten Tag zu sich bestellt." Konrad, der einen gewaltigen Bammel vor dieser Begegnung hatte, tischte der Frau die Legende vom eigenen Sohn auf, den er tatsächlich gar nicht hat. "Ich hab ihr erzählt, ich hätte eine gescheiterte Beziehung hinter mir und mein Kind schon lange nicht mehr gesehen, und der Julius erinnere mich so an meinen Sohn. Die hat das sofort verstanden."

Konrad erzählt, ohne Pause. "Die muss sich schon gefragt haben: Was soll denn einer in dem Alter von so einem Kleinen wollen? Aber die hat ja auch ihren eigenen Lebenswandel, immer irgendwelche Liebhaber aus irgendwelchen Kneipen. Einmal, als ich mit dem Julius unterwegs war, hat sie bei mir angerufen und gesagt, ihr Freund schlage in der Wohnung alles zusammen, ob ich die Möglichkeit hätte, den Julius in dieser Nacht bei mir zu behalten." Konrad grinst über das ganze Gesicht: "Ich hatte ein Riesenglück, die hat mir den Jungen regelrecht ins Bett gepackt." Fortan durfte Julius bei Konrad auch immer übers Wochenende bleiben.

Konrad wird nachdenklich: "Eigentlich kann man sich nur aus so einem Milieu einen Jungen so einfach holen, wo nicht nachgefragt wird. Was hat der Kleine da zu Hause, was soll er da schon?"

Julius kommt aus einer zerrütteten Familie in der Betonsiedlung Berlin-Marzahn. Die Mutter trinkt wohl zu viel, sagt Konrad. Dann ist Julius froh, wenn er dem Geschrei zu Hause entfliehen kann. Zum Glück gibt es Konrad, der immer auf ihn wartet. Der meckert nicht. Holt ihn freitags von der Schule ab und hört sich seine Sorgen an - für die sich sonst offenbar niemand interessiert. Konrad unternimmt immer so tolle Sachen mit ihm, behandelt ihn wie einen Erwachsenen.

Ausnahmsweise darf ich Konrad einen Tag lang mit "seinem" Kleinen begleiten, denn Konrad ist ausgesprochen eifersüchtig. Mittags warten wir an der Grundschule Berlin-Marzahn. Konrad ist schon aufgeregt, er freut sich, den Jungen zu sehen. Als Julius in den gemieteten Mercedes steigt, umarmt ihn Konrad erst mal. Ich sitze hinten. Julius muss noch zu Hause vorbei, seine Schultasche abliefern und ein paar Klamotten holen.

Mit dem Aufzug fahren wir hoch in den 13. Stock des Plattenbaus, in dem Julius die Woche über lebt. Die Wohnung ist bieder eingerichtet, ein deutscher Schlager dudelt aus einer Stereoanlage. Julius' Mutter ist geschieden, arbeitslos und hat drei hungrige Mäuler zu stopfen - Julius, seinen älteren Bruder und die ältere Schwester.

Die Mutter freut sich, Konrad zu sehen. Ein guter Freund der Familie. Umarmung, "Hallo, Konrad", "Hallo, Monika", Küsschen auf die Wange. Nach einer kurzen Plauderei verabschieden wir uns. Konrad sagt: "Tschüs, bis Sonntag dann." Julius drückt seiner Mutter einen Kuss auf die Wange.

Wir essen bei McDonald's, fahren zur Go-Kart-Bahn und dann zu einem ehemaligen Flugplatzgelände, wo der Junge ans Steuer darf. Mit 100 rast Julius im Leih-Mercedes über den Platz, auf dem Schoß von Konrad, der das sichtlich genießt. Ich sitze wieder hinten. Konrad dreht sich um und grinst mich an. Abends fahren die beiden heim, zu Konrad in die Wohnung in Berlin-Charlottenburg. Dort bin ich ein paar Tage später. Auf einem selbst gebastelten Längenmaß im Flur liest Konrad Julius' Wachstum ab, seit der Junge acht Jahre alt ist. "Mein Großer, der wird älter, damit muss ich mich abfinden." In der Wohnung gibt es nur ein Schlafzimmer - eine kleine Kammer, in der Matratzen liegen.

"Ich habe schon bald im Auftrag der Mama ein Zäpfchen stecken müssen", erzählt mir Konrad. "Ich habe feuchte Hosen gehabt, ohne dass ich da viel tun musste. Nun brauchte ich da aber irgendwann diese Triebabfuhr. Da lag er abends im Bettchen und hat geschlafen. Dann habe ich getestet, so mit Streicheln. Und irgendwann habe ich dann meinen Blödsinn gemacht und habe den armen Jungen befleckt, ohne dass er was gemerkt hat. Das war schlimm, aber geil."

Irgendwann hat ihm das nicht mehr gereicht. "Ich hab dann doch mal in der Dusche zugeschnappt, so: happ!" Konrad macht mit dem Mund eine Bewegung wie ein Fisch, der nach Luft schnappt. Beim gelegentlichen "Happ!" blieb es - bis jetzt. "Ich wollt mir ja gern mal von Anfang bis Ende einen rubbeln lassen, das hat er ja noch nie gemacht." Konrad sagt: "Und irgendwann wird er genagelt, aber da gebe ich noch ein Jährchen zu."

Auf seinem Wohnzimmertisch, mitten im Zimmer, steht der PC. Wenn Julius nicht da ist, geht Konrad online. In speziellen Chat-Rooms ist er Tag und Nacht mit Gleichgesinnten verbunden. Im "Jungs-Forum" zum Beispiel werden Probleme mit Kindern oder der Polizei diskutiert und, wo es geht, sexuelle Erlebnisse beschrieben.

"Wenn die Pädophilen sich im Netz austauschen, müssen sie damit rechnen, dass immer auch Beamte des BKA vor dem Monitor sitzen," sagt Richard Karl Mörbel, Leitender Kriminaldirektor im Bundeskriminalamt. "Wir kommen denen über kurz oder lang auf die Spur, wenn die im Internet ihren Gesinnungsgenossen von ihren Taten erzählen oder Kinderpornografie über das Web hin- und herschicken." Jeder Pädophile hat einen Nickname, den er auch im Internet benutzt, damit ihn die Lauscher der Polizei nicht identifizieren können.

Dass solche Nicknames, "Kater Drollig" oder "Grünbärchen", für die Polizei ein Problem sein sollen, bestreitet BKA-Fahnder Mörbel: "BKA-Beamte lesen mit, wenn in den Pädo-Foren gechattet wird. Die meisten Nicknames können wir zuordnen." Der Arbeitsbereich Internet beim BKA sei inzwischen personell stark aufgestockt worden.

Ich will von Konrad wissen, was er von der sexuellen Selbstbestimmung von Kindern hält. Er ist ehrlich: "Wer weiß schon, was in so einer kleinen Birne vorgeht? Inwieweit kann denn ein Kind damit einverstanden sein? Das reden wir uns hier schön, weil das Kind nicht unbedingt nein gesagt hat. Hat es denn wirklich unbedingt ja gesagt? Ich glaube, wir Pädos sehen das so, wie wir es gerne sehen wollen."

Im Juni dieses Jahres ist Konrad verhaftet worden, als er ein paar Freunde in der Leipziger Straße in Berlin besuchen wollte. Die hatten allerdings gerade wieder einmal kleine Jungs in der Wohnung und waren schon länger von Beamten des Landeskriminalamtes Berlin observiert worden. Konrad ist mitten in den Zugriff hineingelaufen. Vor dem Haus packten zwei Zivilbeamte den Frührentner unter den Armen und legten ihm Handschellen an.

Schon am nächsten Tag war Konrad wieder frei. Die LKA-Beamten haben Julius einvernommen und die Mutter befragt. Eine Art Missverständnis, hat Konrad ihr gesagt. Er habe dem Jungen nur den Bauch massiert und sei "halt mal dagegen gekommen". Deshalb konnte sich Konrad mit ihr arrangieren. Hat inzwischen mit ihr und dem Kleinen einen Ausflug nach Hamburg gemacht. "Für den Stress hat Muttern ein neues Kleid gekriegt, und jetzt ist alles wieder okay", freut sich Konrad. In ein paar Wochen soll der Prozess gegen ihn und die anderen Männer beginnen.

Einige der Männer, die im Juni in der Leipziger Straße festgenommen wurden, hatte ich schon im Frühjahr kennen gelernt. Der Kontaktmann, der für mich bürgte, war Konrad. Konrad hatte mir erzählt, dass die Männer zu einem von drei Berliner Pädophilen-Zirkeln gehören und Kindersexpartys veranstalten, "die machen da so Flaschendrehen und Strip-Poker". Richtige Mini-Orgien spielten sich da ab. Ihm selbst sei das allerdings zu heiß, "da sind dann mehrere Jungs, alles Plappermäuler, das kann ganz schnell kippen".

An einem Sonntagabend besuchen wir Zac in seiner Wohnung. Zac ist gut eins-achtzig groß und hat seine kurzen Haare blond gefärbt. Auch Sascha und Stefan sind da. Als ich mit Konrad eintreffe, sehen sie sich gerade Fotos auf dem PC an - Kinder auf dem Rummelplatz, Eindrücke vom Wochenende. "Zac ist clever", hatte mir Konrad gesagt, "sobald der einen Jungen kennen gelernt hat, hat der auch den Kontakt zu den Eltern gesucht. Die Eltern waren nach den Gesprächen mit Zac überzeugt, dass er die Kinder tatsächlich unterrichtet."

Zac, der "Boylover", der so schlau mit Eltern umgehen kann, verrät mir seine "Alien-Masche": "Ich habe den Jungs aufgetischt, dass ich ein Außerirdischer bin, und um die Menschheit zu retten, brauche ich halt einen Jungen und ein Mädchen. Bei dem Mädchen war es sowieso klar, bei dem Jungen musste ich gucken, ob es echt ist, könnte ja auch abfallen, wa?" Ich verstehe nicht, worauf er hinaus will.

Zac simuliert ein Kontaktgespräch: "Was, du bist ein Junge? Das glaube ich dir nicht! Sagt der Junge: Doch, ich bin ein Junge. Darauf ich: Das musst du aber beweisen! Darauf der Junge: Ja, guck doch mal, ich habe ganz kurze Haare! Nee, sag ich, die hast du gerade abgeschnitten!" Schließlich, erzählt Zac, muss das Geschlecht überprüft werden. Er demonstriert, wie der Junge die Hose auszieht. "Darauf sag ich: Der ist doch nicht echt, hey, das muss ich noch mal prüfen! Das funktioniert immer." Die Runde amüsiert sich köstlich.

Die Tricks der Pädophilen, mit Kindern in Kontakt zu kommen, sind vielfältig und auf die Jahreszeit abgestimmt. Der Sommer ist ideal. Meist ziehen dann mehrere Männer gemeinsam los, in Schwimmbäder oder an die Ufer der Seen im Berliner Umland. "Erst mal muss man in so einem Bad die ganzen Leute da abchecken", sagt Konrad, "die Familien, da muss man wissen, wer zu wem gehört. Dann tut's der alte Getränke-Trick: Kommen Jungs vorbei, mache ich die Kühlbox auf und hole kalte Colas raus. Ich frage, wer eine Flasche haben will, weil ich keinen Bock habe, das alles wieder mit nach Hause zu schleppen." Daneben hat jeder Pädophile seine Standardausrüstung dabei: eine Tasche Spielsachen, Tischtennis- und Federballschläger, Bocciakugeln oder Frisbee-Scheiben.

In Zacs Wohnung komme ich mit Sascha ins Gespräch. Er ist Informatiker, Anfang 40. Ein schüchterner Mann von schmaler Statur. Er war lange in der Pädophilen-Organisation "Krumme 13" aktiv, die mehr Rechte für Pädophile fordert. Sascha hat in einem Plattenbau an der Leipziger Straße eine Zweizimmerwohnung. Es ist die Wohnung, die im Juni dieses Jahres von der Polizei gestürmt worden ist. Bevor das LKA anrückte, war ich dort. Als ich die Klingel drücke, meldet sich über die Sprechanlage eine müde Kinderstimme: "Hallo." Ich sage, dass ich zu Sascha will.

Die müde Stimme gehört Felix, den ich oben treffe. Felix ist ein zerbrechlich wirkender blonder Junge von 13 Jahren. Er ist der "Kleine" von Floh, einem Informatiker, der aus Wien stammt. Als Felix jünger war, war er der BF, der "Boyfriend", von Erwin, einem Englischlehrer, dem ich ebenfalls schon begegnet bin. Der hat ihn an Floh abgegeben.

Die Wohnung ist spärlich eingerichtet. Ein Hamsterkäfig steht im schmalen Flur, unter den Garderobenhaken. Die kleine Küche ist einfach eingerichtet - Herd, Kühlschrank, Spüle, Tisch, zwei Stühle. Die zwei Zimmer der Wohnung sind mit Matratzen ausgelegt. Abgesehen von einem kleinen Couchtisch und zwei Sesseln die einzigen Möbel im Apartment. Und natürlich stehen mehrere PCs in jedem Zimmer, neben den Matratzen.

Felix sitzt auf dem Schoß von Floh, der offenbar Marihuana raucht. Auch die Kids dürfen ab und zu ein paar Züge nehmen. Fünf Jungs sind an diesem Wochenende zu Gast. Toni, neun Jahre alt, Leon und Kevin, beide elf, und Sandro und Felix, bereits 13. Toni ist ein hübscher Junge, so, wie ein "Boylover" sich das wünscht: schlank, lange Beine, samtige Haut und schöne Augen. "Toni ist das Nesthäkchen hier", sagt Informatiker Sascha. Die Kinder kommen schon seit über einem Jahr in die Wohnung der Pädophilen.

Hier dürfen sie alles. Bis zwei Uhr nachts aufbleiben und am Computer spielen, rauchen, ein bisschen Alkohol trinken, fluchen. Wenn sie nicht hier sind, sind sie mit den Männern im Kino oder im Schwimmbad. Dafür sollen sie mit ihnen "kuscheln". Leon zeigt mir im Flur kurz ein Kondom, ehe er es in die Toilette wirft. "Ist meins", sagt er.

Weitere Pädophile treffen in der Wohnung ein. Darunter auch Zac, der dicke Blonde mit der Alien-Masche. Er gibt mir seine Visitenkarte, wegen der Telefonnummer. Die Karte für Erwachsene. Für Kinder hat er andere: lustige gelbe Kärtchen, mit einem Teddybärchen und bunten Herzchen drauf. Darunter der Spruch: "Hängt zu Haus der Degen schief - ich mal schnell den Zac anrief - Telefon ?" Die Karten verteilt er an die Jungs, die er anspricht. Zac ist natürlich nicht sein richtiger Name, sondern sein Nickname.

Delikte an Kindern sind schwer zu beweisen, weil die meistens freiwillig in die Wohnungen der Pädophilen kommen. Wie die Jungs in der Leipziger Straße. Sie sind unten von den Männern am Fußballplatz angesprochen worden: "Wenn es euch langweilig ist, kommt doch einfach mal hoch in die Wohnung, da gibt's PC-Spiele." Das war vor gut einem Jahr.

An einem Freitag im Juni stürmt die Polizei die Wohnung. Vier Männer und fünf Jungs sind da, als ein Spezialeinsatzkommando die Tür eintritt. Zac wird die Nase eingeschlagen. Zeitgleich durchsucht die Polizei mehrere andere Wohnungen - fast überall wird man fündig.

Nachdem die Männer aus der Leipziger Straße in den Polizeibus verfrachtet sind, führen Zivilbeamte auch die Kinder zu den Polizeiautos. Sie müssen mit aufs Revier, sollen gegen die Pädophilen aussagen. Die Eltern werden angerufen, warten aber erst einmal auf einer Bank im Landeskriminalamt - stundenlang. Denn die Kinder schweigen eisern. Zunächst. Bis die Mutter einem der Jungs verspricht, sie werde nicht verhaftet, wenn er rede. Erst packt er aus, dann die anderen. Vorher haben sie einen Polizisten gefragt: "Wie lange bleiben die drin?" Worauf der versichert: "Für sehr lange." Kevin ist beruhigt: "Bis dahin bin ich selber groß genug, um mich zu wehren, wenn sie mir was tun wollen." Am nächsten Tag sind zwei der Verdächtigen bereits wieder frei. Konrad, der vor dem Haus an der Leipziger Straße mitverhaftet wurde, und Zac, der jetzt ein Pflaster über der gebrochenen Nase trägt. Es bestehe weder Flucht- noch Verdunkelungsgefahr.

Nachts klingelt plötzlich mein Handy. Der Leiter der Berliner Pädophilen-Gruppe meldet sich. "Wir sitzen hier gerade in größerer Runde zusammen und reden über die Sache, die da passiert ist. Wir haben da einen Verdacht, und es wäre gut, wenn du kommst." Ich fahre zur angegebenen Adresse nach Berlin-Kreuzberg. Und habe Angst. Die suchen den Spitzel, der sie verpfiffen hat. Ich kann den Verdacht schließlich ausräumen.

Auch bei einem Treffen in einer Kneipe an der Kurfürstenstraße am nächsten Tag werde ich noch einmal in die Zange genommen. Weil ich neu war im Kreis um Sascha. Auch ein Pädophilen-Funktionär aus Hamburg ruft an - fragt, ob er etwas für mich tun könne. Längst läuft die "Spitzelsuche" bundesweit über das Internet.

Die Kinder haben Angst. Weil sie geredet haben und die Täter wieder frei sind. "Kevin schläft nur noch bei uns im Bett und wacht jeden Morgen schweißgebadet auf", sagt mir später seine Mutter. Sie ist verbittert. "Das hätte ich nie vermutet, dass da so was läuft", sagt sie mit verweinten Augen. "Neben der ganzen Wut, dem Hass und der Trauer mache ich mir Vorwürfe, weil ich das nicht gemerkt habe."

"Das uns so was passiert", sagt auch die Mutter von Leon, "konnte ich mir nicht vorstellen. Da waren doch immer mehrere Jungs in der Wohnung. Und den Leon habe ich auch immer wieder mal gefragt: Was macht ihr eigentlich da? Dass das Kinderschänder sind - die hätte ich mir ganz anders vorgestellt."

Hans-Jürgen aus München, ein knapp 60-jähriger Lateinlehrer, steht auf ältere Jungs, so ab elf, lieber noch zwölf. Mit ganz Kleinen hat er nichts am Hut. Er ist vor ein paar Monaten in erster Instanz verurteilt worden - zu zweieinhalb Jahren Haft ohne Bewährung wegen schweren sexuellen Missbrauchs. Obwohl er nicht vorbestraft war. In seiner Wohnung hatte er einem Elfjährigen aus dem Haus hinten in die Hose gefasst - der ist weinend zur Mutter einen Stock tiefer gelaufen, die ihn angezeigt hat.

Nach dem Prozess haben ihm Nachbarn mit einer Eisenstange drohend ans Küchenfenster geschlagen. Jeder im Wohnblock wusste schon, dass hier ein "Kinderschänder" wohnt. Hans-Jürgen ist schließlich umgezogen. Er hat Berufung eingelegt, die Verhandlung wird irgendwann im nächsten Jahr sein. Bis dahin bleibt er auf freiem Fuß, weil er einen festen Wohnsitz hat und keine Verdunkelungsgefahr besteht.

Mit Hans-Jürgen war ich im Sommer im Münchner Westbad. "Da hab ich schon schöne Erlebnisse gehabt, vor allem in der Dusche", sagt er, "und wenn nichts läuft, gibt's auf jeden Fall was fürs Auge." Das Westbad ist "in" bei den Pädophilen, ebenso wie das Nordbad, das Aqualand in Köln oder das SEZ in Berlin. Hans-Jürgen entdeckt an diesem Samstagnachmittag sechs andere "Kollegen" im Schwimmbad. "Klein-Mädchen-Waldi", wie er unter Insidern genannt wird, fällt sogar mir auf, weil er stundenlang mit kleinen Mädchen Ball spielt, im Nichtschwimmerbecken.

Später taucht Waldi auch in der Familiensauna auf, um nackte kleine Mädchen anzustarren. Weil Kinder, Jungs wie Mädchen, meist am Samstag in die Familiensauna gehen, sind dann auch die Pädophilen vor Ort. "Kinder dürfen die Sauna nur in Begleitung Erwachsener betreten", steht an der Tür. Umgekehrt wäre es besser. Auch Hans-Jürgen und sein Kumpel Alwin sitzen in der Sauna, schauen nach "Zwergerln", wie in Bayern kleine Jungs genannt werden. "Hast das Zwergerl in der Sauna g'sehn? Das hat mich die ganze Zeit angelacht, ich musst mir grad ein Handtuch umlegen", sagt Hans-Jürgen schmunzelnd.

Auch draußen im Freibad machen sie Jagd. Hans-Jürgen hat in seiner blauen Sporttasche Tischtennisschläger und Frisbee-Scheiben. Als wir an der Tischtennisplatte stehen, schaut ein Junge zu. "Der ist ohne die Eltern da", raunt mir Hans-Jürgen zu. "Willst mitspielen?", ruft er dem Jungen zu. Der nickt freudig.

Natürlich muss Hans-Jürgen dem Jungen zwischendurch mal zeigen, wie man beim Schmettern den Tischtennisschläger hält. Und fasst ihm von hinten um die Hüften. Später versucht Hans-Jürgen sich mit ihm zu verabreden. Ein Muster, wie ich es kenne aus der Szene: ein Kontakt, irgendwann eine scheinbar zufällige Berührung am Po. Um zu sehen, wie das "Zwergerl" reagiert.

Mit dem Internet ist die Szene der Pädos regelrecht explodiert. Von einem "Quantensprung, einer anderen Dimension" spricht Günther Ilsen, Fahnder bei der Ermittlungskommission Kindesmissbrauch (EK KIM) des Landeskriminalamtes Düsseldorf. "Viele, die eine pädophile Neigung bislang unterdrückt haben, haben durch das Internet festgestellt: Aha, da gibt es ja noch viele andere, die so denken wie ich, und sogar Gruppen, in denen man sich trifft."

Guntram aus Köln ist ein typisches Beispiel für einen solchen "Schläfer". "Ich war 25 Jahre verheiratet, hab sogar selber Jungs", erzählt er mir beim Treff der Kölner Pädo-Gruppe in der Pizzeria "Quo Vadis". Guntram steht auf ganz kleine Mädchen, so um die vier oder fünf Jahre alt. "Da war mal so ein bisschen was mit meiner Nichte, klar, aber insgesamt hab ich die Neigung doch verdrängt. Als ich im Internet gesehen habe, Mensch, da gibt das ja noch viele andere, die so sind wie du, und die treffen sich auch, habe ich mich von meiner Frau getrennt."

Bis vor kurzem, so Guntram, habe er eine sehr nette Beziehung zu Melanie gehabt, die sei fünfeinhalb. "Das ist Liebe, meine erste richtige, tiefe Liebe", sagt er. Sogar mit Puppen haben er und Melanie im Kinderzimmer gespielt, und sie durfte auch schon mal bei ihm in der Wohnung bleiben. "Der Vater ist ein Kumpel von mir." Guntram hatte sich gefreut, Melanies Einschulung mitzuerleben. Jetzt hat ihm aber ihre Mutter jeden Kontakt untersagt. "Die muss auf meine Beiträge im Pädo-Forum gestoßen sein", vermutet er.

Herbst 2003. Alle Mütter und Väter sind verständigt oder gewarnt worden, gegen viele Männer laufen Ermittlungsverfahren. Mein Handy, das ich nur für diese Recherchen benutzt habe, ist abgeschaltet. Aus. Endlich.

Redaktionelle Betreuung: Werner Mathes

Quelle: Stern

 

"Polizei sprengt Münchner Kinderschänderring"

Die Polizei hat bei einer Großrazzia einen Münchner Kinderschänderring gesprengt und zwölf Verdächtige festgenommen. Die Festgenommenen sollen nicht nur tausende kinderpornografische Bilder und Videos über das Internet verbreitet haben, sondern sich auch selbst über Jahre hinweg an Minderjährigen vergangen haben, wie die Polizei am Freitag mitteilte. Der Münchner Oberstaatsanwalt Anton Winkler bestätigte, dass Recherchen des "Stern" und des ZDF zu dem Ermittlungserfolg beitrugen.

Die Recherchen des Journalisten Manfred Karremann
Der Journalist Manfred Karremann war für ein gemeinsames Projekt beider Medien über ein Jahr inkognito in die Szene eingetaucht und mit dem Wohnmobil durch ganz Deutschland gereist um Kontakt zu mutmaßlichen Tätern zu knüpfen. Männer führten ihm dabei unter anderem selbst gedrehte Videos vor, wie sie Mädchen im Alter von unter vier Jahren sexuell misshandelten, wie Karremann im aktuellen Stern berichtet. "Es war die härteste Recherche die ich je gemacht habe", erklärte der Reporter, dessen Dokumentarfilm "Am helllichten Tag" das ZDF am kommenden Dienstagabend ausstrahlt.

Überraschungsschlag der Polizei
In der Nacht zum Freitag hatten mehr als 200 Polizisten und Staatsanwälte zu einem Überraschungsschlag ausgeholt und insgesamt 18 Wohnungen durchsucht. Schwerpunkt war die bayerische Landeshauptstadt, wo die Beamten am Donnerstagabend blitzartig 16 Wohnungen stürmten. Die Einsatzkräfte hätten die Objekte die ganze Nacht bis um 8.00 Uhr Morgens gründlich durchsucht, berichtete eine Polizeisprecherin. Auch in Memmingen und in Oberbayern wurden nach Polizeiangaben jeweils eine Wohnung durchsucht. Insgesamt wurden 36 Computer, 41 Festplatten und über 8.000 CD-ROMs mit unzähligen Pornobildern und Videos beschlagnahmt. Gegen die zwölf Verdächtigen wurde Haftbefehl erlassen.

Treffpunkt im Münchner Stadtteil Schwabing
Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks (BR) soll im Mittelpunkt der Ermittlungen eine Wohnung im Münchner Stadtteil Schwabing stehen, die den Tätern als Treffpunkt gedient haben soll. Die Beamten hätten bei der Razzia in der Regel die Wohnungstüren aufgebrochen, um die Verdächtigen zu überraschen und am Löschen von Computerdateien zu hindern.

Polizei und Staatsanwaltschaft wollten am Freitag zunächst nicht auf weitere Einzelheiten der Ermittlungen eingehen und kündigten für kommenden Montag eine umfangreiche Pressekonferenz an, bei der die Ermittler auch Teile des sicher gestellten Materials vorlegen wollen. Nach der Nachtaktion sei am Freitag noch nicht mit der Auswertung des sicher gestellten Materials und den Vernehmungen begonnen worden, sagte eine Polizeisprecherin. 

Bislang größte Razzia liegt vier Wochen zurück
Erst vor einem Monat hatte die Polizei zu ihrem bislang in Deutschland größten Schlag im Kampf gegen Kinderpornografie ausgeholt. Bei der weltweit umfangreichsten derartigen Operation wurden Ende September in 166 Ländern unter dem Namen "Marcy" 38 kinderpornografische Zirkel im Internet gesprengt. In Deutschland wurden dabei 530 mutmaßliche Täter ermittelt, die kinderpornografisches Material besessen oder verbreitet haben sollen. Bundesweit wurden 745 Computer, mindestens 35.500 CDs, 8.300 Disketten sowie 5.800 Videos beschlagnahmt. Das jüngste dabei festgestellte Opfer sei erst vier Monate alt gewesen.

Quelle: Stern

 

"Unvorstellbare Perversionen und Grausamkeiten"

Mit der Operation "Marcy" haben Ermittler unter Federführung Sachsen-Anhalts in einer weltweiten Aktion 38 international agierende kinderpornografische Zirkel gesprengt. In 166 Staaten wurden rund 26.500 tatverdächtige Internet-User aufgespürt, 530 davon in der Bundesrepublik, von denen rund die Hälfte inzwischen ein Geständnis abgelegt hat.

"Dennoch haben wir hier nur die Spitze des Eisbergs", resümierte der Direktor des Magdeburger Landeskriminalamtes (LKA), Frank Hüttemann. Er wies darauf hin, dass die Tatverdächtigen nicht etwa aus Randgruppen stammten oder "arme Irre" seien. Vielmehr seien die Pädophilen "quer durch die Gesellschaft und Bildungsstufen zu finden". So gehören zu den Tatverdächtigen unter anderen Lehrer, Betreuer von Kindersportmannschaften, ein Heilpraktiker für geistig behinderte Kinder, ein Pfarrer, der in der Kinderbetreuung tätig war, sowie fünf Polizisten und ein Beamter des Bundesgrenzschutzes. Bei einem Stadtabgeordneten sei bei der Durchsuchung zudem Kokain im Büro und Cannabis im Garten entdeckt worden, berichtete Generalstaatsanwalt Jürgen Konrad. 

Quelle: Stern

 

Ältere Berichte:

2003 - Meldungen September

2003 - Meldungen August

2003 - Meldungen Juli

2003 - Babyschänder-Urteil

2003 - Tödliches Rockkonzert

2003 - Irak-Krieg

2002 - Erdbeben in Italien, 50 Kinder verschüttet

2002 - Geiselnahme in Moskau (aktualisiert)

2002 - Geiselnahme in der Friedensschule in Waiblingen

2002 - Über 180 Tote bei Bomenanschlag auf Bali

2002 - Jakob von Metzler ermordet (aktualisiert 28. Juli 2003)

2002 - Am Bodensee verlieren 52 Kinder ihr Leben

2002 - Erfurt, Tragödie an der Schule

2001 - Der 11. September wird unvergessen sein

 
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